04.01.2018

„Tunse mir mal drei Böller und fünf von den Schkaipehntern“, forderte am 29.12. letzten Jahres eine Kundin energisch von der entnervten Supermarkt-Verkäuferin, die schon hektische Flecken im Gesicht hatte ob der Vielzahl von Kundenfragen zu Silvesterartikeln. Doch trotz des Stresses gab sie jedem einzelnen Kunden mit auf den Weg: „Und Sie wissen ja, Sie dürfen erst ab morgen Mitternacht die Raketen abfeuern, das schreibt die Stadt Köln so vor.“ Dass die Silvesterknallerei gesetzlich geregelt ist, wundert nicht im reglementierten Deutschland: Raketen, Sonnenräder, kleine Feuertöpfe, Römische Lichter und Böller zählen zur Feuerwerkskörpern der Klasse 2 und dürfen nur Silvester abgefeuert werden (auch der Zeitrahmen ist, von Stadt zu Stadt unterschiedlich, vorgeschrieben). Kleinere Lärmmacher wie Knallbonbons, kleine Bodenkreisel, Knallerbsen und Tischfeuerwerke der Klasse 1 dürfen ohne zeitliche Begrenzung von Personen jeden Alters gekauft und verwendet werden. Trotz aller Vorschriften: Bei uns im Viertel knallten die ersten Böller schon am 29., das erste Feuerwerk stieg bei Tageslicht am Samstagnachmittag in den Himmel, und auch am Neujahrstag war an diversen Orten pyrotechnisch noch ordentlich Action. Kanchenjunga flickr Und was mache ich nun, wenn ich zum Beispiel zum Geburtstag meiner Liebsten (der im April ist) ein formidables Feuerwerk entzünden möchte? Kein Problem, sofern ich über 18 Jahre bin und mich von städtischen Formalia nicht abschrecken lassen. Flugs einen formlosen schriftlichen Antrag an die Stadt Köln geschickt mit Angaben zu Datum und Uhrzeit, Ort und Anlass des Feuerwerkes sowie zur Anzahl der Feuerwerkskörper und dann heißt es warten auf die Ausnahmegenehmigung. Die auch mal auf sich warten lassen kann …. und zwischen 40 und 300 Euro kostet. Apropos Kosten: 137 Millionen Euro ließen sich die Bundesbürger im Jahr 2016 die Silvesterknallerei kosten. Der Verband der Profiknaller, pardon, der Verband der Pyrotechnischen Industrie, hofft auf einen ähnlich hohen Umsatz 2017. Die Kehrseite der Knallerei: Laut Umweltbundesamt wurden 2016 rund 5.000 Tonnen Feinstaub (PM10) freigesetzt, der allergrößte Teil davon in der Silvesternacht. Dies entspreche ca. 17 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmenge. Das macht einen dann doch nachdenklich. Wir kaufen schon seit vielen Jahren keine pyrotechnischen Artikel mehr … und gucken dennoch Silvester gebannt und begeistert in den Himmel, in dem sich lautstark bunte und glitzernde, vielfältigste Formen entfalten. Ohne schlechtes Gewissen werde ich dies sicher erst tun, wenn die stummen LED-Varianten des Feuerwerks ähnlich beeindruckend sind wie die schwarzpulverhaltigen lauten Originale. Wann auch immer das sein wird …

Ihnen wünsche ich eine feinstaubfreie, ruhige und schmackhafte Mahlzeit und natürlich ein spannendes, gutes neues Jahr.

Rufus Barke