28.01.2015

Ich lese sehr gerne. Und zwar nicht nur die mehr oder weniger hoch platzierten Autoren diverser Bestsellerlisten, sondern auch und vor allem Speisekarten. Deren Autoren sorgen nämlich häufig für unfreiwillige Komik, wenn sie ihre angebotenen Speisen in durchaus kundenfreundlicher Absicht in verschiedene Sprachen übersetzen. Zum nächsten Mittagessen könnte Ihre Wahlwww.lustich.de 21205 lustige speisekarte beispielsweise auf „Huhn Schnur-blau" fallen. Okay, das war leicht, damit ist ein Cordon bleu gemeint („le cordon" heißt im Französischen wörtlich „Die Schnur"). Möglicherweise reizt Sie aber auch ein Stück „Gefüllte Türkei." Dann mögen Sie Truthahn, dessen englische Bezeichnung „turkey" dem Übersetzer in den falschen Hals geraten ist. Sehr empfehlenswert ist sicher auch das Hauptgericht „Drei Arten von Zahnstein", das seine Entstehung wohl der Verwechslung von „tartare" (italienisch: „Feingehacktes") mit „tartaro" (italienisch: „Zahnstein") verdankt. Nun ja.

In einem Restaurant in Spanien wurde auf der Speisekarte ein Gericht mit „Queso fresco, aguacate y miel" offeriert – also Frischkäse, Avocado und Honig. Ins Französische war die Übersetzung korrekt: „Fromage frais, avocat et miel". „Avocat" ist im Französischen aber sowohl das Wort für Avocado als auch für Anwalt. So wurde in der deutschen Version daraus unglücklicherweise „Frischer Käse, Rechtsanwalt und Honig." Skurril ging es auch auf Mallorca zu: Dort bot ein Restaurant Fisch im Backteig an – im Englischen ganz korrekt als „Battered Cod Fillet" bezeichnet. „Battered" bedeutet aber nicht nur „in Teig ausgebacken", sondern auch „zusammengeschlagen." Und so wurde der arme Fisch als „Misshandeltes Kabeljaufilet" ins Deutsche übersetzt. Tja.

Die deutsche Sprache hat jedoch auch ihre Tücken. Ein Bistro-Inhaber in der Türkei war wohl auf der Suche nach einem „ß" auf seiner Tastatur. In Ermangelung desselbigen entschied er sich für ein optisch ähnliches „B" und kreierte „WeiBer Kaffee." Deutsche Gastronomen sind vor lustigen Ungereimtheiten in ihrem Angebot ebenfalls nicht gefeit. So wurde auf einer Speisekarte aus dem „Kaiserschmarrn" flugs ein „emperor's nonsense." Mein Favorit bleiben aber die Zwiebelringe, deren englische Entsprechung „onion rings" auf einer Karte als „Zwiebel ruft an" angepriesen wurden. Köstlich!
In einer der nächsten Kolumnen werde ich mich dann mit unverständlichen Bedienungsanleitungen beschäftigen, frei nach dem Motto der Bedienungsanleitung eines alten Video-Rekorders: „Bitte halten Sie die Klappe und treten Sie die Taste ein!"


Humorvoll „Mahlzeit!" wünscht
Ihr Marcel Pannes

21.01.2015

Winterurlaub an der Nordsee und wir studieren den Veranstaltungskalender. Im Angebot u.a. ein Infoabend im Nationalparkhaus. Ein Infoabend im Parkhaus? Kurze nachdenkliche Pause. Nein, doch nicht in einem Parkhaus, im Nationalparkhaus. Jetzt gibt es schon nationale Parkhäuser? Wer oder was parkt denn da? Und wie sieht so ein Parkhaus wohl aus? Bevor wir uns zu einem Besuch entschließen, lassen wir uns die Sache nochmal gründlich durch den Kopf gehen, denn auf einen Infoabend in einem schwarzrotgoldenen Autoabstellareal haben wir nicht so wirklich Lust. Wir lesen die Ankündigung erneut durch und stellen fest, dass unsere Fantasie mit uns durchgegangen ist. Eine kleine Übersprungsreaktion der sinnherstellenden Synapsen und schwuppdiwupp wurde aus dem Informationszentrum ein Autohaus. Das bringt die Frage auf, wieso sich hinter dem Wort Park so geradezu gegensätzliche Dinge verbergen. Auf der einen Seite das Parkhaus und der Parkplatz, die, asphaltiert oder gepflastert und liniiert, Raum für nichtorganische Fortbewegungsbehältnisse zur Verfügung stellen. Auf der anderen Seite – Grün. Städtisches, suburbanes, gezielt angepflanztes und stetig bearbeitetes, der Erholung dienendes Grün. Die in diesen Parks vorkommenden Parkbänke dienen dem entspannten Genießen der gebändigten Flora und Fauna und sind nicht etwa, wie sich auch aus dem Namen schließen ließe, dafür vorgesehen, auf ihnen zu parken. me maya/flickr

Auf frappierende Weise bringt das Wort Park die unterschiedlichen Ausformungen des Stadtlebens auf einen Nenner. Mit dem Auto zum Park, im Parkhaus geparkt und dann in den Park gegangen und sich auf eine Parkbank gesetzt. Ein Beispiel für einen typischen Sonntagsausflug. Anders als bei einer Fahrt ins Blaue oder einem Ausflug ins weiter draußen gelegene Grün, bewegt man sich dabei normalerweise innerhalb festgelegter Grenzen. Und damit kommen wir dem tieferen Sinn des Wortes Park langsam auf die Spur. Denn dem Ursprung nach, so der Altphilologe Klaus Bartels, „bezeichnete der parc im Französischen sowohl eine ausgedehnte, von einer Einfriedung umschlossene Gartenanlage (…) als auch ein wiederum eingezäuntes, abgesperrtes militärisches Depot für allerlei Fahrzeuge und Geschütze, Munition und anderes Kriegsgerät“. Ob belebt oder unbelebt, abgestellt oder aufgeblüht, was einen Park zum Park macht, ist also der eingezäunte Raum, womit ebenfalls der Fuhrpark erklärt wäre, der – zu unliebsamer Berühmtheit gelangte – Entsorgungspark, der Freizeit-, Movie- oder der Tierpark. Nicht alle diese Orte dienen der Erholung, jedenfalls nicht allen sich dort Aufhaltenden. Anders als der Nationalpark. Hier darf sich die ganze Nation an ungebändigter Natur, wilden Tieren und frischer Luft erfreuen. Aber bitte schön alles im Rahmen. und im Rahmen des Nationalparkgeländes. Und erst nachdem am Parkautomat ein Parkticket gezogen wurde. Wo kämen wir sonst hin, wenn Erholung grenzenlos wäre?

Eine grenzenlos leckere Mahlzeit wünscht Ihnen

Petra Janßen

 

14.01.2015

Als Mutter einer Teenie-Tochter versuche ich immer, „up to date“ zu sein, um zu wissen, wo meine „Kleine“ grade unterwegs ist. Hier und da blättere ich mal ihre Bravo durch (und kenne 95% der sogenannten Stars nicht), schaue mit ihr abends Nickelodeon und Viva und begleitete sie sogar auf ein Justin Bieber Konzert – noch nimmt sie mich mit. Dafür sitzt sie aber nun auf der morgendlichen, gemeinsamen Fahrt im Bus nicht mehr neben mir, da sie auf dem Weg zur Schule natürlich lieber mit ihren Freundinnen reden möchte als mit mir. Was mir nun eine halbe Stunde mehr Zeit zum Lesen gibt.  Brandon Warren/flickr

Staunen muss ich aber über die Kommunikation mit ihren Freunden jenseits des Busses und außerhalb der Schule: da läuft alles via Mobiltelefon, überwiegend über den Nachrichtendienst Whats App. Es gibt mehrere verschiedene Gruppen, in denen mit kleinen Variationen aber dieselben Freunde involviert sind. Und jedes Emoticon, jeder Kommentar der ca. 10-20 Teilnehmer in 3-7 Unterhaltungen wird sekündlich mit einem lauten Ding oder dem Vibrieren des Handys angekündigt. Oft! Sehr sehr oft! Sie schreiben ja schnell, die Kids. Telefonieren und Facebook sind mittlererweile out; wenn sie nicht persönlich zusammen finden, wird geschrieben oder natürlich in neu-deutsch: gechattet.

Da ist ein Defekt am Handyladekabel an einem späten Samstagnachmittag schon mal ein mittleres Drama. Die wichtigsten Freunde werden dann über Mamas mobilen Knochen über die erzwungene „Offlinität“ informiert und die Nachbarschaft wird durchtelefoniert, wer ein kompatibles Ladekabel zum Verleihen hat. Mit einer Tafel Schokolade zum Tausch flitzte meine Tochter dann trotz Starkregen „die Ecke rum“, um das das Wochenende rettende Elektrozubehör abzuholen!

Es lebe die Mobilität! In diesem Sinne
Mahlzeit!
Ihre Sandra Ott

 

17.12.2014

 

 nichtlustig

Es blaut die Nacht, die Sternlein blinken.
Schneeflöcklein leise niedersinken.
Auf Edeltännleins grünem Wipfel
häuft sich ein kleiner weißer Zipfel.

Und dort, vom Fenster her durchbricht
den dunklen Tann‘ ein warmes Licht.
Im Forsthaus kniet bei Kerzenschimmer
die Försterin im Herrenzimmer.

In dieser wunderschönen Nacht
hat sie den Förster umgebracht.
Er war ihr bei der Heimes Pflege
seit langer Zeit schon sehr im Wege.

So kam sie mit sich überein:
Am Nicklausabend muss es sein.
Und als das Rehlein ging zur Ruh‘,
das Häslein tat die Augen zu,

Erlegte sie – direkt von vor‘n
– den Gatten über Kimm‘ und Korn.
Vom Knall geweckt rümpft nur der Hase
zwei-, drei-, viermal die Schnuppernase.

Und ruhet weiter süß im Dunkeln,
derweil die Sternlein traulich funkeln.
Und in der guten Stube drinnen,
da läuft des Försters Blut von hinnen.

Nun muss die Försterin sich eilen,
den Gatten sauber zu zerteilen.
Schnell hat sie ihn bis auf die Knochen
nach Waidmanns Sitte aufgebrochen.

Voll Sorgfalt legt sie Glied auf Glied
– was der Gemahl bisher vermied –
Behält ein Teil Filet zurück,
als festtägliches Bratenstück.

Und packt zum Schluss – es geht auf vier –
die Reste in Geschenkpapier.
Da dröhnt‘s von fern wie Silberschellen.
Im Dorfe hört man Hunde bellen.

Wer ist‘s, der in so tiefer Nacht
im Schnee noch seine Runde macht?
Knecht Ruprecht kommt mit goldenem Schlitten
auf einem Hirsch herangeritten!

»Heh, gute Frau, habt ihr noch Sachen,
die armen Menschen Freude machen?«
Des Försters Haus ist tief verschneit,
doch seine Frau steht schon bereit:

»Die sechs Pakete, heil‘ger Mann,
‚s ist alles, was ich geben kann!«
Die Silberschellen klingen leise.
Knecht Ruprecht macht sich auf die Reise.

Im Försterhaus die Kerze brennt.
Ein Sternlein blinkt: Es ist Advent.
© Loriot

 

10.12.2014

Kurz vor Weihnachten und dem Jahreswechsel sind die Zeitungen voller Verkaufsversprechen und der Kopf voller guter Vorsätze. Zum Beispiel dem, im nächsten Jahr mehr Sport zu treiben. Ganz bestimmt. Dieses Mal wirklich. Da kommt der Prospekt mit der Sportbekleidung gerade recht. Optimal geformte Menschen führen darin diverse Kleidungsstücke vor, die passgenau auf jede Bewegungsart abgestimmt sind: Laufjacken, Sportschuhe, Trainingshosen, Wanderschuhe, Funktionswäsche, Yogapants, Multisportschuhe, Layershirts, Outdoorschuhe und und und. Meine Vorsätze geraten angesichts der komplexen Auswahlmöglichkeiten ein bisschen ins Wanken. Ronile35 flickr Ich wandere sehr gerne, aber brauche ich dafür spezielle Wanderschuhe oder sind Outdoorschuhe nicht auch ausreichend? Schließlich will ich damit ja draußen herumlaufen. Obwohl, dafür gibt es ja wiederum Laufschuhe oder kann ich in den einen nur gehen und in den anderen nur laufen? Fragen über Fragen. Und dann brauche ich ja noch Hose und Jacke oder Shirt. Aber so einfach ist das natürlich nicht. Unten drunter das Funktionsshirt. Dann die Wanderhose und die Funktionsjacke. Welche Funktion hat die eigentlich und hat eine Wanderhose keine Funktion? Langsam wird mir etwas blümerant. Dann doch vielleicht indoor statt outdoor? Also drinnen statt draußen. Yoga zum Beispiel. Dafür bräuchte ich dann eine Yogapant oder eine Haremshose, einen Sportbra und ein Top. Ein Tanktop oder ein Funktionstop, long oder short. So, denke ich, jetzt mach mal halblang. Genau, halblang könnte die Lösung sein. Und ich brauche einen Tipp für ein Top, für ein Tanktop, also für ein Tipptopp-Tanktop sozusagen.

Ich glaube, Yoga ist doch nichts für mich. Dann lieber tanzen, Jazzdance, Salsa, Rumba oder Zumba. Genau, mal wieder so richtig Rumba-Zumba machen. Für den Jazzdance gibt es die Jazzpant. Google übersetzt Pant übrigens mit Keuchen, was in diesem Fall ja „vollinhaltlich“ passend ist. Und oben herum? Da stellt sich wieder die leidige Topfrage. Vielleicht ein Layershirt. Ein Schichthemd? Worüber schichtet man das denn? Na, über das Toptop natürlich. Langsam reicht es mir. Jetzt ist mal Schicht mit dem ganzen Begriffswirrwarr. Sport wird sowieso überbewertet und falls ich mich nächstes Jahr mehr bewegen möchte, fahre ich einfach Fahrrad. Obwohl: Welche Bekleidung brauche ich dafür? Ich werde mir einfach ein TipTopTightsTankT-Shirt und eine MultiTrainingsFunktionsOutdoorHose sowie LaufWanderGehSportDanceSchuhe besorgen. Dann bin ich für alles (aus-)gerüstet. Hoffentlich.

Eine tiptop Mahlzeit wünscht Ihnen

Ihre

Petra Janßen

P.S. Briten finden teure Outdoorbekleidung übrigens überbewertet, wie Adam Fletcher in seinem Buch „Wie man Deutscher wird in 50 einfachen Schritten“ äußerst unterhaltsam darlegt. Und dass spezielle Funktionsbekleidung für draußen zumindest in Schottland überflüssig sein dürfte ist doch klar, denn wir wissen ja, die Schotten sind dicht.

 

03.12.2014

New York, Rio, Tokio – naja, ganz so weit geht es bei mir momentan nicht, aber dieses Jahr habe ich schon so manche Metropolen Europas bereist. Ich liebe Städtetrips am Wochenende. Zum Glück ist meine Tochter ebenso reiselustig und macht meine spontanen Ausflüge gerne mit. So waren wir dieses Jahr schon, neben deutschen Kleinoden wie Jever, Varel oder Braubach, in Edinburgh, Amsterdam und jetzt grade erst in Kopenhagen! Eine traumhafte Stadt! Glaspusteri Vor der Abreise versuchte ich noch, ein paar Worte Dänisch zu büffeln, um wenigstens höflich grüßen und mich bedanken zu können. Aber so einfach ist das gar nicht. Das fröhliche „Hej!“ zum Gruß und „Hej! Hej!“ zum Abschied, okay, einfach. Auch das knappe „Tak!“ zum Dank. Die Ansagen in den Zügen klingen wirklich sympathisch, haben jedoch ein wenig was von Niederländisch mit heißer Kartoffel im Mund. Dänisch lesen, dachte ich, ist dabei gar nicht so schwer. Als germanische Sprache ähnelt einiges dem Deutschen und vieles kann man herleiten. Aber halt nicht alles. Als ich einen Notarztwagen im Einsatz sah, auf dem akutlæge stand, dachte ich schon, es heißt „Akutlage“ und dichtete mir einen Notfall. Meine liebe Freundin Lisa, die dort nun schon über ein Jahr studiert, erklärte mir aber, das læge schlicht Arzt heißt. Liebenswert fand ich aber die Glaspusteri in Nyhaven, hyggelig das kleine Café, in dem ich wunderbare canelsnegl gegessen habe, und zum Abendessen gab es smørrebrod. Als mir dann jedoch auf meinem cykel ein Herr mit seinem Drahtesel etwas zu heftig in die Quere kam und fröhlich „Undskyld! Undskyld!“ rief, dachte ich, hej!, unschuldig sind Sie jetzt aber nicht, mein Herr! Aber das, so Lisa, heißt einfach nur „Entschuldigung.“

Zum Abschluss des Wochenendes ging es dann noch in „Den Blå Planet“, ein riesiges Aquarium in einem architektonisch tollen Gebäude. Dort gibt es vom niedlichen nordischen papegøje bis zum klovnfisk einiges zu sehen. Und ganz in Flughafennähe bieten sie dort sogar Schließfächer in Koffergröße an. So kann man seine Wartezeit bis zum Abflug ganz fantastisk mit hammerhajerne und rokken verbringen.

Die nächsten Reisepläne sind in Arbeit, für den Rest dieses Jahres reicht es leider nur noch für Radevormwald oder Hückeswagen, denn bis dorthin gilt mein Monatsticket.
Aber egal, ob in der Provinz oder Provence,

Måltid! wünscht
Ihre Sandra Ott

 

26.11.2014

Es ist nun auch schon wieder fast vier Jahre her, dass die Bahn ihre berühmten englischen Durchsagen („Ssänk ju for trävelling …“) nach Beschwerden der Kunden drastisch reduziert hat. Ich schreibe bewusst „reduziert“, da allmorgendlich am Kölner Hauptbahnhof der ICE zum Flughafen Frankfurt akustisch zum „Ei-Ssie-Ii tu Fränkfurt on the main airport förnbähnhoaf“ wird. Oder der IC nach Berlin zum „Ei-Ssie“ to Börlin Östbähnhoaf.“ Nicht nur aufgrund des Schriftbildes darf die Frage erlaubt sein, ob dies nun Englisch oder Sächsisch sein soll. Schön ist es jedenfalls nicht. vrs anschlusticket

Gilt übrigens auch für den undurchschaubaren Tarifdschungel der Bahn und der von ihr bedienten Verkehrsverbünde. Neulich, auf dem Weg von Köln nach Aachen, ist es mir passiert: Mein VRS-Anschlussticket, von dem ich dachte, dass ich mir damit eine Weiterfahrt in den angrenzenden Verkehrsverbund erkaufe, gaukelte mir nur scheinbare Sicherheit vor. Denn, so belehrte mich die freundliche Kartenkontrolleurin im Zug, es sei schon richtig, dass man mit dem Anschlussticket in den angrenzenden Verkehrsverbund fahren könne, wenn man Besitzer einer Zeitkarte (= Jobticket) sei, allerdings NICHT in den Aachener Verkehrsverbund. „Aha“, antworte ich, „und warum nicht?“ Das sei einfach so, wurde ich aufgeklärt. Auf meine Frage, ob ich denn im Zug nun von Düren bis Aachen nachlösen könne, kam ein einfaches aber bestimmtes „Nein.“ Stattdessen wurde mir nach Vorlage meines Ausweises ein Fahrpreisnacherhebungs-Dokument in Höhe von 40,00 € überreicht (an dieser Stelle sei die Frage erlaubt, warum im Zug zwar ein Fahrpreisnacherhebungs-Dokument, aber kein Nachlöseticket ausgestellt werden kann). Danach wurde ich aufgefordert, mich bei der Fahrpreisnacherhebungsstelle der Bahn in Baden-Baden unter Angabe der entsprechenden Fahrpreisnacherhebungs-Nummer zu melden und den Sachverhalt zu schildern. Nach Prüfung werde man mit mitteilen, ob ich nun die 40,00 € oder den einfachen Fahrpreis von Düren nach Aachen zahlen muss.

Stand heute muss ich die 40,00 € zahlen. Obwohl ich den Sachverhalt detailliert und wahrheitsgemäß geschildert habe. Oder vielleicht auch, WEIL ich den Sachverhalt detailliert und wahrheitsgemäß geschildert habe. Ich für meinen Teil habe Widerspruch eingelegt und ein Gespräch gefordert. Und sei es mit Bahnchef Rüdiger Grube. Dann könnte ich auch mal wieder zum „Börliner Östbähnhoaf“ fahren. Hoffentlich zügig!

Aus den Tiefen des Tarifdschungels „Mahlzeit!“ wünscht
Ihr Marcel Pannes

P.S.: Ich verschenke ein kürzlich erworbenes „Super-Mobility-Ticket für Enddreißiger“, gültig an ungeraden katholischen Feiertagen im Schaltjahr außerhalb der Schulferien bis 23.30 Uhr in Begleitung einer mindestens neunköpfigen Reisegruppe mit maximal drei Senioren über 65 – allerdings ohne Sitzplatzanspruch. Jemand Interesse?

 

19.11.2014

Neulich beim Mittagstisch diskutierten wir über für uns ungewöhnliche Vornamen. Wie kommt man eigentlich zu seinem Vornamen? Kennen Sie Geschichten Ihrer Eltern, wie diese sich für Ihren Namen entschieden haben? Sicher ist, dass mein Vorname Rufus in meiner Kindheit noch so ungewöhnlich war inmitten all der Michaels, Klaus‘, Rudolfs und Martins, dass meine Eltern mich vorsichtshalber auch noch Ralf tauften. Heute sind Kimba-Lou, Pete-Morris oder Justin-Anton völlig normal. ThomasKohler/flickr In unserer Multikulti-Gesellschaft mischen sich die unterschiedlichsten Vornamen selbstverständlich. Interessanterweise sind die deutschen häufigsten Vornamen seit Jahren relativ gleich. Je nachdem, welche (inoffizielle) Statistik man befragt, werden Jungen mit Erstnamen gerne Ben, Paul oder Luca/Luka genannt, Mädchen Mia, Emma oder Hannah. Bei manchen Vornamen frage ich mich allerdings, ob die Eltern wissen, was sie ihren Kindern mit auf den Weg geben. Z. B. ob der Weg von Penny-Lane oder der Geschwister Jennifer Jackie, Johnnie Walker und Jack Daniel aus Leverkusen vorgezeichnet ist? Und ob Uroma Lissy wohl nur nicht wusste, wie man Fhil-Henry richtig schreibt? Wenn Piet-Alexander Maximilian-Fabian und Stella-Summer Shilo-Novel oder Valeria Venora Lova Ida Elly, Vyvyan Valeska Silke Gwendolyn Anneliese und Vanadis Viveka Sophia Traudl Ulrike zum Essen gerufen werden, dürfte dieses bereits kalt sein, bis die Namen ausgesprochen sind. Pfefferminze ist übrigens laut Urteilsspruch aus dem Jahr 1995 als weiterer Vorname für ein Mädchen nicht eintragungsfähig. Wie es mit anderen Kräutern aussieht, weiß ich leider nicht.

Da sagen wir doch wieder: Mahlzeit!

Ob mit oder ohne Petersilie

Ihr Rufus Barke

 

12.11.2014

Letztens, morgens um 8.20 Uhr, als ich unser Büro startklar für den Tag machte, klingelte das Telefon. So früh, dachte ich, naja, das muss etwas Wichtiges sein. „barke+partner, Ott, guten Morgen“ flötete ich freundlich in den Hörer (wer mich schon einmal an der Strippe hatte, weiß: Ich bin wirklich nett am Telefon!). Angela Mabray/flickr „Guten Morgen, Bell mein Name, wie der Hund, wenn er den Briefträger sieht.“ Super! Ein Mann mit Humor, da haben Sie bei mir gleich gewonnen. Das Eis war sofort gebrochen und wir sprachen ausführlich über sein Anliegen. Wie er denn auf uns gekommen sei, wollte ich am Ende unseres Gespräches noch von Herrn Bell wissen. „Ach“, sagte er, „ich habe Sie auf einer Website mit PR-Agenturen gefunden. Sie waren dort an zweiter Position. Die ersten nehme ich nie, die haben sich meistens ihren Platz erkauft.“ Ein schneller Klick auf besagte Website zeigte mir, er hatte Recht. An zweiter Stelle stand barke+partner. Zum Glück für uns hatte Herr Bell aber nicht bemerkt, dass es sich dort um eine alphabetische Reihenfolge handelte.

Mahlzeit! von A wie Apfelkuchen bis Z wie Zwiebelsuppe wünscht Ihnen

Ihre Sandra Ott

05.11.2014

„Was kann man schlagen?“ „Kinder!“. Solcherlei ungewollt komische und entlarvende Antworten auf einfache Fragen gab es in der legendären Kultsendung Familienduell. Täglich (!) wetteiferten von 1992 bis 2003 Familien gegeneinander, nach immer gleichem Schema: „Wir haben hundert Leute befragt“ und dann: „Nennen Sie eine deutsche Stadt, die mit "C" beginnt.“ Antwort: „Zwickau“. Frage: „Nennen Sie ein Tier mit Geweih“. Antwort: „Elefant“.

Absoluter Kult war auch Alfons. Mit wunderbarem Akzent startete der französische Kabarettist Emmanuel Peterfalvi alias Moderator Alfons von Puschel TV 2009 seine Straßenumfragen: Die spontanen Antworten der Befragten sind Lehrstücke sondergleichen über die Befindlichkeit der Deutschen, über Aufmerksamkeit, über Sprache, über Beziehungen. rockzoom de/flickr Bei manchen Fragen (und den Antworten) bleibt einem das Lachen im Halse stecken: „Wer ist fauler, ein Ausländer oder ein Arbeitsloser?“
… „ Das ist jetzt schwierig, ich würde sagen … ein Ausländer.“ Und andere sind einfach nur komisch: „Deutschland genießt wegen der Sprache einen besonderen Ruf. Bitte vervollständigen Sie diesen Satz: Deutschland ist das Land der Dichter und …“ Antwort: „Klempner!“

Um es mit Nina Hagen zu sagen: Ich glotz TV und sehe, aktuelle Kultsendungen beschäftigen sich anders mit Sprache als die genannten. Dieter Bohlen haut mit Vergnügen seit zwölf Jahren seine Kandidaten bei DSDS in die Pfanne: „Da ist die Frage: Wo hört der Gesang auf und wo fängt die Straftat an?“ … und die Quote sinkt und sinkt. Die wertschätzende Antwort auf Dieter Bohlen ist The Voice of Germany. Da haben sich alle lieb und der finnische Juror Samu bekommt ständig Hühnerhaut vor lauter Gefühl.

Komm, hier, einer geht noch, zwanzig Jahre früher: „Was bekommt man nach einem Essen im griechischen Restaurant umsonst?“ Antwort: „Durchfall!“

Ein gutes Essen in egal welch kultiger Lokalität und mit oder ohne … Ouzo am Schluss und Mahlzeit! wünscht Ihnen

Ihr Rufus Barke