18.03.2015

Als neulich unser Key Punch Operator ausfiel, standen wir vor einem echten Problem. Keiner von uns wusste, wie dieses verdammte Gerät, für dessen Applying er zuständig war, eigentlich funktioniert. Der eilig herbeigerufene Facility Manager zuckte ratlos mit den Schultern und auch unser OCE, unser Office Control Executive, stand zunächst hilflos vor der vermaledeiten Maschine. Die Überlegung, einen Field Operator ins Office zu beordern, verwarfen wir schließlich und beschlossen, nach einer Inhouse-Lösung zu suchen. Dazu wurde schnellstmöglich ein Assessmentcenter eingerichtet, indem zunächst die Anforderungen für diese Position bei einem Roundtabletalk mithilfe der Brainstorming-Methode evaluiert wurden und anschließend die Kandidaten ihre Qualifikation für diesen anspruchsvollen Job unter Beweis stellen mussten. Neben dem Basis-Knowledge kam es dabei natürlich auch auf die Soft skills an. Auch Geräte wollen schließlich einfühlsam behandelt werden. Und selbstverständlich durfte der Gender-Aspekt nicht vernachlässigt werden. Sachkenntnis spielte dabei nur eine untergeordnete Rolle, schließlich wussten wir immer noch nicht, wofür genau diese mysteriöse Maschine eigentlich verwendet wird. Wichtig war einzig und allein, dass dieser Posten wieder besetzt werden musste und zwar bald, sehr bald. Sandwichartist

Durch einen Coffee to go neu energetisiert machten wir nails with heads und entschieden, einen Junior Clerk einzustellen, der die Vakanz bis zur Rückkehr unseres Key Punch Operators als Temporary Personell zumindest überbrücken sollte. Endlich, endlich konnten wir uns wieder den wesentlichen Dingen zuwenden. Als erstes machten wir einen Termin mit einem Vision Clearance Engineer, damit wir wieder über den vollen Durchblick verfügten. Dann wurde aufgeräumt. Den Müll drückten wir dem Waste Removal Engineer in die Hand. So, fast geschafft. Wir gratulierten uns zu unserer gelungenen Solution policy. Blieb nur noch die Ablage der erarbeiteten Unterlagen. Ich richtete meinen Blick suchend auf den Schreibtisch unseres absenten Key Punch Operators. Leer. Wo war der blöde Locher denn nur? Er war doch nicht etwa… Nein, oder? Schlagartig begriff ich. Mir wurde schwindlig. Vermutlich vom Hunger. Ich schlug vor, etwas zu essen zu holen. Nach dem anstrengenden Tag konnten wir schließlich alle eine Stärkung vertragen. Also eilte ich zum Stand des Outdoor Sales Manager unseres Vertrauens und besorgte ein paar Burger. Kunstfertig belegte der Sandwich Artist die blassen Brötchen und wünschte mir guten Appetit. Zurück im Büro betätigten wir uns sogleich als Verputzer. Kleiner Scherz. Nein, wir zeigten uns als gute Consumer und stopften die Löcher in unseren Mägen. Apropos Löcher…. Ach nee, lassen Sie uns das Thema wechseln.

Good appetite

wünscht Ihre

Petra Janßen

11.03.2015

Seit neuestem haben wir ein Haustier: Anton! Anton ist ein siamesischer Kampffisch der Gattung Betta splendens. Klein, wunderhübsch, pflegeleicht, anspruchslos und ziemlich aggressiv, sobald Artgenossen ins Spiel kommen. Deswegen lebt er auch allein in seinem „Wassergarten“, einem geschlossenen Ökosystem, in dem Anton mit seinen Exkrementen (jawoll!) die über ihm wachsenden Bio-Kräuter düngt, die wiederum das Wasser reinigen. Anton bekommt natürlich Bio-Fischfutter, zweimal sechs bis acht Pellets pro Tag – nicht mehr (!), so hungrig er auch aussehen mag, sagt die Futteranleitung. Zwei Wochen lang nach Einzug in sein Aquarium schwamm er munter hin und her und rauf und runter – und dann der Schock: Er versteckt sich stundenlang in der Wasserpflanze. Nun ja, nicht stundenlang, weil er ab und zu Luft holen muss, so ist das bei Bettas. Aber seeeeehr lang. Regungslos. Anton Bewegt kaum die Flossen. Was hat Anton? Ist er krank? Ist er einsam? Hat er Hunger? Stimmt was mit dem Wasser nicht? Ist es zu hell oder zu dunkel? Lassen wir abends zu lang das Licht an? Haben wir die falschen Pflanzen?

All diese Fragen führen zu der alles entscheidenden Frage: Wie um Himmels willen kommuniziert man mit einem Fisch? Die Hunde meines Schwagers wedeln mit dem Schwanz, bellen „freudig“ (so meine Interpretation) und stürmen auf mich zu, wenn ich zu Besuch komme. Botschaft: super, dass Du da bist, kraulen bitte. Aber Anton? Wenn ich mich nach dem Bürotag seinem Aquarium nähere und ihn begrüße, schwimmt er auf mich zu. Na ja, manchmal. Manchmal auch ganz dicht an die Scheibe und wackelt hin und her. Manchmal schwimmt er sogar unter sein Futterloch, so als wolle er sagen: Heh, ich hab Hunger, los jetzt! Oft passiert auch gar nichts von alledem.
Also: Können sich Fische überhaupt mitteilen? Gefühlszustände äußern, wie auch immer? „Alles Quatsch, alles Projektion“, sagt mein Freund Matthias, als er zu Besuch ist. „Fische sind Fische und die ticken nun mal anders, Kommunikation gibt es nicht“. Nun gut, Matthias ist Psychologe und kein Fischexperte, aber irgendwie … das mit der Projektion … ich wünsche mir natürlich, es wäre zwischenmenschfischliche Interaktion vorhanden. Das geht natürlich von mir aus, nicht von Anton. Also keine Kommunikation, also brauche ich auch nicht mit ihm zu sprechen. Am letzten Besuchstag vor der Abfahrt verabschiedet sich Matthias von uns – und von Anton mit den Worten:“ Tschüs, mein Kleiner, bis zum nächsten Mal.“ Und Anton wippt an der Scheibe auf und nieder, taucht nach unten und sieht irgendwie traurig aus. Ach so, ist ja nur Projektion. Aber warum sprechen wir dann alle mit Anton? Ich muss der Sache noch mal auf den Grund gehen …

In diesem Sinne: sprachlose, aber nichtsdestotrotz kommunikative Mahlzeit

wünscht

Rufus Barke

P.S.: Ein kleines Video von Anton können Sie sich auf unserer Facebookseite anschauen.

 

04.03.2015

Manchen Menschen ist handwerkliches Arbeiten im Haus ein Gräuel, ich hingegen renoviere oft und gerne … und eigentlich dauernd. Bevor ich in mein kleines Hexenhäuschen zog, habe ich verhältnismäßig oft meine Wohnung gewechselt. Ich dachte immer, es liegt daran, dass ich mich nach einer Zeit an einem Ort langweile, oder irgendetwas stimmt mit der Wohnung oder den Nachbarn nicht. Doch … es lag an den von mir optimierten Wohnungen: fertig renoviert; Potenzial ausgeschöpft! In meinem „alten“ Mini-Haus wird mir das wohl nie passieren, da wird immer etwas zu tun sein. Mein nächstes Projekt ist das Badezimmer. Seit Wochen kaufe ich hier und da immer ein paar schöne bunte Fliesen, um im Laufe der Zeit ein Mosaik an die Wand zu bringen. Und da der Feuchtraumbereich meines Häuschens ein kleines Feuchtigkeitsproblem hat, erkundigte ich mich im Baufachhandel auch gleich noch nach diversen Problemlösungen zu diesem Thema. Paul/flickr

Kommunikation mit Handwerkern finde ich immer spannend: Die anfangs eher mitleidige Hilfsbereitschaft (dem Mädchen erst mal erklären, dass das besser ein Fachmann übernehmen sollte) weicht recht schnell einem netten, fachlichen Gespräch über verschiedene Do it yourself-Lösungen, wenn der Baumarktangestellte merkt, dass ich doch mehr weiß, als den Unterschied zwischen einem Kreuz- und einem Schlitzschraubendreher und von Holzlack mehr verstehe als von Nagellack. Zum Dank lass ich mir dann doch noch gerne zeigen, wo die benötigten Werkstoffe liegen, obwohl ich den Baumarkt meines Vertrauens mittlerer Weile in- und auswendig kenne. Die Handynummer des Herrn, falls ich Hilfe oder weitere Ratschläge benötigen sollte, habe ich dankend abgelehnt.

So ist also mein persönliches Baustofflager zu Hause wieder aufgefüllt und ich warte auf den nächsten Motivationsschub, um mein Vorhaben zu starten. Bis dahin werde ich bestimmt noch ein paar Mal in einem Baumarkt mit netten Mitarbeitern fachsimpeln und ab und an eine dick belegte Stulle essen, um mich bei Kräften zu halten.

Mahlzeit!

Ihre Sandra Ott

 

25.2.2015

Kommunikation jeglicher Art ist ja bekanntlich mit einem gewissen Risiko behaftet, etwa nicht bis wenig oder auch missverstanden zu werden. Kommunikation mit Telekommunikationsunternehmen vereint all diese Aspekte und führt außerdem zu einem konstant-geschmeidig steigenden Blutdruck. Jedenfalls bei mir. Ich atme gleich ein wenig tiefer ein, wenn mich nach der Wahl der Service-Nummer meines Telefon- und Internetanbieters eine überaus enthusiasmierte Computerstimme mit „Hallooooo! und herzlich! Willkommen! bei …“ begrüßt. „Jaja“, denke ich, „eine mäßig gut gelaunte Mitarbeiterin, mit der ich direkt (!) sprechen könnte, wäre mir lieber.“ Nun gut, ich muss mich erst durchs Menü pflügen. Heißt: Die Stimme fragt, ob es bei meinem Anliegen um die Aspekte „Internet“, „Telefonie“, „Rechnungen“ oder „Vertrag“ geht, und bittet mich, das entsprechende Wort laut auszusprechen.

Howard Lake / flickr

Nach einem kurz-prägnantem „Ähm …“, weil mein Anliegen doch etwas komplexer ist und ich eigentlich „Alles!“ sagen möchte, folgt ein freundlich säuselndes „Entschuldigung, ich habe Sie nicht verstanden. Bitte wiederholen Sie Ihr Anliegen.“ „Ja, prima, mache ich!“ murmele ich leicht säuerlich in mein Telefon, was die Technik am anderen Ende jedoch erneut fehlinterpretiert und ihre Bitte wiederholt. Beim dritten Versuch blöke ich kraftvoll und bestimmt „Vertrag!“, weil mein Anliegen damit zwar recht unbestimmt, jedoch im Großen und Ganzen voll und ganz hinreichend beschrieben ist. Während meiner Wartezeit von fünf bis zehn Minuten lausche ich gebannt einem von einer volltönenden Hammond-Orgel dominierten Dudel-Sound. Alldieweil wird mir gefühlt zehnsekündlich mitgeteilt, dass der nächste Mitarbeiter schon für mich bereit steht. „Sensationell“, denke ich mir, während ich mir vorstelle, wie im Call-Center kerzengerade bereit stehende Mitarbeiter auf ihren Einsatz warten. Gleichwohl erklärt mir die Ansagende, dass alle Arbeitsplätze weiterhin besetzt sind. Wie viele mögen das wohl sein? Zwei? Ich komme ins Grübeln, als ein anderer Anrufer anklopft, um mit mir zu sprechen. Ich nehme das Gespräch an, fasse mich kurz („Keine Zeit! Warteschleife! Gleich wieder anrufen! Tschö!“), wechsele wieder die Leitung und höre …. Nichts. Dann säuselt die Enthusiasmierte vom Anfang mir ins Ohr, dass der Mitarbeiter mich nicht erreichen konnte. Ich möge es doch noch einmal versuchen.

Im Geiste steht sofort eine umfangreiche Liste an Verwünschungen ob meines Pechs bereit. Allerdings spreche ich keine laut aus. Stattdessen stehe ich kerzengerade, atme tief ein und wähle erneut die Service-Nummer. Und als mich die Stimme erneut bittet, mein Anliegen zu formulieren, deklamiere ich beschwingt „Beschwerde!“ und schmunzele, während ich auf den nächsten bereit stehenden Mitarbeiter warte …

Ein kommunikatives „Mahlzeit!“ wünscht

Ihr Marcel Pannes

18.02.2015

Seit Jahrzehnten gröle ich zur Karnevalszeit ganz selbstverständlich Kölle Alaaf. Ohne eigentlich zu wissen, was ich da rufe. Das wurde mir am vergangenen Sonntag klar, als mich der kleine Sohn eines guten Freundes aus Südniedersachsen, die zum Karnevals-Besuch in Köln waren, fragte: „Was rufen die da?“ Klar ist: Alaaf wird in Köln und Bonn gerufen, Helau in Mainz und Düsseldorf. So richtig gesichert ist die Herkunft beider Rufe nicht. Sicher ist: Der Trinkspruch „Allaf fur einen goden druinck“ (frei übersetzt „ein Hoch auf einen guten Schluck“) steht schon im 16. Jahrhundert auf einem Krug in Form eines bärtigen Gesichts; und in einem Brief von 1635 geht es um „dat Al-aff cölnisch land.“ Alaaf bedeute also alles ab, alles zur Seite, vor allem oder auch über alles, so die Geschichts- und Sprachforscher. Wer Kölle Alaaf ruft, stellt Köln also über alles. Und das offiziell seit 1823.  alaaf helau02

Und Helau? Die armen Düsseldorfer und Mainzer haben es noch schwerer mit der Erklärung ihres Narrenrufes. Verschiedenste Deutungen wabern durch die Gegend: Helau stamme von Hellblau oder auch Halbblau (im Gegensatz zu ganz blau, also sturzbesoffen), von Hallo oder Hellauf (von hell auflachen), bedeute Hölle auf oder ehemals Halleluja. Andere leiten Helau von der Totengöttin Hel aus der germanischen Mythologie ab, die in der kalten Jahreszeit ihre Höllentür öffnete: Hel-auf. Nichts von dem sei belegt, so die Wissenschaftler, einzig das erstmalige Auftauchen des Wortes 1603 in Tirol.

Belegt ist hingegen, dass die kölschen Jecken, sollten sie sich denn mal nach Düsseldorf oder Mainz verirren, unbedingt Helau rufen sollten wie auch umgekehrt die Düsseldorfer und Mainzer in Köln ein schmissiges Alaaf. Denn bei all dem Frohsinn links und rechts des Rheins, den derben Witzen und den fröhlichen Trinkgelagen: Bei seinem Schlachtruf, da versteht der Karnevalist keinen Spaß! Weder in Köln noch in Düsseldorf!

359 Hochrufe freie Tage und eine fastenreiche Mahlzeit wünscht

Rufus Barke

 

11.02.2015

„Wohlan!“, verehrte Jeckinnen und Jecken, der Heiligabend steht vor der mit bunten Luftschlangen dekorierten Tür. Ja, Sie haben richtig gelesen. Denn: Rosenmontag ist der kölsche Heiligabend. Nur mit mehr Alkohol. Es tummeln sich wieder jede Menge Karnevalisten unterschiedlicher Ausprägung auf den Straßen des rheinischen Frohsinns. Zum besseren Verständnis hier eine kleine augenzwinkernde Orientierungshilfe:

Der Vollprofi: Hat einen separaten Kleiderschrank mit 111 selbstgemachten Kostümen, wechselt täglich seine Montur. Kann auch nach reichlich Kölsch noch unfallfrei sämtliche Öffnungszeiten aller Kneipen und den kompletten Zugweg rezitieren. Startet Aschermittwoch seinen bunten Abreißkalender bis zum nächsten Wieverfastelovend. alaaf helau1

Der kalendarische Jeck: Stolpert im Kalender regelmäßig über die Eintragung Karneval und kauft noch flott im Discounter ein Piratenkostüm, Modell Störtebeker. Stürzt sich dann kopflos ins Getümmel auf dem Kölner Heumarkt, holt sich ein Autogramm von Bernd Stelter und verdingt sich als Bützjen-Rekordhalter.

Der Sitzungsfetischist: Mäandert von Saal zu Saal, ohne sein jeckes Mützjen abzusetzen. Als bekennender Sitzschunkler meidet er Kneipen, erfreut sich jedoch immer wieder aufs Neue an mit Elferräten dekorierten Bühnen in Mehrzweckhallen und klopft sich auch noch bei Büttenrede Nummer 87 johlend auf den Schenkel. Überbrückt die karnevalsfreie Zeit mit Video-Kassetten à la „Best of Colonia-Duett.“

Der Vollverweigerer: Obwohl gebürtiger Rheinländer, hat sich der Verweigerer konsequent als nicht karnevalisierbar erwiesen. Flieht daher auch spätestens an Weiberfastnacht um 5 Uhr in die Eifel, an die Nordsee oder ins Möbelhaus. Zuckt merklich zusammen, wenn er beim Zappen durchs Fernsehprogramm schunkelnde Menschen erkennt. Jubelt über den Aschermittwoch, während er nach seiner Heimkehr zielgenau im Blumenkasten gelandete Kamelle in die heimische Mülltonne befördert.

Und welcher Typ sind Sie?

Viel Spaß während der tollen Tage und jeck Mahlzeit! wünscht

Ihr Marcel Pannes

 

04.02.2015

Vor einiger Zeit hatte ich mich um einen Posten im Beirat eines von mir geschätzten Unternehmens beworben. Diese Tätigkeit wollte ich sehr gerne machen und ich war mir sicher, dass meine enthusiastische Bewerbung eine ebensolche Reaktion beim Auswahlgremium hervorrufen würde. Voll großer Vorfreude öffnete ich also den heiß ersehnten Antwortbrief, der sich seltsam ausbeulte. Neben dem Schreiben fiel mir aus dem Umschlag etwas Längliches entgegen, das ich zunächst irritiert musterte. Ein Knusperriegel. Dann las ich den Brief – und verstand. Leider teilte die Firma meine Einschätzung, dass ich die einzig wahre Person für den zu besetzenden Posten sei, nicht.

Nachdem ich meine Enttäuschung überwunden hatte, fiel mein Blick auf die Süßigkeit, deren Bedeutung sich mir auf einmal schlagartig erschloss. Man speiste mich auf wenig subtile Weise ab. flickr /Йоана Петрова Der als Trost gemeinte süße Riegel entfaltete bei genauer Analyse seine volle demütigende Wucht: „An dieser Absage wirst Du noch eine Weile zu knabbern haben“, schien er mir hämisch zuzurufen. Das wollten wir doch mal sehen. Ich schnappte mir also das zeichenhafte Gebäck und biss, nein nicht herzhaft, sondern vorsichtig hinein – zum Glück. Das Teilchen hatte das Potenzial zum Zähne Ziehen. Ich verspeiste es trotzdem, um das Symbol meiner Niederlage ein für alle Mal zu vernichten. Und während ich noch knusperte, wurde mir klar, wie zukunftsweisend doch diese Beilage war. Auch wenn sie mir die Absage nicht versüßt hatte, sondern mich eine Weile darauf herumkauen ließ, war mir die wortlose Botschaft eine Inspiration. Wir sollten nicht immer nur auf die Kraft des geschriebenen Wortes setzen. Geschickt ausgewählte Objekte könnten gerade Absagen wirkungsvoll unterstützen. So hat man noch länger als an einem Knusperriegel an einem Kaugummi zu kauen. Ein Fläschchen mit Wasser macht einem klar, dass die Bewerbung Schnee von gestern ist, Blankopapier gibt einem zu verstehen, was für ein unbeschriebenes Blatt man ist, und ein Überraschungsei ohne Füllung zeigt einem unmissverständlich, für wie hohl einen der Absager hält. Die Liste ließe sich noch lange weiterführen, aber ich will Sie nicht weiter mit Worten malträtieren. Stellen Sie sich doch einfach selber mal vor, was man mit raffiniert gewählten Beilagen so alles ausdrücken könnte.

Eine leicht verdauliche Mahlzeit wünscht Ihnen Ihre

Petra Janßen

 

28.01.2015

Ich lese sehr gerne. Und zwar nicht nur die mehr oder weniger hoch platzierten Autoren diverser Bestsellerlisten, sondern auch und vor allem Speisekarten. Deren Autoren sorgen nämlich häufig für unfreiwillige Komik, wenn sie ihre angebotenen Speisen in durchaus kundenfreundlicher Absicht in verschiedene Sprachen übersetzen. Zum nächsten Mittagessen könnte Ihre Wahlwww.lustich.de 21205 lustige speisekarte beispielsweise auf „Huhn Schnur-blau" fallen. Okay, das war leicht, damit ist ein Cordon bleu gemeint („le cordon" heißt im Französischen wörtlich „Die Schnur"). Möglicherweise reizt Sie aber auch ein Stück „Gefüllte Türkei." Dann mögen Sie Truthahn, dessen englische Bezeichnung „turkey" dem Übersetzer in den falschen Hals geraten ist. Sehr empfehlenswert ist sicher auch das Hauptgericht „Drei Arten von Zahnstein", das seine Entstehung wohl der Verwechslung von „tartare" (italienisch: „Feingehacktes") mit „tartaro" (italienisch: „Zahnstein") verdankt. Nun ja.

In einem Restaurant in Spanien wurde auf der Speisekarte ein Gericht mit „Queso fresco, aguacate y miel" offeriert – also Frischkäse, Avocado und Honig. Ins Französische war die Übersetzung korrekt: „Fromage frais, avocat et miel". „Avocat" ist im Französischen aber sowohl das Wort für Avocado als auch für Anwalt. So wurde in der deutschen Version daraus unglücklicherweise „Frischer Käse, Rechtsanwalt und Honig." Skurril ging es auch auf Mallorca zu: Dort bot ein Restaurant Fisch im Backteig an – im Englischen ganz korrekt als „Battered Cod Fillet" bezeichnet. „Battered" bedeutet aber nicht nur „in Teig ausgebacken", sondern auch „zusammengeschlagen." Und so wurde der arme Fisch als „Misshandeltes Kabeljaufilet" ins Deutsche übersetzt. Tja.

Die deutsche Sprache hat jedoch auch ihre Tücken. Ein Bistro-Inhaber in der Türkei war wohl auf der Suche nach einem „ß" auf seiner Tastatur. In Ermangelung desselbigen entschied er sich für ein optisch ähnliches „B" und kreierte „WeiBer Kaffee." Deutsche Gastronomen sind vor lustigen Ungereimtheiten in ihrem Angebot ebenfalls nicht gefeit. So wurde auf einer Speisekarte aus dem „Kaiserschmarrn" flugs ein „emperor's nonsense." Mein Favorit bleiben aber die Zwiebelringe, deren englische Entsprechung „onion rings" auf einer Karte als „Zwiebel ruft an" angepriesen wurden. Köstlich!
In einer der nächsten Kolumnen werde ich mich dann mit unverständlichen Bedienungsanleitungen beschäftigen, frei nach dem Motto der Bedienungsanleitung eines alten Video-Rekorders: „Bitte halten Sie die Klappe und treten Sie die Taste ein!"


Humorvoll „Mahlzeit!" wünscht
Ihr Marcel Pannes

21.01.2015

Winterurlaub an der Nordsee und wir studieren den Veranstaltungskalender. Im Angebot u.a. ein Infoabend im Nationalparkhaus. Ein Infoabend im Parkhaus? Kurze nachdenkliche Pause. Nein, doch nicht in einem Parkhaus, im Nationalparkhaus. Jetzt gibt es schon nationale Parkhäuser? Wer oder was parkt denn da? Und wie sieht so ein Parkhaus wohl aus? Bevor wir uns zu einem Besuch entschließen, lassen wir uns die Sache nochmal gründlich durch den Kopf gehen, denn auf einen Infoabend in einem schwarzrotgoldenen Autoabstellareal haben wir nicht so wirklich Lust. Wir lesen die Ankündigung erneut durch und stellen fest, dass unsere Fantasie mit uns durchgegangen ist. Eine kleine Übersprungsreaktion der sinnherstellenden Synapsen und schwuppdiwupp wurde aus dem Informationszentrum ein Autohaus. Das bringt die Frage auf, wieso sich hinter dem Wort Park so geradezu gegensätzliche Dinge verbergen. Auf der einen Seite das Parkhaus und der Parkplatz, die, asphaltiert oder gepflastert und liniiert, Raum für nichtorganische Fortbewegungsbehältnisse zur Verfügung stellen. Auf der anderen Seite – Grün. Städtisches, suburbanes, gezielt angepflanztes und stetig bearbeitetes, der Erholung dienendes Grün. Die in diesen Parks vorkommenden Parkbänke dienen dem entspannten Genießen der gebändigten Flora und Fauna und sind nicht etwa, wie sich auch aus dem Namen schließen ließe, dafür vorgesehen, auf ihnen zu parken. me maya/flickr

Auf frappierende Weise bringt das Wort Park die unterschiedlichen Ausformungen des Stadtlebens auf einen Nenner. Mit dem Auto zum Park, im Parkhaus geparkt und dann in den Park gegangen und sich auf eine Parkbank gesetzt. Ein Beispiel für einen typischen Sonntagsausflug. Anders als bei einer Fahrt ins Blaue oder einem Ausflug ins weiter draußen gelegene Grün, bewegt man sich dabei normalerweise innerhalb festgelegter Grenzen. Und damit kommen wir dem tieferen Sinn des Wortes Park langsam auf die Spur. Denn dem Ursprung nach, so der Altphilologe Klaus Bartels, „bezeichnete der parc im Französischen sowohl eine ausgedehnte, von einer Einfriedung umschlossene Gartenanlage (…) als auch ein wiederum eingezäuntes, abgesperrtes militärisches Depot für allerlei Fahrzeuge und Geschütze, Munition und anderes Kriegsgerät“. Ob belebt oder unbelebt, abgestellt oder aufgeblüht, was einen Park zum Park macht, ist also der eingezäunte Raum, womit ebenfalls der Fuhrpark erklärt wäre, der – zu unliebsamer Berühmtheit gelangte – Entsorgungspark, der Freizeit-, Movie- oder der Tierpark. Nicht alle diese Orte dienen der Erholung, jedenfalls nicht allen sich dort Aufhaltenden. Anders als der Nationalpark. Hier darf sich die ganze Nation an ungebändigter Natur, wilden Tieren und frischer Luft erfreuen. Aber bitte schön alles im Rahmen. und im Rahmen des Nationalparkgeländes. Und erst nachdem am Parkautomat ein Parkticket gezogen wurde. Wo kämen wir sonst hin, wenn Erholung grenzenlos wäre?

Eine grenzenlos leckere Mahlzeit wünscht Ihnen

Petra Janßen

 

14.01.2015

Als Mutter einer Teenie-Tochter versuche ich immer, „up to date“ zu sein, um zu wissen, wo meine „Kleine“ grade unterwegs ist. Hier und da blättere ich mal ihre Bravo durch (und kenne 95% der sogenannten Stars nicht), schaue mit ihr abends Nickelodeon und Viva und begleitete sie sogar auf ein Justin Bieber Konzert – noch nimmt sie mich mit. Dafür sitzt sie aber nun auf der morgendlichen, gemeinsamen Fahrt im Bus nicht mehr neben mir, da sie auf dem Weg zur Schule natürlich lieber mit ihren Freundinnen reden möchte als mit mir. Was mir nun eine halbe Stunde mehr Zeit zum Lesen gibt.  Brandon Warren/flickr

Staunen muss ich aber über die Kommunikation mit ihren Freunden jenseits des Busses und außerhalb der Schule: da läuft alles via Mobiltelefon, überwiegend über den Nachrichtendienst Whats App. Es gibt mehrere verschiedene Gruppen, in denen mit kleinen Variationen aber dieselben Freunde involviert sind. Und jedes Emoticon, jeder Kommentar der ca. 10-20 Teilnehmer in 3-7 Unterhaltungen wird sekündlich mit einem lauten Ding oder dem Vibrieren des Handys angekündigt. Oft! Sehr sehr oft! Sie schreiben ja schnell, die Kids. Telefonieren und Facebook sind mittlererweile out; wenn sie nicht persönlich zusammen finden, wird geschrieben oder natürlich in neu-deutsch: gechattet.

Da ist ein Defekt am Handyladekabel an einem späten Samstagnachmittag schon mal ein mittleres Drama. Die wichtigsten Freunde werden dann über Mamas mobilen Knochen über die erzwungene „Offlinität“ informiert und die Nachbarschaft wird durchtelefoniert, wer ein kompatibles Ladekabel zum Verleihen hat. Mit einer Tafel Schokolade zum Tausch flitzte meine Tochter dann trotz Starkregen „die Ecke rum“, um das das Wochenende rettende Elektrozubehör abzuholen!

Es lebe die Mobilität! In diesem Sinne
Mahlzeit!
Ihre Sandra Ott