23.08.2017

„Die Karibik ist ein Paradies für Urlauber, aber auch sehr interessant für Wissenschaftler“, so der Beginn einer TV-Dokumentation über die karibische Flora und Fauna. Wieso bilden Urlauber und Wissenschaftler in der Karibik eigentlich einen Gegensatz, deutlich formuliert durch das Wort „aber“? Was ändert sich an der Aussage, wenn wir „aber“ durch ein „und“ ersetzen: Die Karibik ist ein Paradies für Urlauber und auch sehr interessant für Wissenschaftler? Nichts, rein gar nichts. Und deshalb appelliere ich an alle Mahlzeit-Leser: Streichen Sie das „Aber“ weitestgehend aus Ihrem Wortschatz – seien Sie Optimist! Denn „aber“ wird unglaublich oft verwendet, um Positives wieder einzuschränken, klein zu halten, zunichte zu machen. Gerade Pessimisten verwenden gerne ein „aber“ selbst im höchsten Eigenlob: „Das Publikum hat meinen Vortrag sehr gelobt, aber im Mittelteil war ich doch etwas fahrig.“ Henry Patton/flickr

Und dieses kleine und gleichzeitig mächtige Wörtchen „aber“, das sprachwissenschaftlich eine Konjunktion ist, also ein Wort, das Haupt- und Gliedsatz oder Satzglieder verbindet, begegnet uns oft und überall. Im Wetterbericht sagt Sven Plöger: „Heute wird ein wunderschöner Sommertag mit 25 bis 28 Grad, aber gegen Abend kann es im Süden gewittern.“ Hier nimmt das „Aber“ dem Kernsatz seine gesamte positive Stimmung – durch das angehängte „Aber“ entstehen vor unseren Augen vor allem kräftige Gewitter, zehn Stunden Sommertag mit Sonne satt verschwinden. Ganz anders, wenn wir auch hier ein „und“ verwenden: „Heute wird ein wunderschöner Sommertag und gegen Abend kann es im Süden gewittern.“ Da sind doch die Gewitter gleich viel kleiner und irgendwie unwichtiger.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gehaltvolle, aber schmackhafte – pardon, eine gehaltvolle und schmackhafte Mahlzeit

Ihr

Rufus Barke