13.09.2017

Auch kleine Dinge machen große Freude. Das formschöne Wörtchen „Kinkerlitzchen“ gehört dazu. Ebenso „Mumpitz“, „Firlefanz“ und „Kokolores“. Letzteren erzähle ich Ihnen aber heute nicht; stattdessen versuche ich, die Herkunft dieser blumigen Begriffe flott und findig zu beleuchten – und zwar mit einem Ausflug in den Hessischen Odenwald. Früher nannten die Menschen dort ihre aus einem kopflosen Holzgestell und ausrangierten Kleidungsstücken bestehenden Vogelscheuchen Mummelbutz. Vermummen bedeutet bekanntlich verkleiden und der Butz ist ein Gespenst. Im Laufe der Zeit wurde aus dem Mummelbutz ein Mumpitz, dem heutigen Synonym für Unfug oder Blödsinn – vermutlich, weil selbst die Krähen kaum mehr Angst vor der mehr oder weniger gelungenen menschlichen Attrappe hatten, sondern sie nur albern fanden.

Apropos albern: Als Firlefanz wird laut Herkunftswörterbuch ein albernes Gehabe bezeichnet. Was aber nicht immer so war. Aus dem Wörtlein „firl“, das ursprünglich „Tanz“ bedeutete, wurde im Laufe der Zeit die Assoziation „flink“ oder „behände“. Durch die Verbindung mit „vanz“ (Schelm, Schalk) kam es dann zu der Bedeutung „komische Person“ – während die heutige Bedeutung albernes Gehabe wiederum später durch die Kreuzung mit mundartlichen Wörtern wie „fanzen“ (Possen treiben) entstand. novofotoo flickr web

Vom Firlefanz geht’s nun zum Firlefranz – also zum Franzosen. Jenem verdanken wir nicht nur die Kinkerlitzchen, sondern auch den Kokolores – rein sprachlich betrachtet, wohlgemerkt. Die Kinkerlitzchen leiten sich von „quincaillerie“ ab – dem französischen Wort für Kurzwaren, also Knöpfe, Zwirne, Nadeln etc, die die Hugenotten im 17. Jahrhundert wohl dabei hatten, als sie nach Preußen kamen und sich vermutlich recht regelmäßig aus möglicherweise eitlen Motiven ihre Uniform richten mussten. Eitelkeit ist übrigens auch beim Kokolores im Spiel. Dessen Herkunft basiert wohl auf „coq“, dem französischen Wort für Hahn. Eben jenen als gefallsüchtig zu betrachten, hat eine lange Tradition. Der Gedanke liegt auch dem Adjektiv „kokett“ zugrunde, das im Französischen – „coquet“ – als eine Ableitung von coq daherkommt und also eigentlich „hahnenhaft“ bedeutet. Demnach ist der Kokolores nichts anderes als eine Gockelei oder ein Gegacker der blödsinnigen Art. Wenn Sie also demnächst von einem allmorgendlich krähenden Hahn geweckt werden sollten, rufen Sie sich einfach in Erinnerung, dass der Hahn nicht anders kann als einfach nur Kokolores zu betreiben.

Eine erbauliche Mahlzeit mit oder ohne Firlefanz wünscht
Ihr Marcel Pannes