24.11.2017

Extrem eng windet sich der Fluss in die Kehre, kriegt kaum die Kurve und bildet schließlich eine Schleife, eine der berühmten Moselschleifen, die den Flussverlauf so spektakulär machen, um dann weiter zu mäandern. An den steilen Hängen ist das Wandern herausfordernd, aber der Blick von oben über den gewundenen Fluss und die disziplinierten Rebenreihen entschädigt für einige strapaziöse Anstiege. Ich bin immer wieder gerne dort, auch wenn ich mich so manches Mal keuchend die Hänge hochschleife, da bleibt keine Luft für geschliffene Konversationen. Von Zeit zu Zeit erleichtern lang gestreckte Serpentinen den Aufstieg, dann wieder zwingen Spitzkehren einen kurzfristig in die entgegengesetzte Richtung. Heikel kann es werden, wenn man in Haarnadelkurven kaum einen Fuß vor den anderen setzen kann oder ein unerwarteter Knick die Orientierung erschwert. Sanft geschwungene Wege mit harmonischen Biegungen und Wendungen bieten, auf der Höhe dem sich krümmenden Fluss folgend, dagegen pures Wandervergnügen. Am Wegesrand faszinieren immer wieder splitternde Schieferplatten und von Wind und Wasser geschliffene Felsen. Beeindruckend auch zahlreiche hoch über dem Fluss an strategisch günstigen Plätzen gelegene Burganlagen. Nur wenige wie die Burg Eltz sind gut erhalten, von den meisten dagegen stehen nur noch Ruinen, weil sie bereits vor Jahrhunderten geschleift wurden. olaf muendelein flickr web

Apropos geschleift: Hoch über dem Tal, den Blick auf den engen Flussverlauf gerichtet, fragte ich mich, warum es eigentlich Flussschleifen heißt, obwohl sich die Flussarme gar nicht kreuzen. Wie sollte das auch gehen? Ich jedenfalls hielt eine Schleife immer für etwas Gebundenes, und der Duden gibt mir damit zunächst auch Recht und definiert Schleife als „Schnur, Band, das so gebunden ist, dass zwei Schlaufen entstehen“. Im Folgenden aber auch als „starke Biegung, fast bis zu einem Kreis herumführende Kurve bei einer Straße, einem Flusslauf o.Ä.“ und sogar noch als „Folge von Anweisungen oder Befehlen eines Programms, die mehrmals hintereinander durchlaufen werden kann“. Okay, eine Schleife kann also vielgestaltig sein, nur einen Kreis bildet sie nicht, mindestens ein Ende bleibt immer offen. So folge ich weiter den Schleifen des Flusses, bleibe manchmal in einer Schleife hängen, ziehe trotzdem weiter meine Kreise, ohne mich im Kreise zu drehen und versuche eine geschliffene Formulierung für das Ende dieses Textes zu finden. Auch wenn ich den Bogen noch nicht raus habe – ich werde meine Bemühungen nicht schleifen lassen. Und irgendwann werde ich die Kurve kriegen.

Eine geschmacklich abgerundete Mahlzeit wünscht Ihnen

Ihre Petra Janßen