08.04.2015

Ich bin schon immer sehr dem Sport verbunden. Nicht nur vor dem TV, auch aktiv versuche ich mich seit jeher fit zu halten. Als Kind wuchs ich quasi beim ehemaligen Fußball-Zweitligisten Union Solingen auf, hatte ein Pony, war im Leichtathletik-Verein und als großer Boris Becker-Fan natürlich in der Tennis-AG meiner Schule. Am meisten interessiert mich seit 1984 jedoch das Boxen und der Kampfsport allgemein. In diesem Jahr nämlich hatte ich die Ehre, den großen Muhammad Ali zu treffen. Seitdem bin ich „im Boxgeschäft“ – wenn auch lange Zeit tatsächlich „nur“ vor dem Fernseher. Bis ich vor sechs Jahren mit dem Kung-Fu anfing und nun über meine Tochter zum Kickboxen kam – und mich dort komplett zu Hause fühle. Muhammad Ali /privat

Noch bin ich bei Wettkämpfen nur als betreuende Mama aktiv. Was mir während der Kämpfe auffällt: Die Kommunikation zwischen Trainer und (Kick-)Boxer ist meist sehr einseitig. Der Trainer coacht, spornt an oder beruhigt, der Boxer… nimmt so gut wie nichts wahr. Der letzte Fight meiner Kollegin, den sie mangels Gegnerinnen in ihrer Leistungsklasse bei den Herren absolvieren „durfte“, ist dafür ein gutes Beispiel. Auf meine Frage, was der Trainer ihr vom Rand zugerufen hat, sagte sie: „Keine Ahnung! Ich habe nichts gehört, war wie im Tunnel!“

Beim Training merke ich es selber: Vor lauter Konzentration auf das, was ich eigentlich machen soll, nämlich meine „Jabs“ und „Punches“ möglichst durch die Deckung meines Gegners zu bringen und nebenher noch darauf zu achten, dass ich die Beinarbeit und Kicks und natürlich meine eigene Deckung nicht vergesse, höre ich den Trainer kaum. Es ist wie eine Funkverbindung bei extrem schlechter Wetterlage: „Sandra…. mit links… vergiss die… und jetzt… Deckung hoch…“ Alle Tipps und Kommandos dazwischen verschwinden im Niemandsland meines sonst recht multitaskingfähigen Synapsen-Universums. Auch von meiner Seite aus ist eine Kommunikation leider sehr eingeschränkt: Durch meinen Zahnschutz kann ich bei Kritik weder freche Bemerkungen zurückgeben, noch meinen Gegner „provozieren“, wie Ali es so schön konnte. Ich bin einfach schon froh, dass ich genug Luft durch diesen Klumpen Gummi in meinem Mund einatmen kann, um nicht aus lauter Sauerstoffmangel umzukippen.

In diesem Sinne: Mit vollem Mund spricht man eh nicht!

Mahlzeit! wünscht
Ihre
Sandra Ott

 

01.04.2014

Jetzt, so kurz vor Ostern, animieren uns zahlreiche Produzenten von Süßwaren zum eifrigen Kauf von Ostereiern, die dann vor den lieben Kleinen versteckt werden sollen. Sehr zuvorkommend nehmen uns die Hersteller das lästige Kaufen einzelner Eier gerne ab und packen gleich mehrere in einen herrlichen Bastkorb: „Dieser Osterkorb weist viele unterschiedlich leckere Eier auf.“ Mal davon abgesehen, dass ich bei dieser Formulierung skeptisch bin, ob wirklich alle Eier lecker schmecken, möchte ich den Werbedichter fragen, auf was er mich hinweist, wenn der Korb Eier aufweist. Meint er doch eigentlich, in diesem Korb liegen viele Eier. Aufweisen ist nur scheinbar ein echtes Verb, denn wer etwas aufweist, tut eigentlich nichts – er hat nämlich nichts aufzuweisen. Wenn ich schaue, welche Synonyme es zu aufweisen gibt, entdecke ich aufzeigen. Und finde diesen Satz: „Kindern sollte man frühzeitig mögliche Bildungswege aufzeigen.“ Fragte man diese Kinder, würden sie wahrscheinlich aufzeigen, damit sie aufgerufen werden, bevor sie antworten.

Apropos aufrufen. Jan Schmidt/flickr Ich starte hiermit einen Aufruf zum Verzicht auf Vorsilben und zum Kürzen der ersten Silbe bei vielen Verben. Zum Beispiel bei abhängen, abklären, abmildern, abzielen, anmieten, anwachsen, aufspalten, aufoktroyieren, vorprogrammieren, vorwarnen. Vorwarnen ist ein wunderbares Beispiel für doppeltes Moppeln: Es liegt ja im Wesen des Warnens, früher zu sein als die Gefahr. Möchte also derjenige, der vorwarnt, noch einen Schritt früher sein und vor dem Warnen warnen? Und damit gar vor sich selbst?

Zurück zu den Ostereiern. Wenn diese dann versteckt sind, gilt es sie zu finden. Finden kann man nur etwas, das man sucht. Auffinden kann man offensichtlich nur etwas, dass man nicht sucht. Einen toten Vogel im Garten neben den Schoko-Eiern zum Beispiel. Der wurde dann tot aufgefunden. Oder auch entdeckt. Und das möglichst schnell, denn der Wetterdienst meldet, durch ein plötzliches Absinken der Temperatur könne es zu Ostern zum Kälteeinbruch kommen. Wenn etwas sinkt, wie in diesem Fall die Temperatur, wo sinkt sie hin? Und sinkt sie tiefer, wenn sie absinkt? Egal. Wir warten ab, während die Kleinen die Eier suchen, nach dem Motto: „Abwarten und Tee trinken.“ Da stellt sich natürlich die Frage, ab wann gewartet wird und auf was? Und ob warten schneller geht als abwarten? Wäre da vielleicht nicht aufwarten geeigneter – aufwarten und Tee trinken? Jedoch ist „jemanden seine Aufwartung machen“ wieder etwas ganz anderes und sowieso völlig aus der Mode.

Im Gegensatz zum Ostereier Suchen.

In diesem Sinne eine süße Mahlzeit und frohe Ostern
wünscht Ihr
Rufus Barke

 

25.03.2015

Neulich war wieder mal so ein Tag: Eins, zwei, drei, ganz viele Dinge sind mir nicht auf Anhieb gelungen. Was bei mir zum einen zu einer auch für meine Mitmenschen erkennbaren Unzufriedenheit führte und mich zum anderen den formvollendeten Satz denken ließ: „Mensch, heute sind dir aber ein paar Lapsusse passiert!“ Und schon stecken Sie und ich mittendrin im heutigen Thema: Den möglicherweise auftretenden Bedärfen an Erläuterungen zur Mehrzahl im Deutschen. Puh! Denn während die erwähnten „Lapsusse“ zwar fein klingen, aber dennoch nicht korrekt gebildet wurden, sind Krokusse nicht nur nett anzusehen, sondern auch besonders formschön in ihrer korrekten Bildung. Hingegen wird der Kaktus nicht zu Kaktusse, sondern zu Kakteen. Was für ein Chaos, vor allem für weniger geübte Deutschsprecher. Apropos: Kennen Sie den Plural von Chaos? Chaosse? Chaoti? Chaossis? Alles falsch: Korrekterweise existiert keine Pluralform, ein Chaos bleibt ein Chaos. Genau wie Regen Regen, Honig Honig und Milch Milch bleibt. Und aus einem Lauch werden auch keine zwei Läuche. Allerdings können aus einer Ananas sprachlich korrekt zwei Ananasse werden. Ananässer sehen verschiedene Sprachlexika jedoch nicht vor. Webfund/funfire.de

Apropos Vorsehung: Bei „eingedeutschten“ Begriffen sieht die Regel zur Bildung der Mehrzahl im Allgemeinen das Anhängen eines „s“ vor. Beispiel: Eine Couch, zwei Couchs. Klingt komisch, denken Sie? Denken viele Sprecher auch und machen aus Couchs Couchen. Oder sagen gleich Sofas. So liegt der Sprecher nicht nur bequem, sondern auch immer richtig.

Stichwort richtig: Mein eingangs erwähnter Missmut (Frage: Missmute? Missmüte? Missmüter?) ob meiner Lapsus (Die korrekte Mehrzahl ist tatsächlich ebenfalls Lapsus.) führte dazu, dass ich mich im Geiste selbst ermahnte und dachte: „Nu sei mal kein fieser Möpp!“ Was im Rheinland inhaltlich augenzwinkernd eine unangenehme Person beschreibt, wird in der Mehrzahl stirnrunzelnd zu einer Herausforderung: zwei fiese Möppe oder Möpper? Man weiß es nicht. Im besten Fall begegnet man fiesen Möppen einfach gar nicht. Dachte auch ich mir, war wieder gut gelaunt und verspeiste einen von zwei aus Weihnachtszeiten übrig gebliebenen Nikoläusen. War der Plural jetzt korrekt? Egal. Lecker wars!

Eine pluralistische Mahlzeit wünscht

Ihr Marcel Pannes

 

18.03.2015

Als neulich unser Key Punch Operator ausfiel, standen wir vor einem echten Problem. Keiner von uns wusste, wie dieses verdammte Gerät, für dessen Applying er zuständig war, eigentlich funktioniert. Der eilig herbeigerufene Facility Manager zuckte ratlos mit den Schultern und auch unser OCE, unser Office Control Executive, stand zunächst hilflos vor der vermaledeiten Maschine. Die Überlegung, einen Field Operator ins Office zu beordern, verwarfen wir schließlich und beschlossen, nach einer Inhouse-Lösung zu suchen. Dazu wurde schnellstmöglich ein Assessmentcenter eingerichtet, indem zunächst die Anforderungen für diese Position bei einem Roundtabletalk mithilfe der Brainstorming-Methode evaluiert wurden und anschließend die Kandidaten ihre Qualifikation für diesen anspruchsvollen Job unter Beweis stellen mussten. Neben dem Basis-Knowledge kam es dabei natürlich auch auf die Soft skills an. Auch Geräte wollen schließlich einfühlsam behandelt werden. Und selbstverständlich durfte der Gender-Aspekt nicht vernachlässigt werden. Sachkenntnis spielte dabei nur eine untergeordnete Rolle, schließlich wussten wir immer noch nicht, wofür genau diese mysteriöse Maschine eigentlich verwendet wird. Wichtig war einzig und allein, dass dieser Posten wieder besetzt werden musste und zwar bald, sehr bald. Sandwichartist

Durch einen Coffee to go neu energetisiert machten wir nails with heads und entschieden, einen Junior Clerk einzustellen, der die Vakanz bis zur Rückkehr unseres Key Punch Operators als Temporary Personell zumindest überbrücken sollte. Endlich, endlich konnten wir uns wieder den wesentlichen Dingen zuwenden. Als erstes machten wir einen Termin mit einem Vision Clearance Engineer, damit wir wieder über den vollen Durchblick verfügten. Dann wurde aufgeräumt. Den Müll drückten wir dem Waste Removal Engineer in die Hand. So, fast geschafft. Wir gratulierten uns zu unserer gelungenen Solution policy. Blieb nur noch die Ablage der erarbeiteten Unterlagen. Ich richtete meinen Blick suchend auf den Schreibtisch unseres absenten Key Punch Operators. Leer. Wo war der blöde Locher denn nur? Er war doch nicht etwa… Nein, oder? Schlagartig begriff ich. Mir wurde schwindlig. Vermutlich vom Hunger. Ich schlug vor, etwas zu essen zu holen. Nach dem anstrengenden Tag konnten wir schließlich alle eine Stärkung vertragen. Also eilte ich zum Stand des Outdoor Sales Manager unseres Vertrauens und besorgte ein paar Burger. Kunstfertig belegte der Sandwich Artist die blassen Brötchen und wünschte mir guten Appetit. Zurück im Büro betätigten wir uns sogleich als Verputzer. Kleiner Scherz. Nein, wir zeigten uns als gute Consumer und stopften die Löcher in unseren Mägen. Apropos Löcher…. Ach nee, lassen Sie uns das Thema wechseln.

Good appetite

wünscht Ihre

Petra Janßen

11.03.2015

Seit neuestem haben wir ein Haustier: Anton! Anton ist ein siamesischer Kampffisch der Gattung Betta splendens. Klein, wunderhübsch, pflegeleicht, anspruchslos und ziemlich aggressiv, sobald Artgenossen ins Spiel kommen. Deswegen lebt er auch allein in seinem „Wassergarten“, einem geschlossenen Ökosystem, in dem Anton mit seinen Exkrementen (jawoll!) die über ihm wachsenden Bio-Kräuter düngt, die wiederum das Wasser reinigen. Anton bekommt natürlich Bio-Fischfutter, zweimal sechs bis acht Pellets pro Tag – nicht mehr (!), so hungrig er auch aussehen mag, sagt die Futteranleitung. Zwei Wochen lang nach Einzug in sein Aquarium schwamm er munter hin und her und rauf und runter – und dann der Schock: Er versteckt sich stundenlang in der Wasserpflanze. Nun ja, nicht stundenlang, weil er ab und zu Luft holen muss, so ist das bei Bettas. Aber seeeeehr lang. Regungslos. Anton Bewegt kaum die Flossen. Was hat Anton? Ist er krank? Ist er einsam? Hat er Hunger? Stimmt was mit dem Wasser nicht? Ist es zu hell oder zu dunkel? Lassen wir abends zu lang das Licht an? Haben wir die falschen Pflanzen?

All diese Fragen führen zu der alles entscheidenden Frage: Wie um Himmels willen kommuniziert man mit einem Fisch? Die Hunde meines Schwagers wedeln mit dem Schwanz, bellen „freudig“ (so meine Interpretation) und stürmen auf mich zu, wenn ich zu Besuch komme. Botschaft: super, dass Du da bist, kraulen bitte. Aber Anton? Wenn ich mich nach dem Bürotag seinem Aquarium nähere und ihn begrüße, schwimmt er auf mich zu. Na ja, manchmal. Manchmal auch ganz dicht an die Scheibe und wackelt hin und her. Manchmal schwimmt er sogar unter sein Futterloch, so als wolle er sagen: Heh, ich hab Hunger, los jetzt! Oft passiert auch gar nichts von alledem.
Also: Können sich Fische überhaupt mitteilen? Gefühlszustände äußern, wie auch immer? „Alles Quatsch, alles Projektion“, sagt mein Freund Matthias, als er zu Besuch ist. „Fische sind Fische und die ticken nun mal anders, Kommunikation gibt es nicht“. Nun gut, Matthias ist Psychologe und kein Fischexperte, aber irgendwie … das mit der Projektion … ich wünsche mir natürlich, es wäre zwischenmenschfischliche Interaktion vorhanden. Das geht natürlich von mir aus, nicht von Anton. Also keine Kommunikation, also brauche ich auch nicht mit ihm zu sprechen. Am letzten Besuchstag vor der Abfahrt verabschiedet sich Matthias von uns – und von Anton mit den Worten:“ Tschüs, mein Kleiner, bis zum nächsten Mal.“ Und Anton wippt an der Scheibe auf und nieder, taucht nach unten und sieht irgendwie traurig aus. Ach so, ist ja nur Projektion. Aber warum sprechen wir dann alle mit Anton? Ich muss der Sache noch mal auf den Grund gehen …

In diesem Sinne: sprachlose, aber nichtsdestotrotz kommunikative Mahlzeit

wünscht

Rufus Barke

P.S.: Ein kleines Video von Anton können Sie sich auf unserer Facebookseite anschauen.

 

04.03.2015

Manchen Menschen ist handwerkliches Arbeiten im Haus ein Gräuel, ich hingegen renoviere oft und gerne … und eigentlich dauernd. Bevor ich in mein kleines Hexenhäuschen zog, habe ich verhältnismäßig oft meine Wohnung gewechselt. Ich dachte immer, es liegt daran, dass ich mich nach einer Zeit an einem Ort langweile, oder irgendetwas stimmt mit der Wohnung oder den Nachbarn nicht. Doch … es lag an den von mir optimierten Wohnungen: fertig renoviert; Potenzial ausgeschöpft! In meinem „alten“ Mini-Haus wird mir das wohl nie passieren, da wird immer etwas zu tun sein. Mein nächstes Projekt ist das Badezimmer. Seit Wochen kaufe ich hier und da immer ein paar schöne bunte Fliesen, um im Laufe der Zeit ein Mosaik an die Wand zu bringen. Und da der Feuchtraumbereich meines Häuschens ein kleines Feuchtigkeitsproblem hat, erkundigte ich mich im Baufachhandel auch gleich noch nach diversen Problemlösungen zu diesem Thema. Paul/flickr

Kommunikation mit Handwerkern finde ich immer spannend: Die anfangs eher mitleidige Hilfsbereitschaft (dem Mädchen erst mal erklären, dass das besser ein Fachmann übernehmen sollte) weicht recht schnell einem netten, fachlichen Gespräch über verschiedene Do it yourself-Lösungen, wenn der Baumarktangestellte merkt, dass ich doch mehr weiß, als den Unterschied zwischen einem Kreuz- und einem Schlitzschraubendreher und von Holzlack mehr verstehe als von Nagellack. Zum Dank lass ich mir dann doch noch gerne zeigen, wo die benötigten Werkstoffe liegen, obwohl ich den Baumarkt meines Vertrauens mittlerer Weile in- und auswendig kenne. Die Handynummer des Herrn, falls ich Hilfe oder weitere Ratschläge benötigen sollte, habe ich dankend abgelehnt.

So ist also mein persönliches Baustofflager zu Hause wieder aufgefüllt und ich warte auf den nächsten Motivationsschub, um mein Vorhaben zu starten. Bis dahin werde ich bestimmt noch ein paar Mal in einem Baumarkt mit netten Mitarbeitern fachsimpeln und ab und an eine dick belegte Stulle essen, um mich bei Kräften zu halten.

Mahlzeit!

Ihre Sandra Ott

 

25.2.2015

Kommunikation jeglicher Art ist ja bekanntlich mit einem gewissen Risiko behaftet, etwa nicht bis wenig oder auch missverstanden zu werden. Kommunikation mit Telekommunikationsunternehmen vereint all diese Aspekte und führt außerdem zu einem konstant-geschmeidig steigenden Blutdruck. Jedenfalls bei mir. Ich atme gleich ein wenig tiefer ein, wenn mich nach der Wahl der Service-Nummer meines Telefon- und Internetanbieters eine überaus enthusiasmierte Computerstimme mit „Hallooooo! und herzlich! Willkommen! bei …“ begrüßt. „Jaja“, denke ich, „eine mäßig gut gelaunte Mitarbeiterin, mit der ich direkt (!) sprechen könnte, wäre mir lieber.“ Nun gut, ich muss mich erst durchs Menü pflügen. Heißt: Die Stimme fragt, ob es bei meinem Anliegen um die Aspekte „Internet“, „Telefonie“, „Rechnungen“ oder „Vertrag“ geht, und bittet mich, das entsprechende Wort laut auszusprechen.

Howard Lake / flickr

Nach einem kurz-prägnantem „Ähm …“, weil mein Anliegen doch etwas komplexer ist und ich eigentlich „Alles!“ sagen möchte, folgt ein freundlich säuselndes „Entschuldigung, ich habe Sie nicht verstanden. Bitte wiederholen Sie Ihr Anliegen.“ „Ja, prima, mache ich!“ murmele ich leicht säuerlich in mein Telefon, was die Technik am anderen Ende jedoch erneut fehlinterpretiert und ihre Bitte wiederholt. Beim dritten Versuch blöke ich kraftvoll und bestimmt „Vertrag!“, weil mein Anliegen damit zwar recht unbestimmt, jedoch im Großen und Ganzen voll und ganz hinreichend beschrieben ist. Während meiner Wartezeit von fünf bis zehn Minuten lausche ich gebannt einem von einer volltönenden Hammond-Orgel dominierten Dudel-Sound. Alldieweil wird mir gefühlt zehnsekündlich mitgeteilt, dass der nächste Mitarbeiter schon für mich bereit steht. „Sensationell“, denke ich mir, während ich mir vorstelle, wie im Call-Center kerzengerade bereit stehende Mitarbeiter auf ihren Einsatz warten. Gleichwohl erklärt mir die Ansagende, dass alle Arbeitsplätze weiterhin besetzt sind. Wie viele mögen das wohl sein? Zwei? Ich komme ins Grübeln, als ein anderer Anrufer anklopft, um mit mir zu sprechen. Ich nehme das Gespräch an, fasse mich kurz („Keine Zeit! Warteschleife! Gleich wieder anrufen! Tschö!“), wechsele wieder die Leitung und höre …. Nichts. Dann säuselt die Enthusiasmierte vom Anfang mir ins Ohr, dass der Mitarbeiter mich nicht erreichen konnte. Ich möge es doch noch einmal versuchen.

Im Geiste steht sofort eine umfangreiche Liste an Verwünschungen ob meines Pechs bereit. Allerdings spreche ich keine laut aus. Stattdessen stehe ich kerzengerade, atme tief ein und wähle erneut die Service-Nummer. Und als mich die Stimme erneut bittet, mein Anliegen zu formulieren, deklamiere ich beschwingt „Beschwerde!“ und schmunzele, während ich auf den nächsten bereit stehenden Mitarbeiter warte …

Ein kommunikatives „Mahlzeit!“ wünscht

Ihr Marcel Pannes

18.02.2015

Seit Jahrzehnten gröle ich zur Karnevalszeit ganz selbstverständlich Kölle Alaaf. Ohne eigentlich zu wissen, was ich da rufe. Das wurde mir am vergangenen Sonntag klar, als mich der kleine Sohn eines guten Freundes aus Südniedersachsen, die zum Karnevals-Besuch in Köln waren, fragte: „Was rufen die da?“ Klar ist: Alaaf wird in Köln und Bonn gerufen, Helau in Mainz und Düsseldorf. So richtig gesichert ist die Herkunft beider Rufe nicht. Sicher ist: Der Trinkspruch „Allaf fur einen goden druinck“ (frei übersetzt „ein Hoch auf einen guten Schluck“) steht schon im 16. Jahrhundert auf einem Krug in Form eines bärtigen Gesichts; und in einem Brief von 1635 geht es um „dat Al-aff cölnisch land.“ Alaaf bedeute also alles ab, alles zur Seite, vor allem oder auch über alles, so die Geschichts- und Sprachforscher. Wer Kölle Alaaf ruft, stellt Köln also über alles. Und das offiziell seit 1823.  alaaf helau02

Und Helau? Die armen Düsseldorfer und Mainzer haben es noch schwerer mit der Erklärung ihres Narrenrufes. Verschiedenste Deutungen wabern durch die Gegend: Helau stamme von Hellblau oder auch Halbblau (im Gegensatz zu ganz blau, also sturzbesoffen), von Hallo oder Hellauf (von hell auflachen), bedeute Hölle auf oder ehemals Halleluja. Andere leiten Helau von der Totengöttin Hel aus der germanischen Mythologie ab, die in der kalten Jahreszeit ihre Höllentür öffnete: Hel-auf. Nichts von dem sei belegt, so die Wissenschaftler, einzig das erstmalige Auftauchen des Wortes 1603 in Tirol.

Belegt ist hingegen, dass die kölschen Jecken, sollten sie sich denn mal nach Düsseldorf oder Mainz verirren, unbedingt Helau rufen sollten wie auch umgekehrt die Düsseldorfer und Mainzer in Köln ein schmissiges Alaaf. Denn bei all dem Frohsinn links und rechts des Rheins, den derben Witzen und den fröhlichen Trinkgelagen: Bei seinem Schlachtruf, da versteht der Karnevalist keinen Spaß! Weder in Köln noch in Düsseldorf!

359 Hochrufe freie Tage und eine fastenreiche Mahlzeit wünscht

Rufus Barke

 

11.02.2015

„Wohlan!“, verehrte Jeckinnen und Jecken, der Heiligabend steht vor der mit bunten Luftschlangen dekorierten Tür. Ja, Sie haben richtig gelesen. Denn: Rosenmontag ist der kölsche Heiligabend. Nur mit mehr Alkohol. Es tummeln sich wieder jede Menge Karnevalisten unterschiedlicher Ausprägung auf den Straßen des rheinischen Frohsinns. Zum besseren Verständnis hier eine kleine augenzwinkernde Orientierungshilfe:

Der Vollprofi: Hat einen separaten Kleiderschrank mit 111 selbstgemachten Kostümen, wechselt täglich seine Montur. Kann auch nach reichlich Kölsch noch unfallfrei sämtliche Öffnungszeiten aller Kneipen und den kompletten Zugweg rezitieren. Startet Aschermittwoch seinen bunten Abreißkalender bis zum nächsten Wieverfastelovend. alaaf helau1

Der kalendarische Jeck: Stolpert im Kalender regelmäßig über die Eintragung Karneval und kauft noch flott im Discounter ein Piratenkostüm, Modell Störtebeker. Stürzt sich dann kopflos ins Getümmel auf dem Kölner Heumarkt, holt sich ein Autogramm von Bernd Stelter und verdingt sich als Bützjen-Rekordhalter.

Der Sitzungsfetischist: Mäandert von Saal zu Saal, ohne sein jeckes Mützjen abzusetzen. Als bekennender Sitzschunkler meidet er Kneipen, erfreut sich jedoch immer wieder aufs Neue an mit Elferräten dekorierten Bühnen in Mehrzweckhallen und klopft sich auch noch bei Büttenrede Nummer 87 johlend auf den Schenkel. Überbrückt die karnevalsfreie Zeit mit Video-Kassetten à la „Best of Colonia-Duett.“

Der Vollverweigerer: Obwohl gebürtiger Rheinländer, hat sich der Verweigerer konsequent als nicht karnevalisierbar erwiesen. Flieht daher auch spätestens an Weiberfastnacht um 5 Uhr in die Eifel, an die Nordsee oder ins Möbelhaus. Zuckt merklich zusammen, wenn er beim Zappen durchs Fernsehprogramm schunkelnde Menschen erkennt. Jubelt über den Aschermittwoch, während er nach seiner Heimkehr zielgenau im Blumenkasten gelandete Kamelle in die heimische Mülltonne befördert.

Und welcher Typ sind Sie?

Viel Spaß während der tollen Tage und jeck Mahlzeit! wünscht

Ihr Marcel Pannes

 

04.02.2015

Vor einiger Zeit hatte ich mich um einen Posten im Beirat eines von mir geschätzten Unternehmens beworben. Diese Tätigkeit wollte ich sehr gerne machen und ich war mir sicher, dass meine enthusiastische Bewerbung eine ebensolche Reaktion beim Auswahlgremium hervorrufen würde. Voll großer Vorfreude öffnete ich also den heiß ersehnten Antwortbrief, der sich seltsam ausbeulte. Neben dem Schreiben fiel mir aus dem Umschlag etwas Längliches entgegen, das ich zunächst irritiert musterte. Ein Knusperriegel. Dann las ich den Brief – und verstand. Leider teilte die Firma meine Einschätzung, dass ich die einzig wahre Person für den zu besetzenden Posten sei, nicht.

Nachdem ich meine Enttäuschung überwunden hatte, fiel mein Blick auf die Süßigkeit, deren Bedeutung sich mir auf einmal schlagartig erschloss. Man speiste mich auf wenig subtile Weise ab. flickr /Йоана Петрова Der als Trost gemeinte süße Riegel entfaltete bei genauer Analyse seine volle demütigende Wucht: „An dieser Absage wirst Du noch eine Weile zu knabbern haben“, schien er mir hämisch zuzurufen. Das wollten wir doch mal sehen. Ich schnappte mir also das zeichenhafte Gebäck und biss, nein nicht herzhaft, sondern vorsichtig hinein – zum Glück. Das Teilchen hatte das Potenzial zum Zähne Ziehen. Ich verspeiste es trotzdem, um das Symbol meiner Niederlage ein für alle Mal zu vernichten. Und während ich noch knusperte, wurde mir klar, wie zukunftsweisend doch diese Beilage war. Auch wenn sie mir die Absage nicht versüßt hatte, sondern mich eine Weile darauf herumkauen ließ, war mir die wortlose Botschaft eine Inspiration. Wir sollten nicht immer nur auf die Kraft des geschriebenen Wortes setzen. Geschickt ausgewählte Objekte könnten gerade Absagen wirkungsvoll unterstützen. So hat man noch länger als an einem Knusperriegel an einem Kaugummi zu kauen. Ein Fläschchen mit Wasser macht einem klar, dass die Bewerbung Schnee von gestern ist, Blankopapier gibt einem zu verstehen, was für ein unbeschriebenes Blatt man ist, und ein Überraschungsei ohne Füllung zeigt einem unmissverständlich, für wie hohl einen der Absager hält. Die Liste ließe sich noch lange weiterführen, aber ich will Sie nicht weiter mit Worten malträtieren. Stellen Sie sich doch einfach selber mal vor, was man mit raffiniert gewählten Beilagen so alles ausdrücken könnte.

Eine leicht verdauliche Mahlzeit wünscht Ihnen Ihre

Petra Janßen