05.08.2015

„Und Du, Perlmann, fragst noch mal die Nachbarn, “ sagt die Kommissarin Klara Blum im Tatort zu ihrem Kollegen. Er selbst antwortet formvollendet mit „Mach ich, Frau Blum.“ „Alberich, jetzt lassen Sie das! Sie sind ja wirklich nicht zu übersehen." Das ist ein typischer Börne-Spruch aus dem Münsteraner Tatort. Ich schaue gerne Krimis – und gerne auch den Tatort, das ist schon fast ein Sonntagabend-Ritual. Immer häufiger fällt mir auf, dass die Art, wie sich die Beteiligten anreden, so ganz anders ist als in meiner Lebenswirklichkeit. Weder sagen unsere Kunden zu mir, „Barke, verfassen Sie mal einen schönen Objektbericht“, noch würde ich über Kunden so reden: „Frag mal die Blum, ob sie schon mit dem Perlmann gesprochen hat und was die rausgefunden haben.“ Vielleicht ist meine Auffassung ja total old-fashioned, aber ich finde diese Form respektlos. Die gleiche Kategorie ist die Anrede mit der ersten Person Plural, wie sie Ärzte noch immer gerne nutzen: „Na, wie geht es uns denn heute?“ Diese Form meint nur den Angesprochenen, nicht den Sprecher, und will Vertrautheit suggerieren, erzeugt bei mir aber nur größtmögliche Distanz.

Da liebe ich doch die lockere Form der rheinischen Alltagsansprache, die alle gesellschaftlichen Unterschiede ignoriert. „Kann ich sonst noch was für Euch tun, junger Mann, oder habt Ihr alles?“, fragte mich heute Morgen die Bäckereifachverkäuferin mit herzlichem Lächeln. Abgesehen von der schmeichelhaften Kategorisierung „junger Mann“ schafft das hierzulande noch gebräuchliche „Ihrzen“ eher Vertrautheit als Distanz. Und dies, obwohl sich vor Hunderten von Jahren die Leute am königlichen Hofe, Fürsten und andere Würdenträger und später dann auch das städtische Bürgertum auf diese Weise förmlich „ihrzten“. Übrigens: Es gibt da noch heute das Berliner „Erzen“, auch eine jahrhundertealte Form: „Hat Er seine Fahrkarte dabei?“ Eine nette Variante ist auch das sogenannte „Kassiererinnen-Du“: „Du, Frau Müller, ich muss mal dringend in die Pause.“ anrede1

Ja, das ist schon so eine Sache mit der Anrede. Wussten Sie, dass sich Bergsteiger ab 1.000 Metern Höhe automatisch duzen? Und einander fremde Köche duzen sich in der Küche während des Kochens, danach, außerhalb dieses Raums, wechseln sie wieder zum Sie zurück. Das ist insofern ungewöhnlich, als dass man in Deutschland das einmal „gewonnene“ Du kaum noch ohne Gesichtsverlust oder Ärger wieder loswird. All das wird übrigens seit einigen Jahren intensiv erforscht. Von der Anredeforschung!

Und nun möge Er seine und Sie Ihre Mahlzeit genießen oder auch Er die Ihre oder Sie die Seine, je nach Vertrautheit. Das Wort Mahlzeit selbst ist übrigens auch jahrhundertealt und von vielschichtiger Bedeutung. Doch darüber ein anderes Mal.

Rufus Barke

 

29.07.2015

„Trenne nie ess-te, denn es tut ihm weh!“ Schon in der Grundschule fand ich diesen Satz mit schickem Endreim äußerst hilfreich, um mich gegen mögliche Fallstricke beim Trennen von Wörtern zu wappnen. Und obwohl im Zuge der Rechtschreibreform in den 1990er-Jahren das Trennungsverbot der beiden Konsonanten ruckizucki abgeschafft wurde, zucke ich noch heute hin und wieder im Geiste zusammen, wenn ich in einer Textzeile lande, an deren Ende ein verwaistes „s“ Ausschau hält nach seinem ehemaligen Zwilling, dem nun eine Zeile tiefer gerutschten „t“. 

Facebook mahlzeit Trennstrich1
Nun folgt das Trennen von Wörtern auch nach der Reform, die ja vieles vereinfachen wollte, weiterhin einigen mehr oder wenigen schlüssigen Regeln, die aber jetzt, hier und heute kein Thema sind („Pri-ma!“, werden Sie nun denken.). Stattdessen möchte ich Sie auf die durchaus unterhaltsamen Effekte von mal richtigen und mal weniger richtigen Trennstrichen aufmerksam machen. Der Satz „So manchen überkam die Spurt-reue, als er merkte, dass seinem Fahrzeug die Spur-treue fehlte.“ bekommt erst durch zielgenaues Setzen der Trennung die entscheidende Würze. Das „Regionalliga-tor“ mutiert unter Umständen zu einem gefräßigen „Region-alligator“, dessen Gefährlichkeit aber wohl nur örtlich begrenzt zu sein scheint. Und der „Er-blasser“ wird erst dann zum „Erb-lasser“, wenn a) die Trennung stimmt und b) die Blässe zum Dauerzustand geworden ist.

Das korrekte Trennen von Wörtern gibt so manchen Leserinnen und Lesern ab und an auch geräumigen Spielraum zum gepflegten Um-die-Ecke-Denken. So lässt sich aus einer „Geistes-abwesenheit“ prompt auch ein Gespenstermangel destillieren, während ein „Mini-mum“ durchaus auch als ganz ganz kleiner Mut daherkommen könnte. Ein „Erd-kunde“ wäre in jedem Fall ein Landkäufer und ein „Steuer-knüppel“ eine Waffe zum Eintreiben staatlicher Abgaben durch den Fis-kus, den man bei geringfügiger Modifikation der ersten Silbe auch als bösartiges Knutschen interpretieren könnte. Können Sie mir folgen? Einen habe ich nämlich noch: Ein „In-sekt“ darf mit Fug und Recht nicht nur als sechsbeiniges, durch die Luft segelndes Getier verstanden werden, sondern auch als ein sich derzeit schwer in Mode befindlicher Schaumwein. Und der „Tai-fun“ ist nicht nur ein gefürchteter Wirbelsturm im asiatischen Raum, sondern mag auch mal als spaßige Zeit in Bangkok durchgehen. Wenn man will. Und sich einfach mal von schnurgeraden Interpretationsmustern trennt.

Eine trennscharfe Mahlzeit wünscht

Ihr Marcel Pannes

 

22.07.2015

Die schöne Delfindame begrüßte meine Tochter Josy erst einmal typisch delfinisch: Sie spritzte sie mit kräftigen Flossenschlägen klatschnass! Im hüfthohen Wasser der Lagune knüpften die beiden, mit einem Trainer und fünf anderen Teilnehmern, die ersten Kontakte. Vorsichtiges Berühren, zu erleben, wie sich Delfinhaut anfühlt, wie flink der Delfin auf kleine Bewegungen reagiert, das alles war auch für mich als Beobachterin aus acht Metern Entfernung fast körperlich spürbar. Josy lernte, bei welchen visuellen Kommandos wie Fingerzeig oder Handbewegungen der Delfin aus dem Wasser springt oder sich mit ihr im Wasser dreht, wie er sich auf den Rücken legen oder einen Ball holen soll. Das Highlight war natürlich, sich von zwei Delfinen durch das Wasser ziehen zu lassen, schnell und kraftvoll, aber mit einer unglaublichen Sanftheit und Vorsicht der Tiere, wie meine Tochter mir danach mit glückstränenfeuchten Augen erzählte. Zu Hause eine liebevolle Katzenflüsterin, sagte sie in den fast 45 Minuten nicht ein einziges Wort, hatte jedoch das Gefühl, tatsächlich mit dem Tier geredet zu haben. Delfine barke partner

Mit ihren 13 Jahren hat sie eine wunderbare Erfahrung gemacht und war tief berührt von der nonverbalen Kommunikation mit diesen sanften, schönen Wesen. Sie hatte die gesamte Zeit im Wasser eine Gänsehaut, die jedoch nicht von der Wassertemperatur herrührte, sondern von der Energie und den Gefühlen, die sie im Kontakt mit den Delfinen hatte. Und dieses „Verstehen ohne Worte“ konnte ich nun auch noch für etwa eine Stunde miterleben, denn meine sonst so fröhlich drein plappernde Tochter nahm einfach meine Hand, lächelte mich glückselig an und sagte einfach mal nichts – und ich habe sie so gut verstanden.

Natürlich sind Delfine am schönsten im Ozean, aber es ist für viele ein großer (Kindheits-)Traum, diese wundervollen Tiere einmal wirklich hautnah zu erleben, mit ihnen zu spielen und zu schwimmen. Ich hatte mich vorher informiert, dass es nicht nur um Touristenbespaßung geht und die Delfine in der Gefangenschaft so optimal wie möglich gehalten werden. Zum Glück für die Tiere war es auch genau so.

Mahlzeit! wünscht Ihnen

Sandra Ott

 

15.07.2015

Unsere heutige Gesellschaft verlangt uns alles ab: Flexibilität, Multitasking, Schnelllebigkeit.

Dementsprechend hat der Mensch gerade in der interaktiven Kommunikation entsprechende Abkürzungen entwickelt, um sich multimedial und zeitsparend zu verständigen (MfG, HDL, LoL, etc.). Nur sind solche Kürzel in der handschriftlichen oder verbalen Kommunikation „unter vier Augen“ (ein Glück, es gibt sie noch) meist nicht alltagstauglich. Da aber auch hier schnelles Handeln unseren Alltagsrhythmus bestimmt, benötigt der Mensch Mittel und Wege, die wesentlich zu formulierenden Dinge abzukürzen, ohne den Kern der Botschaft zu verfremden, sozusagen eine „Sprechschreibreform“. Darin würde sich für die jeweilig anzuwendende Kommunikationsform für den schnellen Weg zur Post, zum Friseur oder in den Supermarkt schon das Weglassen unnötiger Silben und schnellsprachhemmender Konsonantenendungen zeitlich positiv auswirken.bane

Beispiel gefällig?

Ein Einkaufzettel für den schnellen Einkauf würde wie folgt aussehen: 1x „Bane“, 1x „Anas“, 400 g „Mettwurs“, 1x „Halbfett-Marine“, 3x „Haflocken“, 1 kg „Koffeln“, 2x „Jogu“, 2 Tafeln „Lade“. Bei Letzterem kann man darüber streiten, ob Marmelade neuerdings auch in Tafelform erhältlich ist. Menschliche Logik und der Kontext verhelfen in der Regel zur Eindeutigkeit.

Entsprechend gestaltet sich der Smalltalk beim Frisör über den letzten Urlaub so: Stadtfahrt durch „Shai“, Kultur in „Ku-Lumpur“, „Skien“ in „Ischl“, Tauchen auf den „Schellen“.

Da das Baden auf „Malle“ oder in „Rio“ schon jeder kennt, wird das einfach gleich komplett weggelassen. Für Diejenigen, die sich beim schnellen Haarschnitt kulturell eher fernöstlich präsentieren möchten, haben einige Staaten zwecks nachhaltiger und zeitsparender Urlaubsberichterstattung schon von sich aus nachgeholfen und die Reiseziele entsprechend umbenannt: Aus Myanmar wurde Burma, aus Ho-Chi-Min-Stadt wurde Saigon. Bitte aufpassen, dass bei all der Abkürzerei die „Blondung“ und die Haare nicht zu kurz kommen.

Das Ergebnis jedenfalls kann sich, ungeachtet der Frisur, sehen lassen: Die Zunge verzeichnet geringere Abriebspuren, die Gesichtsgestik ereilt im Schnitt um 0,0024 Jahre verzögert die ungeliebte Faltenbildung und es bleibt endlich mehr Zeit, sich den wirklich wichtigen Dingen zu widmen, wie der „Milie“, dem nächsten Einkauf, dem nächsten (und nach dem letzten Mal dringend notwendigen) Frisörbesuch oder dem Schreiben von Mahlzeit-Kolumnen.

Dank dieser im Vorfeld praktizierten Verbal-Amortisation wünscht statt „Mahlzeit“ ein ausgedehntes „Guten Appetit“

Ihr Mirco Röttger (Gastautor)

 

8.7.2015

„Die sollen mal die Hütte im Dorf lassen!“
„Die Hütte? Wieso die Hütte?“
„Dann eben die Katze.“
„Die sollen die Katze im Dorf lassen?“ Welche Katze? Wovon redest Du?“
Na, wie heißt das Sprichwort denn nun richtig?
„Die Kirche im Dorf lassen“

Ja klar, die Kirche. Wäre ich gebürtige Kölnerin, hätte ich vermutlich keine Probleme gehabt, das Sprichwort richtig zu erinnern. Die Kölner beschwören ja sogar singend, dass sie ihre Kirche – pardon, den Dom –  im Dorf, also in Kölle, lassen wollen. Für mich als Fischbrötchen also verzeihlich, dass ich nicht direkt das richtige Foto gefunden habe. Dafür fühle ich mich bei anderen Themen wie ein Hund im Wasser und kann im Kopfumdrehen eins und zwei zusammenzählen. Mich kehrt so schnell keiner über den Tisch. Bei uns im Norden wird ja normal nicht so viel gesprochen, deswegen hat das, was wir sagen, auch mehr Gesicht. Wir plappern nicht einfach so drauflos, sondern lassen uns die Gedanken erstmal lange in den Kopf gehen. Deshalb reden wir auch nicht über Dinge, von denen wir nichts gesehen haben und folgen dem eisigen Grundsatz „Schuster bleib auf deiner Leiter“.

Okay, ich gebe zu, dass ich nicht immer ganz kondolent gehandelt habe. Manchmal konnte ich einfach nicht die Klappe halten und hab mich damit fast um Topf und Laden geredet. Wahrscheinlich lebe ich schon zu lange im Rheinland, wo den Leuten ja ein loses Handwerk nachgesagt wird. Andererseits rutscht den Leuten meiner Beobachtung nach hier auch nicht öfter die Zunge aus als anderswo. Die Menschen hier können ihre Zunge meiner Meinung nach genauso gut im Zaun halten wie die bei uns im Norden. Apropos Zaun: In meiner Heimat werden die Dinge insgesamt schon gründlicher mit der Hupe genommen und nicht so schnell in den Zaun gebrochen. Auch wenn mir das nordische Stilschweigen manchmal fehlt, muss ich sagen, dass ich mich hier sehr wohlfühle: Die entspannte Art, auch mal alle Fründe gerade stehen zu lassen, gefällt mir. Und auch das südländische Lebensgefühl nach dem Motto „kommst Du heut nicht, gehst du morgen“ finde ich sehr sympathisch. Immer schön lässig bleiben, denn die Würfel werden immer neu gemischt. So jetzt will ich Ihnen aber nicht länger in den Haaren liegen, denn ich weiß: Reden ist Schweigen und Silber ist Gold. Mein Ohr in Gottes Hand!

Eine sprichwörtlich gute Mahlzeit wünscht Ihnen

Petra Janßen

Und lassen Sie sich beim Essen nicht in die Suppe gucken!

1.7.2015

Vor ungefähr einem Jahr hat ein Handyspiel für Furore gesorgt, dessen Erfolg sich niemand erklären konnte: „A Dark Room“ ist ein sehr minimalistisches Spiel, an dessen Anfang der Spieler in einem dunklen Raum ein Feuer entfacht. Von diesem Raum aus baut er Werkzeuge und Fallen, gründet bald ein Dorf und erkundet letztendlich die Geheimnisse einer fremden Welt.

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Die Besonderheit des Spiels liegt in seiner extrem schlichten Präsentation: Im Grunde besteht es ausschließlich aus Text. Alles was geschieht, wird in kurzen Sätzen vermittelt. „A Dark Room“ funktioniert also wie die Text Adventures der 1980er-Jahre – und hat es im Jahr 2014 trotzdem an die Spitze der App Stores geschafft.

Der Grund, warum mir das Spiel in Erinnerung geblieben ist, ist aber ein anderer: In einem Kommentar zum Spiel erzählen die Entwickler Michael Townsend und Amir Rajan, dass sie eines Tages eine E-Mail von einem blinden Spieler erhielten, der – wie viele andere – großen Spaß am Spiel hatte, aber an einer bestimmten Stelle nicht weiterkam, weil ihm die Orientierung schwerfiel. Was sie – genauso wenig wie ich – nicht wussten: Viele blinde Spieler nutzen die Text-to-Speech-Funktion ihrer Smartphones und Tablets, um sich Spiele dieser Art vorlesen zu lassen. Jeglichen Input steuern sie über die Spracherkennung. Ich habe diese Funktionen immer für überflüssig gehalten: Blinden Computerspieler haben sie aber ganz neue Möglichkeiten eröffnet!

Townsend und Rajan haben die Stelle, an der der Spieler nicht weiterkam, überarbeitet und auch das restliche Spiel für blinde Spieler zugänglicher gemacht. Es waren nur unscheinbare Details, die aber einen großen Unterschied gemacht haben: Ein kurze Beschreibung mehr hier, ein kleiner sprachlicher Hinweis dort. Weil „A Dark Room“ so ausschließlich über Sprache funktioniert, könnte man damit auch sagen: Townsend und Rajan haben nur die Kommunikation zwischen Spieler und Spiel verbessert – indem sie sich in ein Spielerklientel versetzt haben, das sie zuvor nie als solches wahrgenommen haben.

Ich finde diese Geschichte bemerkenswert: Es gibt Sätze, die manchen nur wie schmückendes Beiwerk erscheinen – aber anderen eröffnen sie manchmal eine ganze Welt.

Wer „A Dark Room“ in seiner Mittagspause selbst einmal ausprobieren möchte, kann es hier kostenlos im Browser spielen: http://adarkroom.doublespeakgames.com

Viel Vergnügen wünscht Ihnen

Alex Kurzke

24.06.2015

„Hallo, Halt, stopp, diesen Karton ins Schlafzimmer!!“ „Bitte seien Sie vorsichtig mit dem Tisch!!“ „Nein, die Lampen kommen erst mal in den Keller ...“ Ich erinnere mich noch gut, wie ich mit ordentlich Adrenalin im Blut bei unserem letzten Umzug – dem ersten Umzug überhaupt mit einem professionellen Umzugsteam – in unser „Eigenheim“ quasi zum Feldwebel mutierte, um all die tapferen Helfer in „meinem Sinne“ zu koordinieren. Und das war nur der Umzug von zwei (!) Personen. Jetzt wurde ich Anfang Juni auf der dänischen Insel Aeroe Zeuge, wie ganze Völker umziehen: 25.000 Bienen waren ausgeschwärmt, um neue Staaten zu gründen. Das ist der Zeitpunkt, an dem der Imker schnell handeln muss, um seinen geschwärmten Bienen einen neuen Stock (oder mehrere) anzubieten. Bienen Imker Aeroe barke

Schon am Tag der Ankunft auf Aeroe schlüpfte ich in die Imkerkluft und wagte mich inmitten der Bienenstöcke: In einer riesigen Traube hingen zwei Völker im Baum, die die Imkerin vorsichtig in eine Übergangsbox lockte. Diese trugen wir zunächst in einen kühlen Raum (witzigerweise die in der kühlen Scheune untergebrachte Sauna). Stufe 2 am nächsten Tag löste dann Adrenalin pur aus – bei allen Beteiligten: Nehmen die Bienen den neuen Stock an oder machen sie sich wieder auf den Weg? In unserem Fall hat es geklappt: In atemberaubender Geschwindigkeit gaben die Bienen die notwendigen Informationen an ihre Mitbewohnerinnen weiter und auf – mir unverständlichem – Kommando krabbelten beide (!) Schwärme ins neue „Haus“. (Link zum Video auf facebook) Was für mich absolut chaotisch aussah, ist eine logistische und kommunikative Meisterleistung. Und dafür brauchten die 25.000 Bienen nur gut vier Stunden. Wir haben deutlich länger gebraucht. OK, sie hatten keine Möbel und auch keine Kisten voller Kram dabei, allerdings mussten sie das Innere ihres Hauses ja auch erst bauen. Dies ging trotz schwindenden Lichts sofort los und tags darauf ließ sich dann der berühmte Schwänzeltanz beobachten, mit denen die Bienen ihre Informationen zum neuen Standort, zu nahe gelegenen Futterplätzen und eine Fülle weiterer Informationen an ihre Artgenossen weitergeben. Auf dass sich die Königin und der Staat wohl fühle!

Jetzt produzieren die fleißigen Bienen wieder unermüdlich Honig, um genügend Wintervorräte anzulegen. Seit diesem Schwarmerlebnis habe ich absoluten Respekt vor ihrer Meisterleistung, sowohl geordnet umzuziehen als auch Honig zu produzieren. Und ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Löffel ihres herrlichen Rapsblütenhonigs, den ich eigenhändig genussfähig machen durfte. Bei der Verarbeitung der prall gefüllten Waben durfte ich bei der Entdeckelung, dem Schleudern, dem Filtern und dem Stampfen mit anpacken.

In diesem Sinne wünscht Ihnen eine süße und köstliche Mahlzeit
Rufus Barke

 

17.06.2015

So mancher Mitmensch redet gerne viel. Oder auch gerne, viel und häufig auch noch unaufhörlich. Sozusagen ohne Punkt und Komma. Nur: Immer öfter wird auch so geschrieben. Es herrscht eine gähnende Leere an Satzzeichen, insbesondere in Echtzeit-Medien wie SMS-Nachrichten, Whatsapp-Botschaften oder Twitter-Tweeds, bei deren Benutzung solche wichtigen Lückenfüller wie das profane Komma selten en vogue sind. Dabei ist der Beistrich, wie er in Österreich auch gerne genannt wird, prinzipiell einer der Hauptsinnstifter in der deutschen Sprache, weil er Satzteile voneinander trennt und Zugehörigkeiten regelt. Ein Beispiel gefällig? Sie kennen bestimmt die Geschichte über den König, der von einem zum Tode verurteilten Bösewicht ein Begnadigungsgesuch erhält. Der Bote des Königs überbringt die Antwort an den Henker auf einem Schriftstück, auf dem steht: „Ich komme nicht köpfen." Was also tun? Meinte der König, dass er komme und das Köpfen tunlichst zu unterlassen sei? Oder wollte er sagen, dass er nicht komme und der Henker gefälligst seines Amtes walten solle? Ein fehlendes Komma (oder eines am falschen Platz) kann also den Sinn eines Satzes komplett verändern. Kommasetzung

Geköpft zu werden aufgrund eines nicht vorhandenen Kommas ist heute – puh! – reichlich unwahrscheinlich geworden. Aber wer Schulaufsätze liest, weiß um ein Komma-Sterben großen Ausmaßes, befördert durch eine Rechtschreibreform, die an Stellen, wo das Komma einst verpflichtend gesetzt werden musste, seine Nutzung nun dem Gutdünken des Autors überlässt. Und weil so mancher Autor seine Sätze kaum mit Kommata düngt, entsteht eine sprachlich eher fade Kost. Daher gestehe ich heute, hier an dieser Stelle und in besonderer Form, Ihnen, werte Leser: Ich bin ein Freund des Kommas. Ich mag das unauffällige Strichlein im Bodenbereich der Sätze, sein unscheinbares Auftreten und seine ebenso auffällige Begabung, Sätzen Rhythmus zu verleihen. Und auch wenn das saloppe und eilige Formulieren von Botschaften dem momentanen Zeitgeist entsprechen sollte, so appelliere ich an alle Vermeider und Verächter des Beistrichs: „Komma her!“

„Mahlzeit!“ mit hoffentlich keiner faden Kost wünscht
Ihr Marcel Pannes

 

10.06.2015

Sie ist ja gerade in aller Munde, die Totalüberwachung. Nichts, was wir schreiben, bloggen, posten, twittern etc., bleibt noch ungesehen bzw. ungelesen. Irgendwer liest ja immer mit, soweit wir mittlerweile wissen. Und vermutlich ist das meiste, was auf diversen Kanälen kommuniziert wird, für die Ausspäher auch eher quälend langweilig als brennend interessant. Ebenso wie vieles, was an Telefonen, Handys und Smartphones, zumindest in der Öffentlichkeit, so preisgegeben wird. Daran dürften vor allem Beziehungsberater und Mithörmasochisten ihre helle Freude haben. Wer öfter mal Bahn fährt, weiß, wovon ich rede. Außer genervtes Augenrollen haben diese Vollzeitplaudertaschen aber normalerweise keine Konsequenzen für ihre öffentlichen Verlautbarungen zu befürchten. Anders als anscheinend viele Fußballer und Trainer, die in letzter Zeit nur noch Gespräche hinter vorgehaltener Hand führen, damit ja keine taktische Finesse an die Öffentlichkeit oder, noch schlimmer, an die gegnerische Mannschaft gelangt. ThorstenRockstarflickr2

Was amerikanischen Football- und Basketballstars, die beim trash talk (dem Verhöhnen des Gegners) oder beim konspirativen Getuschel nicht gerne belauscht werden möchten, recht ist, ist den fußballerischen Promis rund um den Globus nur billig. Und so werden Anweisungen, Anpöbeleien und Angebereien neuerdings nur noch flüsternd und abgeschirmt weitergegeben. Allerdings wollen nicht alle Medien sich kampflos von den wertvollen Insiderinformationen abschneiden lassen und holen zum Gegenschlag aus. So hat der Bezahlsender Sky bereits eine Lippenleserin dafür bezahlt, Traineranweisungen und angebliche Spielerbeschimpfungen zu entschlüsseln. Wie sie die Lippenbewegungen hinter vorgehaltener Hand, trotz Feldstechers, erkennen konnte, wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Eines der wenigen Geheimnisse, das noch bleibt, wenn ansonsten fast alles freimütig und freiwillig preisgegeben wird. Und was auch bleiben wird, ist die Freude am Reden über Fußball. Und da tut sich ein anderer Sender geradezu vorbildlich hervor, Sport 1. Dort wird über Fußball gefachsimpelt, schwadroniert, analysiert, dass es nur so eine Freude ist. Und vor allem wird über Spiele gesprochen, Spiele, die man aber nicht sieht. Zu sehen sind nur die, die darüber reden. Und jeder kann, ja soll, sogar mithören. Was für eine geniale Idee.

Eine unbelauschte Mahlzeit wünscht Ihnen Ihre

Petra Janßen

 

03.06.2015

„Die Deutschen gehen gern auf Nummer sicher“, heißt es ja oft. Versichern sie sich deshalb wohl auch so gerne, dass ihre Botschaft wirklich ankommt und unterstreichen deren Bedeutung, indem Sätze portioniert und damit bedeutungsschwangerer werden? Zum Beispiel in solchen Überschriften wie „Berlin: Wowereit hört auf: nicht unerwartet!!“ oder Textabschnitte mit drei und mehr Doppelpunkten? Das führt die eigentliche Bedeutung nahezu ad absurdum, denn das Wesen des Doppelpunkts besteht ja zum einen darin, ein Zitat einzuleiten. Eusebia fragt: „Kann ich noch einen Kaffee bekommen?“ Und der Doppelpunkt steht zum anderen vor Sätzen, die das vorher Gesagte zusammenfassen oder eine Schlussfolgerung daraus ziehen: Er fasst das vorher Gesagte zusammen oder zieht daraus eine Schlussfolgerung: der Doppelpunkt vor dem Satz! Doppelpunkt2

Er ist auch dazu da, Texte lebendiger zu gestalten, indem er eine Zäsur setzt und signalisiert: Luft holen beim Lesen, hier kommt noch was. Dramaturgisch kann er auch genutzt werden, um Geschwindigkeit in einen Text zu bringen. Wir lesen Texte von links nach rechts und damit auch chronologisch, heißt (Achtung, Doppelpunkt): Was links vom Doppelpunkt steht, ist zeitlich früher als das, was rechts vom Doppelpunkt steht. Was der arme Doppelpunkt allerdings nicht kann, ist sprachlich heiße Luft aufzuwerten. Mode ist hingegen die „Ein-Wort-Betonung“: „Die CDU ist eine Männerpartei. Drei Viertel ihrer Mitglieder sind männlich. Doch die Chefin ist: eine Frau.“ Nächstes Beispiel: „Die tägliche E-Mail-Flut ist vor allem eines: lästig.“

Wir von barke + partner setzen den Doppelpunkt gerne, aber sparsam ein. Denn oft machen wir lieber einen Punkt als einen doppelten. Denn wir wollen ja nur eines: Ihre Aufmerksamkeit: Auf wirklich Wichtiges lenken: Damit Sie mehr Zeit für die schönen Dinge des Lebens haben: Wie zum Beispiel: die nächste Mahlzeit.

Guten Appetit wünscht Ihnen: Rufus Barke. Punkt.