17.12.2014

 

 nichtlustig

Es blaut die Nacht, die Sternlein blinken.
Schneeflöcklein leise niedersinken.
Auf Edeltännleins grünem Wipfel
häuft sich ein kleiner weißer Zipfel.

Und dort, vom Fenster her durchbricht
den dunklen Tann‘ ein warmes Licht.
Im Forsthaus kniet bei Kerzenschimmer
die Försterin im Herrenzimmer.

In dieser wunderschönen Nacht
hat sie den Förster umgebracht.
Er war ihr bei der Heimes Pflege
seit langer Zeit schon sehr im Wege.

So kam sie mit sich überein:
Am Nicklausabend muss es sein.
Und als das Rehlein ging zur Ruh‘,
das Häslein tat die Augen zu,

Erlegte sie – direkt von vor‘n
– den Gatten über Kimm‘ und Korn.
Vom Knall geweckt rümpft nur der Hase
zwei-, drei-, viermal die Schnuppernase.

Und ruhet weiter süß im Dunkeln,
derweil die Sternlein traulich funkeln.
Und in der guten Stube drinnen,
da läuft des Försters Blut von hinnen.

Nun muss die Försterin sich eilen,
den Gatten sauber zu zerteilen.
Schnell hat sie ihn bis auf die Knochen
nach Waidmanns Sitte aufgebrochen.

Voll Sorgfalt legt sie Glied auf Glied
– was der Gemahl bisher vermied –
Behält ein Teil Filet zurück,
als festtägliches Bratenstück.

Und packt zum Schluss – es geht auf vier –
die Reste in Geschenkpapier.
Da dröhnt‘s von fern wie Silberschellen.
Im Dorfe hört man Hunde bellen.

Wer ist‘s, der in so tiefer Nacht
im Schnee noch seine Runde macht?
Knecht Ruprecht kommt mit goldenem Schlitten
auf einem Hirsch herangeritten!

»Heh, gute Frau, habt ihr noch Sachen,
die armen Menschen Freude machen?«
Des Försters Haus ist tief verschneit,
doch seine Frau steht schon bereit:

»Die sechs Pakete, heil‘ger Mann,
‚s ist alles, was ich geben kann!«
Die Silberschellen klingen leise.
Knecht Ruprecht macht sich auf die Reise.

Im Försterhaus die Kerze brennt.
Ein Sternlein blinkt: Es ist Advent.
© Loriot

 

10.12.2014

Kurz vor Weihnachten und dem Jahreswechsel sind die Zeitungen voller Verkaufsversprechen und der Kopf voller guter Vorsätze. Zum Beispiel dem, im nächsten Jahr mehr Sport zu treiben. Ganz bestimmt. Dieses Mal wirklich. Da kommt der Prospekt mit der Sportbekleidung gerade recht. Optimal geformte Menschen führen darin diverse Kleidungsstücke vor, die passgenau auf jede Bewegungsart abgestimmt sind: Laufjacken, Sportschuhe, Trainingshosen, Wanderschuhe, Funktionswäsche, Yogapants, Multisportschuhe, Layershirts, Outdoorschuhe und und und. Meine Vorsätze geraten angesichts der komplexen Auswahlmöglichkeiten ein bisschen ins Wanken. Ronile35 flickr Ich wandere sehr gerne, aber brauche ich dafür spezielle Wanderschuhe oder sind Outdoorschuhe nicht auch ausreichend? Schließlich will ich damit ja draußen herumlaufen. Obwohl, dafür gibt es ja wiederum Laufschuhe oder kann ich in den einen nur gehen und in den anderen nur laufen? Fragen über Fragen. Und dann brauche ich ja noch Hose und Jacke oder Shirt. Aber so einfach ist das natürlich nicht. Unten drunter das Funktionsshirt. Dann die Wanderhose und die Funktionsjacke. Welche Funktion hat die eigentlich und hat eine Wanderhose keine Funktion? Langsam wird mir etwas blümerant. Dann doch vielleicht indoor statt outdoor? Also drinnen statt draußen. Yoga zum Beispiel. Dafür bräuchte ich dann eine Yogapant oder eine Haremshose, einen Sportbra und ein Top. Ein Tanktop oder ein Funktionstop, long oder short. So, denke ich, jetzt mach mal halblang. Genau, halblang könnte die Lösung sein. Und ich brauche einen Tipp für ein Top, für ein Tanktop, also für ein Tipptopp-Tanktop sozusagen.

Ich glaube, Yoga ist doch nichts für mich. Dann lieber tanzen, Jazzdance, Salsa, Rumba oder Zumba. Genau, mal wieder so richtig Rumba-Zumba machen. Für den Jazzdance gibt es die Jazzpant. Google übersetzt Pant übrigens mit Keuchen, was in diesem Fall ja „vollinhaltlich“ passend ist. Und oben herum? Da stellt sich wieder die leidige Topfrage. Vielleicht ein Layershirt. Ein Schichthemd? Worüber schichtet man das denn? Na, über das Toptop natürlich. Langsam reicht es mir. Jetzt ist mal Schicht mit dem ganzen Begriffswirrwarr. Sport wird sowieso überbewertet und falls ich mich nächstes Jahr mehr bewegen möchte, fahre ich einfach Fahrrad. Obwohl: Welche Bekleidung brauche ich dafür? Ich werde mir einfach ein TipTopTightsTankT-Shirt und eine MultiTrainingsFunktionsOutdoorHose sowie LaufWanderGehSportDanceSchuhe besorgen. Dann bin ich für alles (aus-)gerüstet. Hoffentlich.

Eine tiptop Mahlzeit wünscht Ihnen

Ihre

Petra Janßen

P.S. Briten finden teure Outdoorbekleidung übrigens überbewertet, wie Adam Fletcher in seinem Buch „Wie man Deutscher wird in 50 einfachen Schritten“ äußerst unterhaltsam darlegt. Und dass spezielle Funktionsbekleidung für draußen zumindest in Schottland überflüssig sein dürfte ist doch klar, denn wir wissen ja, die Schotten sind dicht.

 

03.12.2014

New York, Rio, Tokio – naja, ganz so weit geht es bei mir momentan nicht, aber dieses Jahr habe ich schon so manche Metropolen Europas bereist. Ich liebe Städtetrips am Wochenende. Zum Glück ist meine Tochter ebenso reiselustig und macht meine spontanen Ausflüge gerne mit. So waren wir dieses Jahr schon, neben deutschen Kleinoden wie Jever, Varel oder Braubach, in Edinburgh, Amsterdam und jetzt grade erst in Kopenhagen! Eine traumhafte Stadt! Glaspusteri Vor der Abreise versuchte ich noch, ein paar Worte Dänisch zu büffeln, um wenigstens höflich grüßen und mich bedanken zu können. Aber so einfach ist das gar nicht. Das fröhliche „Hej!“ zum Gruß und „Hej! Hej!“ zum Abschied, okay, einfach. Auch das knappe „Tak!“ zum Dank. Die Ansagen in den Zügen klingen wirklich sympathisch, haben jedoch ein wenig was von Niederländisch mit heißer Kartoffel im Mund. Dänisch lesen, dachte ich, ist dabei gar nicht so schwer. Als germanische Sprache ähnelt einiges dem Deutschen und vieles kann man herleiten. Aber halt nicht alles. Als ich einen Notarztwagen im Einsatz sah, auf dem akutlæge stand, dachte ich schon, es heißt „Akutlage“ und dichtete mir einen Notfall. Meine liebe Freundin Lisa, die dort nun schon über ein Jahr studiert, erklärte mir aber, das læge schlicht Arzt heißt. Liebenswert fand ich aber die Glaspusteri in Nyhaven, hyggelig das kleine Café, in dem ich wunderbare canelsnegl gegessen habe, und zum Abendessen gab es smørrebrod. Als mir dann jedoch auf meinem cykel ein Herr mit seinem Drahtesel etwas zu heftig in die Quere kam und fröhlich „Undskyld! Undskyld!“ rief, dachte ich, hej!, unschuldig sind Sie jetzt aber nicht, mein Herr! Aber das, so Lisa, heißt einfach nur „Entschuldigung.“

Zum Abschluss des Wochenendes ging es dann noch in „Den Blå Planet“, ein riesiges Aquarium in einem architektonisch tollen Gebäude. Dort gibt es vom niedlichen nordischen papegøje bis zum klovnfisk einiges zu sehen. Und ganz in Flughafennähe bieten sie dort sogar Schließfächer in Koffergröße an. So kann man seine Wartezeit bis zum Abflug ganz fantastisk mit hammerhajerne und rokken verbringen.

Die nächsten Reisepläne sind in Arbeit, für den Rest dieses Jahres reicht es leider nur noch für Radevormwald oder Hückeswagen, denn bis dorthin gilt mein Monatsticket.
Aber egal, ob in der Provinz oder Provence,

Måltid! wünscht
Ihre Sandra Ott

 

26.11.2014

Es ist nun auch schon wieder fast vier Jahre her, dass die Bahn ihre berühmten englischen Durchsagen („Ssänk ju for trävelling …“) nach Beschwerden der Kunden drastisch reduziert hat. Ich schreibe bewusst „reduziert“, da allmorgendlich am Kölner Hauptbahnhof der ICE zum Flughafen Frankfurt akustisch zum „Ei-Ssie-Ii tu Fränkfurt on the main airport förnbähnhoaf“ wird. Oder der IC nach Berlin zum „Ei-Ssie“ to Börlin Östbähnhoaf.“ Nicht nur aufgrund des Schriftbildes darf die Frage erlaubt sein, ob dies nun Englisch oder Sächsisch sein soll. Schön ist es jedenfalls nicht. vrs anschlusticket

Gilt übrigens auch für den undurchschaubaren Tarifdschungel der Bahn und der von ihr bedienten Verkehrsverbünde. Neulich, auf dem Weg von Köln nach Aachen, ist es mir passiert: Mein VRS-Anschlussticket, von dem ich dachte, dass ich mir damit eine Weiterfahrt in den angrenzenden Verkehrsverbund erkaufe, gaukelte mir nur scheinbare Sicherheit vor. Denn, so belehrte mich die freundliche Kartenkontrolleurin im Zug, es sei schon richtig, dass man mit dem Anschlussticket in den angrenzenden Verkehrsverbund fahren könne, wenn man Besitzer einer Zeitkarte (= Jobticket) sei, allerdings NICHT in den Aachener Verkehrsverbund. „Aha“, antworte ich, „und warum nicht?“ Das sei einfach so, wurde ich aufgeklärt. Auf meine Frage, ob ich denn im Zug nun von Düren bis Aachen nachlösen könne, kam ein einfaches aber bestimmtes „Nein.“ Stattdessen wurde mir nach Vorlage meines Ausweises ein Fahrpreisnacherhebungs-Dokument in Höhe von 40,00 € überreicht (an dieser Stelle sei die Frage erlaubt, warum im Zug zwar ein Fahrpreisnacherhebungs-Dokument, aber kein Nachlöseticket ausgestellt werden kann). Danach wurde ich aufgefordert, mich bei der Fahrpreisnacherhebungsstelle der Bahn in Baden-Baden unter Angabe der entsprechenden Fahrpreisnacherhebungs-Nummer zu melden und den Sachverhalt zu schildern. Nach Prüfung werde man mit mitteilen, ob ich nun die 40,00 € oder den einfachen Fahrpreis von Düren nach Aachen zahlen muss.

Stand heute muss ich die 40,00 € zahlen. Obwohl ich den Sachverhalt detailliert und wahrheitsgemäß geschildert habe. Oder vielleicht auch, WEIL ich den Sachverhalt detailliert und wahrheitsgemäß geschildert habe. Ich für meinen Teil habe Widerspruch eingelegt und ein Gespräch gefordert. Und sei es mit Bahnchef Rüdiger Grube. Dann könnte ich auch mal wieder zum „Börliner Östbähnhoaf“ fahren. Hoffentlich zügig!

Aus den Tiefen des Tarifdschungels „Mahlzeit!“ wünscht
Ihr Marcel Pannes

P.S.: Ich verschenke ein kürzlich erworbenes „Super-Mobility-Ticket für Enddreißiger“, gültig an ungeraden katholischen Feiertagen im Schaltjahr außerhalb der Schulferien bis 23.30 Uhr in Begleitung einer mindestens neunköpfigen Reisegruppe mit maximal drei Senioren über 65 – allerdings ohne Sitzplatzanspruch. Jemand Interesse?

 

19.11.2014

Neulich beim Mittagstisch diskutierten wir über für uns ungewöhnliche Vornamen. Wie kommt man eigentlich zu seinem Vornamen? Kennen Sie Geschichten Ihrer Eltern, wie diese sich für Ihren Namen entschieden haben? Sicher ist, dass mein Vorname Rufus in meiner Kindheit noch so ungewöhnlich war inmitten all der Michaels, Klaus‘, Rudolfs und Martins, dass meine Eltern mich vorsichtshalber auch noch Ralf tauften. Heute sind Kimba-Lou, Pete-Morris oder Justin-Anton völlig normal. ThomasKohler/flickr In unserer Multikulti-Gesellschaft mischen sich die unterschiedlichsten Vornamen selbstverständlich. Interessanterweise sind die deutschen häufigsten Vornamen seit Jahren relativ gleich. Je nachdem, welche (inoffizielle) Statistik man befragt, werden Jungen mit Erstnamen gerne Ben, Paul oder Luca/Luka genannt, Mädchen Mia, Emma oder Hannah. Bei manchen Vornamen frage ich mich allerdings, ob die Eltern wissen, was sie ihren Kindern mit auf den Weg geben. Z. B. ob der Weg von Penny-Lane oder der Geschwister Jennifer Jackie, Johnnie Walker und Jack Daniel aus Leverkusen vorgezeichnet ist? Und ob Uroma Lissy wohl nur nicht wusste, wie man Fhil-Henry richtig schreibt? Wenn Piet-Alexander Maximilian-Fabian und Stella-Summer Shilo-Novel oder Valeria Venora Lova Ida Elly, Vyvyan Valeska Silke Gwendolyn Anneliese und Vanadis Viveka Sophia Traudl Ulrike zum Essen gerufen werden, dürfte dieses bereits kalt sein, bis die Namen ausgesprochen sind. Pfefferminze ist übrigens laut Urteilsspruch aus dem Jahr 1995 als weiterer Vorname für ein Mädchen nicht eintragungsfähig. Wie es mit anderen Kräutern aussieht, weiß ich leider nicht.

Da sagen wir doch wieder: Mahlzeit!

Ob mit oder ohne Petersilie

Ihr Rufus Barke

 

12.11.2014

Letztens, morgens um 8.20 Uhr, als ich unser Büro startklar für den Tag machte, klingelte das Telefon. So früh, dachte ich, naja, das muss etwas Wichtiges sein. „barke+partner, Ott, guten Morgen“ flötete ich freundlich in den Hörer (wer mich schon einmal an der Strippe hatte, weiß: Ich bin wirklich nett am Telefon!). Angela Mabray/flickr „Guten Morgen, Bell mein Name, wie der Hund, wenn er den Briefträger sieht.“ Super! Ein Mann mit Humor, da haben Sie bei mir gleich gewonnen. Das Eis war sofort gebrochen und wir sprachen ausführlich über sein Anliegen. Wie er denn auf uns gekommen sei, wollte ich am Ende unseres Gespräches noch von Herrn Bell wissen. „Ach“, sagte er, „ich habe Sie auf einer Website mit PR-Agenturen gefunden. Sie waren dort an zweiter Position. Die ersten nehme ich nie, die haben sich meistens ihren Platz erkauft.“ Ein schneller Klick auf besagte Website zeigte mir, er hatte Recht. An zweiter Stelle stand barke+partner. Zum Glück für uns hatte Herr Bell aber nicht bemerkt, dass es sich dort um eine alphabetische Reihenfolge handelte.

Mahlzeit! von A wie Apfelkuchen bis Z wie Zwiebelsuppe wünscht Ihnen

Ihre Sandra Ott

05.11.2014

„Was kann man schlagen?“ „Kinder!“. Solcherlei ungewollt komische und entlarvende Antworten auf einfache Fragen gab es in der legendären Kultsendung Familienduell. Täglich (!) wetteiferten von 1992 bis 2003 Familien gegeneinander, nach immer gleichem Schema: „Wir haben hundert Leute befragt“ und dann: „Nennen Sie eine deutsche Stadt, die mit "C" beginnt.“ Antwort: „Zwickau“. Frage: „Nennen Sie ein Tier mit Geweih“. Antwort: „Elefant“.

Absoluter Kult war auch Alfons. Mit wunderbarem Akzent startete der französische Kabarettist Emmanuel Peterfalvi alias Moderator Alfons von Puschel TV 2009 seine Straßenumfragen: Die spontanen Antworten der Befragten sind Lehrstücke sondergleichen über die Befindlichkeit der Deutschen, über Aufmerksamkeit, über Sprache, über Beziehungen. rockzoom de/flickr Bei manchen Fragen (und den Antworten) bleibt einem das Lachen im Halse stecken: „Wer ist fauler, ein Ausländer oder ein Arbeitsloser?“
… „ Das ist jetzt schwierig, ich würde sagen … ein Ausländer.“ Und andere sind einfach nur komisch: „Deutschland genießt wegen der Sprache einen besonderen Ruf. Bitte vervollständigen Sie diesen Satz: Deutschland ist das Land der Dichter und …“ Antwort: „Klempner!“

Um es mit Nina Hagen zu sagen: Ich glotz TV und sehe, aktuelle Kultsendungen beschäftigen sich anders mit Sprache als die genannten. Dieter Bohlen haut mit Vergnügen seit zwölf Jahren seine Kandidaten bei DSDS in die Pfanne: „Da ist die Frage: Wo hört der Gesang auf und wo fängt die Straftat an?“ … und die Quote sinkt und sinkt. Die wertschätzende Antwort auf Dieter Bohlen ist The Voice of Germany. Da haben sich alle lieb und der finnische Juror Samu bekommt ständig Hühnerhaut vor lauter Gefühl.

Komm, hier, einer geht noch, zwanzig Jahre früher: „Was bekommt man nach einem Essen im griechischen Restaurant umsonst?“ Antwort: „Durchfall!“

Ein gutes Essen in egal welch kultiger Lokalität und mit oder ohne … Ouzo am Schluss und Mahlzeit! wünscht Ihnen

Ihr Rufus Barke

 

 

29.10.2014

H b n S   s b m rkt? B ns r m l tzt n nschr b n f hlt tw s. Statt auf Schnitzeljagd hatten wir Sie auf Schitzeljagd geschickt. Oder ist es Ihnen auch nicht aufgefallen, so wenig wie uns? Ohne uns von der Sorgfaltspflicht des gründlichen Lesens entbinden zu wollen, gibt es doch gute Gründe dafür, dass uns dieser fehlende Buchstabe nicht ins Auge stach. Unsere offensichtlich gut funktionierenden Gehirne haben uns hier ausgetrickst, denn wir wussten, was dort stehen sollte und wie das Wort richtig geschrieben wird – und flugs hat unser Gehirn den fehlenden Buchstaben kompensiert und uns das vollständige Wort sehen lassen. Es ist immer wieder erstaunlich, was unsere „kleinen grauen Zellen“ für Höchstleistungen erbringen, um uns Orientierung und Struktur zu geben. Vor einiger Zeit kursierte im Netz eine Textpassage mit verdrehten Buchstaben, als Beweis dafür, dass unser Gehirn aus Chaos Ordnung schaffen kann. Hier ist der Text: 

Gmäeß eneir Sutide der Cabrmidge Uvinisterät ist es nchit witihcg, in wlecehr Rneflogheie die Bstachuebn in eneim Wrot snid, das ezniige was wcthiig ist, dass der estre und der leztte Bstabchue an der ritihcegn Pstoiion snid. Der Rset knan ein ttoaelr Bsinöldn sien, tedztorm knan man ihn onhe Pemoblre lseen. Das ist so, wiel wir nciht jeedn Bstachuebn enzelin leesn, snderon das Wrot als gseatems.

Und, haben Sie den Text entschlüsselt? Gar nicht so schwierig, oder? Auch wenn es diese Studie tatsächlich buchstabenwirrwarr4 nie gegeben hat, eine andere Studie hat gezeigt, dass eine falsche Reihenfolge von Buchstaben die Wortkognition, also die Lesbarkeit eines Wortes, dann nicht beeinflusst, wenn die Anfangs- und Endbuchstaben unvertauscht bleiben. Sofern die Wörter nicht zu lang und die Buchstaben nicht allzu sehr durchmischt sind.

Was unser Gehirn alles leistet, fällt ja oft erst auf, wenn es nicht mehr richtig funktioniert. Als ich vor einigen Jahren Probleme mit dem Gleichgewichtssinn hatte, bemerkte ich beispielsweise, dass ich gleichgewichtssinnlos nicht steuern konnte, was meine unter dem Tisch nicht sichtbaren Beine gerade machten. Zum Glück zumindest nichts kaputt. Und zum erneuten Glück hat mein Gehirn mich nach einer Weile wieder voll auf Linie gebracht. Wie es das gemacht hat? Keine Ahnung. So ein Gehirn schließt zwar viele Lücken, lässt aber auch manche Dinge offen. Wir hoffen, Sie haben die Lücken in oben stehendem Text schließen können und bemühen uns in Zukunft um lückenlose Kommunikation.

Wer es nicht entschlüsselt hat. Der Satz lautet übrigens vollständig: „Haben Sie es bemerkt? Bei unserem letzten Anschreiben fehlte etwas.“

Jetzt fehlt nur noch, Ihnen Mahlzeit! zu wünschen

Ihre Petra Janßen

P.S. Wer Lust auf selbstgemachten Buchstabensalat hat, kann sich hier im Mixen ausprobieren www.wort-suchen.de/anagramm-generator

 

22.10.2014

Nachdem Ihnen meine geschätzte Kollegin Petra Janßen vergangene Woche einen vegetarischen Salat kredenzte, folgte kurz darauf die Frage eines Mahlzeit-Lesers, wer sich denn heute dem Thema Schnitzel widmen würde. „Schnitzel, genau mein Ding!“, dachte ich und hämmerte ein hurtiges „Hier! Ich mach’s!“ als Antwort in die Tasten. Tja, und nun sitze ich hier. Und merke, dass am Thema Schnitzel kolumnentechnisch doch arg wenig Fleisch ist. Deshalb nehme ich Sie flugs mit auf eine gedankliche Kehrtwende der besonderen Art und erzähle Ihnen etwas über Gelegenheitsverkehr. Es soll dabei aber keineswegs um Schlüpfrigkeiten gehen. Sondern vielmehr um sprachliche Ungetüme im Verwaltungsdeutsch. Unter „Gelegenheitsverkehr“ versteht der amtssprachlich gebildete Mensch nämlich eine Taxifahrt. Dabei passiert er eventuell auch eine Abstandseinhaltungserfassungsvorrichtung – womit die immer mal wieder auftauchenden Querstreifen auf Autobahnen gemeint sind. So weit, so schräg. Und wie komme ich jetzt darauf?  Larry Hoffman/flickr

Am letzten Sonntag dachte ich darüber nach, ob ich mein Grundstück mit einer Hecke oder einem Zaun verschönere – „behördisch“ ausgedrückt mit einer lebenden oder einer nicht lebenden Einfriedung. Für die Hecke spricht, dass es in Grundstücksnähe bereits zahlreich wucherndes raumübergreifendes Großgrün – also Bäume – gibt. Für den Zaun spricht, dass bereits eine fußläufige Anwegung angelegt wurde, die zum zukünftigen Grüngutsammelplatz (Komposthaufen) führt. Weiterhin fiel mir ein, dass ich mich noch um die Anmeldung der Restmüllbeseitigungsbehälterentleerung (Müllabfuhr) kümmern muss und gleichzeitig eine Restmüllbeseitigungsbehältervolumenminderung (Wunsch nach kleinerer Tonne) beantrage. Übrigens, und damit bin ich sehr zufrieden, ist bei unserem Dachfenster die Anleiterbarkeit einwandfrei gewährleistet. Und das trotz nagelneuer Grundstücksentwässerungsanlage (Regenrinne). Dies hat die kürzlich erfolgte Inaugenscheinnahme ergeben. Dabei fiel mir aber auch reichlich Spontanvegetation (Unkraut) im Vorgarten auf.

Apropos Vegetation: Später am Tag suche ich noch meinen Frisör auf, da es auf meinem Kopf sprichwörtlich wie Unkraut sprießt. Dort, also beim Frisör, bekomme ich auch immer einen Kaffee. In der Verwaltungssprache nennt man diesen Vorgang dann Bagatellgastronomie. Womit ich mit einem galant-gastronomischen Schlenker wieder zu meinem Ausgangspunkt, dem Schnitzel, zurückkomme. Das ich zugegeben ab und an gerne esse. Am liebsten als Steak von der Kuh. Nein, falsch: von der Raufutter verzehrenden Großvieheinheit.

Ein einfaches Mahlzeit! wünscht
Ihr Marcel Pannes

 

15.10.2014

Kürzlich, während ich gerade am Hacken und Jäten war, begehrte eine Damen Einlass in unsere Schrebergartenanlage, um im Garten ihrer Bekannten Pfirsiche zu pflücken. Sie schickte sich an, mir den Vorgang „en detail“ zu schildern, woraufhin ich sie schnell hineinließ und ihr den Weg zeigte. Unerwünschtes Kraut nutzt schließlich jede noch so kleine Pause, um zügig weiterzuwachsen. Keine fünf Minuten später stand die adrette Pfirsichfreundin jedoch schon wieder vor meinem Beet und begutachtete mein Tun. Sie ließ den Blick schweifen, lobte die riesigen Kürbisse – die leider den Gartennachbarn gehören – pries anderes sprossendes Grün und bedauerte, dass ihre Bekannte nicht da gewesen sei: Der Pfirsichbaum sei wirklich, wirklich voll. Dabei heftete sich ihr Blick auf mein Salatbeet: Zauntext  „Sieht ja sehr gut aus, der Kopfsalat.“
„Das hier vorne ist Eissalat und daneben Romanasalat“, korrigierte ich. „Ah ja? Sehen jedenfalls gut aus“. Ich nahm die Grabegabel wieder zur Hand. Die Dame ignorierte jedoch meinen Wink mit dem Gartengerät und musterte weiterhin ungeniert meine Salatauswahl, während sie mir die schwierige Kontaktaufnahme zu ihrer Bekannten ausführlich darlegte. Widerspenstige Quecken aus dem Boden ziehend, fasste ich einen Entschluss: „Möchten Sie vielleicht einen Salat mitnehmen?“, fragte ich resignierend. „Oh ja, sehr gern“. Die Antwort kam schnell. Ich griff zur Schere und schnitt ihr einen Eissalat ab. „Da hab ich ja gleich was für heute Abend. Dann …“ „Ich wünsche Ihnen guten Appetit“, versuchte ich das Gespräch freundlich, aber bestimmt zu beenden. Die Dame stutzte, blieb noch ein wenig stehen, während ich mich wieder in die Jätearbeit vergrub, und verabschiedete sich schließlich zögernd.

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich mag es, Zaungespräche zu führen, mit Nachbarn ins Gespräch zu kommen und hin und wieder sind Pausen auch ganz willkommen. Auch teile ich bereitwillig üppig sprießendes Gemüse mit Freunden und Nachbarn. Aber man darf mich gerne direkt darauf ansprechen. Wenn jemand lange um den heißen Brei herumredet, werde ich ungeduldig und unwillig. Ich schätze Kommunikation, die auf den Punkt kommt. Was nicht heißt, das man sofort mit der Tür ins Haus – oder in diesem Fall in den Salat – fallen muss. Aber ein bisschen Gespür, wofür das Gegenüber gerade offen ist, ist manchmal ganz hilfreich.

In diesem Sinne: Mahlzeit!

wünscht Ihre
Petra Janßen