17.02.2016

„Keine Zeit, ich bin im Stress, muss noch meine Mails, WhatsApp und so abchecken.“ Dann treffen wir uns morgen, nach der Mittagspause. „Ne, Du, ich muss erst meinem Kunden die ganzen Vorteile aufzeigen, die sich durch das neue Produkt ergeben.“ Solche oder ähnliche Gespräche höre ich oft. Und frage mich, wenn die Leute alle keine Zeit mehr haben, warum sparen sie nicht gleich beim Sprechen oder Schreiben Zeit? Sie merken schon, mein Thema heute ist die Vorsilbe vor Verben, auch Präfix genannt. Die deutsche Sprache hat davon eine Menge. So kann man aus dem Kern-Verb „treten“ mit allerlei Vorsilben Neues bilden: Wir können in Unappetitliches reintreten, aus der Reihe vortreten, als Bundespräsident zurücktreten, in einen Verein eintreten – und dies wütend auch auf einen Gegenstand; irgendwo gegentreten und im Theater auftreten und dort ganz energisch auch mit dem Fuß. Jedes Verb hat seine spezielle Bedeutung. Eine sinnvolle, sofern sie sinnvoll eingesetzt wird. Zeitintensiv wird’s allerdings, wenn der Sprecher oder Schreiber eine Vorsilbe davorklatscht, die völlig überflüssig ist. Ich checke meine Mails, da braucht’s kein „ab“ davor. vorsilben

Aufzeigen kann ich in einem Workshop, wenn ich reden möchte, ansonsten zeige ich jemandem, wo es langgeht – außer ich zeige ihn an, dann muss ich zur Polizei. Viel Zeit scheinen auch Menschen zu haben, die Dinge abändern, abkopieren, nachkontrollieren, überprüfen, zurückerstatten oder übersenden. Und wenn ich vom Tisch falle, schmerzt dies sicherlich genauso als wenn ich vom Tisch herunterfalle. Natürlich lassen sich auch Substantive herrlich erweitern, ohne dass ein Mehr-Sinn entsteht. Mein Lieblingswort seit Jahrzehnten: Unkosten. Und auf Englisch geht das natürlich auch. Im November letzten Jahres erhielt ich eine Save-the-date-Karte für eine Hochzeit im Oktober dieses Jahres. Das ist dann wohl die englische Version von Vorankündigung, die die Ankündigung zur Hochzeitseinladung ausspricht. Also die Vor-Vor-Ankündigung. Die jungen Leute heute scheinen wirklich so wenig Zeit zu haben, dass sie neun Monate vorher Hochzeitstermine blockieren (lassen) müssen. Das Wort Zeit bietet – neben Hochzeit – auch wunderbare Kombinationsmöglichkeiten. Aber lassen wir es für heute bei einer – Ihnen durchaus vertrauten – Kombination:

Mahlzeit
wünscht Ihnen Rufus Barke

10.02.2016

Und, wie ist das Wetter heute bei Ihnen? Ich hoffe, es hat sich wieder beruhigt. Oder war es bei Ihnen gar nicht so stürmisch? Für uns Karnevalsflüchtlinge hat sich die Eifel als stilles Örtchen erwiesen. Geschützt im Maarkrater hatten wir Ruhe vor peitschenden Winden, Orkanböen und möglichen Windhosen. Obwohl, so dramatisch ist es ja dann doch nicht geworden. Wir bekamen allenfalls den Windchill-Effekt zu spüren. Was nicht bedeutet, dass wir uns von einem sanften Luftzug ins Nirvana treiben ließen, sondern dass uns durch den starken Wind saukalt wurde. Leider hatten wir unser Anemometer nicht dabei, das uns die Windgeschwindigkeit hätte anzeigen können, geschweige denn das in der Meteorologie häufig verwendete Flügelschalen-Anemometer, dessen Messgenauigkeit uns genau hätte anzeigen können, wie stark der Wind uns um die Nase geblasen hat. Vielleicht hätten uns die Altocumulus warnen können, wenn wir in der Lage gewesen wären, sie zu deuten. Denn dann hätten wir die in langgestreckten, parallelen Walzen und linsenförmigen Bänken auftretenden Wolken natürlich als charakteristische Anordnung für die Altocumulus erkennen können. Auch die seltenen kleinfaserigen oder diffusen Büschelwolken, die wir am Himmel ausmachen konnten, hätten uns zu denken geben sollen, denn alle diese Formationen wiesen darauf hin, dass in 12 bis 24 Stunden Schlechtwetter aufkommen könne. Wir Ahnungslosen!
digitalcat flickr2Zum Glück hat die ausufernde Wetterberichterstattung der letzten Jahre unseren Wortschatz um diese wunderbaren Begriffe bereichert, auch wenn sie uns trotz allem nicht vor Wetterunbill schützen können. Aber sich eloquent über türmchenartige Quellungen bei Wolkenkomponenten, Altostratus, Cirrostratus und Nimbostratus unterhalten zu können, lässt sich einen doch direkt selber als Wetterexperten fühlen. Richtig strunzen kann man dann mit der Aussage, dass sich die Altostratus häufig als eine Altocumulus-Schicht entwickelt, wenn Eiskristallschleppen in größerem Ausmaß aus der Altocumulus fallen. Mich persönlich faszinieren ja auch die Isobaren, wobei es sich nicht etwa um ein fahrendes Volk von Thermoskannenverkäufern handelt, sondern um die Grenzlinien von Gebieten mit gleichen oder ähnlichen Luftdruckverhältnissen. Auch mit der Erkenntnis, dass es sich bei Isohypsen nicht um hysterische Schreihälse handelt, sondern um Höhenlinien, lässt sich sicherlich Eindruck schinden. Aber all das Wetterbesserwissen ändert ja nichts daran, dass wir das Wetter nicht ändern können. Wir können nur mehr darüber sagen. Und auch wenn immer mehr vorhergesagt wird, wird die Vorhersage nicht unbedingt zuverlässiger. Ich halte es daher mit dem bekannten Sprichwort: „Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist.“

In diesem Sinne, schön, dass wir mal drüber gesprochen haben.

Eine heitere Mahlzeit wünscht Ihnen

Ihre Petra Janßen

03.02.2016

Moin, Hoi, Grüezi, Servus, Tach! Findet sich auch Ihre Region in dieser kleinen Auswahl an Begrüßungsformen? Wenn ja, prima! Wenn nicht, leben Sie vielleicht im Saarland. Dort ist es nicht unüblich, zur Begrüßung ein kurz-prägnantes „Und?“ rauszulassen, gefolgt von einem nur unwesentlich längeren „Und selbscht?“ oder „Jo!“. Dieser Dialog ist mir nicht nur sehr sympathisch, weil er die Effizienz des Saarländers zeigt, sondern auch, weil ich Fan von Dialekten und darüber hinaus auch sehr für den Erhalt von regionalen Sprachvarietäten bin. Denn: Setzt man den zweiten Teil des Begriffs „Mundart“ mit dem englischen „art“ – also Kunst – gleich, entsteht „Mundkunst“ – und als ebensolche mag ich Dialekte auch verstanden wissen. Passenderweise kommt dazu der bevorstehende Karneval in Köln doch gerade recht. Dort feiern ja nicht nur Einheimische, sondern auch eine Menge Gäste aus Nah und Fern, die quatschen, schnacken, schwätze oder babbele. Und die bei einem Großteil des üppigen Kölner Liedgutes in der Kneipe ihrer Wahl dann nur Bahnhof verstehen. Daher möchte ich an dieser Stelle auf einige wenige Grundregeln der Kölschen Sprache und der Kölschsprecher hinweisen: ErichFerdinand flickr2

Wenn der Kölner eine brandaktuelle Neuigkeit loswerden will (und das will er oft), appelliert er sprachlich so sehr an alle Sinne des Zuhörenden, dass jenem oftmals Hören und Sehen vergeht: „Saach, hür ens, häste dat jesinn?!?“ Als angemessene Reaktion darauf sei kein pikiert dreinblickendes „Wie bitte?“ empfohlen, sondern ein überrascht-neugieriges und mit leicht dramatischem Unterton verziertes „Nää! Wat dann? Saach ens!“ Weiterhin ist zu beachten, auf die wohlmeinende Aufforderung „Saach ens Bloodwoosch!“ tunlichst mit „Flönz“ zu antworten, um sich nicht gleich als Zugereister zu erkennen zu geben. Wenn Sie sich vorstellen, nennen Sie Ihren Nachnamen kraftvoll zuerst („Ich bin dä Schmitze Jupp“) und wenn Sie unschlüssig sind, wem der Kranz Kölsch auf dem Nachbartisch gehört, verwenden Sie den eigens dafür erfundenen Wemsing-tiv („Wem singe Kranz Kölsch is‘ dat?). Oder Sie nehmen sich einfach eins und stoßen mit dem Nachbarn freundschaftlich an. Weil Kölsch ja bekanntlich auch die einzige Sprache ist, die man trinken kann.

Eines noch: Äußerst hilfreich für die Kommunikation und außerdem auch noch leicht zu lernen ist die Regel: „Im Kölschen gibt es kein G!“. Wahlweise spricht der Kölner jenes „G“ als jeschmeidijes „Jott“ wie in „Jachtentor“, als harten Ach-Laut wie in „Zoch“ (oder nochmal „Jachtentor“) oder aber als erfrischenden Zisch-Laut wie „fuffzisch“ (Übersetzungshilfe: fünfzig). Haben Sie diese Regel verinnerlicht und wollen einen Einheimischen beeindrucken, behaupten sie ihm gegenüber, dass Sie ein Wort wüssten, in dem alle drei Varianten der kölschen G-Aussprache vorkommen. Auf seine vermutlich auftretende Reaktion „Wat? Näää! Dat jiddet net!“ holen Sie den eigens dafür antrainierten lässigen Gesichtsausdruck hervor und sagen „Fluchzeuschträjer!“ Die Runde Kölsch ist Ihnen sicher! Und ein Stück Flönz noch dazu!

Eine lustisch-spochtlich-launije Mahlzeit wünscht
Ihr Marcel Pannes

27.01.2016

Wieder Mittwoch, Kolumnen-Tag. Ich bin dran. Mensch, denk ich, was ist die Woche schnell vergangen. Oder besser, der ganze Januar. Vorbei geflogen wie nichts. Und ich sitze jetzt hier, nachdem ich es mir in den ersten drei Wochen themenmäßig etwas zu bequem gemacht habe, und überlege: Was schreib ich? Fußball (Bundesliga-Start) – hatten wir schon. Karneval steht vor der Tür – hatten wir schon. Ich plane grade meinen Trip an die Nordsee – hatten wir schon. Hm, was bleibt? Dschungelcamp? Nein, ist nicht so unsers. Politisch wollen wir nicht werden, zumindest nicht in einer Mittagskolumne. Das nächste Justin-Bieber-Konzert? Ich verschone Sie, das mach ich mit mir selber aus (Hauptsache, das Kind ist glücklich!). Stattdessen könnte ich Ihnen ein Video mit „Katze erschreckt sich vor Gurke“ zeigen? Haben wir gemacht, meine Katze ist aber gurkenresistent. Kickboxen, nach wie vor mein Lieblingsthema: hatten wir schon und mittlerer Weile höre ich auch den Trainer besser. Bücher, Musik, Bahnverspätungen, alles schon mal da gewesen. Trotz neuer Krimis und leider verstorbenen Heros erscheint mir dieser Gedankenzug grade nicht fahrtüchtig. Was nur schreiben?
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Ich spiele mit verschiedenen Mahlzeit-Ideen in meinem Kopf, aber die sind alle entweder schüchtern oder eingeschnappt. Die eine Idee steht in der Ecke, verschränkte Arme vor der Brust und sagt: „Nö! An mich kommst du nicht mehr ran!“ Die andere in einer weiteren Windung meines Hirns motzt: „Du könntest mir ruhig mal etwas mehr Aufmerksamkeit schenken. Aber nein, bei der kleinsten Ablenkung bist du woanders. Nicht mit mir! Ich bin weg!“ So ist das manchmal. Da moppern und diskutieren die eigenen Gedanken mit den Ideen, werden sich nicht einig, streiken oder blockieren sich einfach. Mal kommt ein Telefongespräch dazwischen, Gespräche mit Kollegen und natürlich die alltägliche Konzentration auf meinen Job. Da muss die Mahlzeit schon mal ein wenig hintanstehen und die kleinen Ideen und Gedanken müssen sich etwas gedulden, bis sie an der Reihe sind. Die ungeduldigen lösen sich einfach in Luft auf. Manchmal, so sagt man, hilft es, sich eine Weile mit etwas völlig anderem zu beschäftigen, um wieder gedanklich in die Spur zu finden. Das mache ich jetzt auch: Ich gehe essen!

Mahlzeit! wünscht
Ihre Sandra Ott

20.01.2016

„Wer von Euch kocht denn zu Hause?“ fragte ich in unserem letzten Kinder-Kochkurs, und alle sechs Teilnehmer streckten eifrig die Finger in die Höhe. „Wow, und was kocht Ihr so?“ „Mein Papa und ich kochen am Wochenende oft Pizza“ … „Ich mache manchmal Fischstäbchen und Pommes“ … „Ich backe manchmal mit meiner Mama Schlemmerfilet Borda .. Brädo … Brodeläs.“ So ändern sich die Zeiten: Meine Mutter kochte in meiner Kindheit und Jugend täglich frisch, so dass für mich auch heute noch kochen bedeutet, verschiedene Zutaten in die Hand zu nehmen, zu waschen, zu schälen, zu raspeln, zu schneiden usw. und aus verschiedenen Dingen eine Mahlzeit für mehrere Menschen zuzubereiten (oder auch mal nur für mich). Heute, so zeigen die Antworten der Kinder und auch zahlreicher Gäste in meinen Erwachsenen-Kochkursen, bedeutet kochen vor allem auftauen, erwärmen, vorgewaschenen, gezupften und in Plastik verpackten Salat in Fertigdressing zu wälzen oder eine Smoothieflasche zu öffnen. Damit bleibt nicht nur der Akt des Kochens, sondern häufig auch das gemeinsame Essen und damit der kommunikative Teil der Mahlzeit auf der Strecke.
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Wolfgang Adlwarth von der Gesellschaft für Konsumforschung betitelte letztes Jahr die Mehrheit der Deutschen wenig schmeichelhaft als „Kochlegastheniker“. Denn knapp 42 Prozent der Deutschen bereitet sich fast nie selbst eine warme Mahlzeit zu. Immerhin jeder Dritte steht regelmäßig am Herd, ein Viertel kocht gelegentlich. In scheinbarem Widerspruch dazu bietet der Zeitschriftenhandel eine wahre Flut von Zeitschriften, die sich mit den unterschiedlichsten Aspekten von Essen beschäftigen. Ob Landküche, kochen mit fünf Zutaten, Kochen für Gourmets oder „alle Gerichte unter zwei Euro“, der Vielfalt scheint keine Grenzen gesetzt. Kochsendungen im Fernsehen oder Web sind weiterhin beliebt. Und auch meine Kochkurse sind in der Regel gut gebucht. OK, mancher Teilnehmer hat noch nie eine Süßkartoffel in der Hand gehabt oder Reis ohne Beutel zubereitet. Aber er hat Lust, sich dem Kochen nicht nur handwerklich zu nähern. Denn gemeinsam etwas zuzubereiten, das hinterher in Gemeinschaft gegessen wird, ist viel mehr als Handwerk. E ist geselliges Beisammensein und vor allem miteinander reden. Zutaten riechen, fühlen, kosten, gemeinsam überlegen, was miteinander kombinierbar ist, und das alles in angeregtem Gespräch: Der Geräuschpegel gegen Ende der Kochkurse ist meist doppelt so hoch wie am Anfang.

Kochen in Gemeinschaft macht Spaß, auch alleine kochen kann ein meditativer, beruhigender Akt sein. An dem im besten Fall etwas Leckeres auf dem Teller landet. Mein Appell an alle, die zu den „Nichtkochern“ gehören: Probieren Sie es mal in Gesellschaft aus. Und suchen Sie sich zunächst Gerichte mit wenigen Zutaten: Einen Blumenkohl in einem Liter Mandeldrink kochen, pürieren und kräftig mit Salz, Muskatnuss und Zimt abschmecken benötigt zehn Minuten Zubereitungszeit und 20 Minuten Kochzeit. Und schmeckt total lecker – zumindest denen, die Blumenkohl mögen. Funktioniert auch mit anderen weißen Gemüsen wie Sellerie, Pastinaken oder Petersilienwurzeln. Und beim gemeinsamen Essen kann man sich dann über das Geschmackserlebnis austauschen – wie auch immer es ausfällt.

Und nun, ob selbst oder fremd gekocht, genießen Sie Ihre Mahlzeit!

Ihr

Rufus Barke

13.01.2016

Von Königstal hinauf nach Königsberg, über Bergschlag, Sippenwies und Entenfang nach Tilsit oder von der Paschheide über Kolberg und Im Sundern nach Stettin: Was klingt wie eine Reise weit in den Osten, lässt sich tatsächlich beim Befahren der A44 bei Aachen, der A2 zwischen Kamener Kreuz und Beckum und an der A3 bei Leverkusen erfahren. Auch wer Landsberg an der Warthe erleben möchte, muss nicht bis nach Polen fahren, sondern kann das im Westerwald, ebenfalls an der A3, zwischen Ransbach-Baumbach und Dernbach tun.

Während Raststätten und Parkplätze an Bundesautobahnen normalerweise die Namen benachbarter Orte, örtlicher Flurbezeichnungen oder Landschaften tragen, sind die genannten Plätze nach Orten in Polen und Russland benannt. Die Journalistin Claudia Pinl ging diesem Phänomen nach und fand heraus, dass die Umbenennungen auf den damaligen Bundesverkehrsminister Hans-Christoph Seebohm zurückgehen, der nebenbei Vorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft war. „Seine Auftritte vor Vertriebenen-Verbänden waren im Bonner Auswärtigen Amt und im Bundeskanzleramt gefürchtet: Die Tschechoslowakei, Polen und die Sowjetunion sollten sich ja nicht der Hoffnung hingeben, dass die Deutschen das Land hinter Oder und Neiße abgeschrieben hätten“, so Pinl zu der Intention des ersten bundesdeutschen Verkehrsministers. Auf seine Anordnung hin nahmen manche Bundesländer die gewünschten Änderungen vor. Und bis heute findet sich deshalb an einigen westdeutschen Parkplätzen ein Stück Erinnerungskultur an die ehemals deutschen Ostgebiete.
facebook rastplatz

Jetzt fragen Sie sich vielleicht, wie ich auf dieses möglicherweise interessante, aber doch abseitige Thema gekommen bin. Nun, immer wieder sind mir bei Autobahnfahrten die Namen von Parkplätzen aufgefallen. Manche wegen ihrer skurrilen Bezeichnungen, wie beispielsweise Steingewann und Kurzgewann an der A61, die uns jedes Mal zu Mutmaßungen darüber inspirieren, wer wann was wo gewonnen habe. Andere wegen ihrer Assoziationen an idyllische Orte, die in der Regel im krassen Gegensatz zum tatsächlichen Platz stehen. Oder würden Sie hinter der Bezeichnung Sonnenhügel einen schnöden asphaltierten Platz mit zweckmäßigen Müllbehältern vermuten? Dass sich Fuchs und Hase an den Parkplätzen Hasenkämpe und Fuchseggen gute Nacht sagen, ist zwar nicht ausgeschlossen, aber auch nicht sehr wahrscheinlich. Überhaupt ist an vielen Plätzen tierisch viel los. Scheint es nicht unmöglich, am Hummelberg Hummeln oder an der Kälberweide Kälber zu treffen, ist es doch eher unwahrscheinlich, den jeweiligen namensgebenden Tiere an der Löwenberger Landwehr, am Geierbusch, Wolfstein oder Bärenberg zu begegnen. Nichtsdestotrotz laden diese Namen dazu ein, sich mit den Orten, die man passiert, oder an denen man sich aufhält, zu beschäftigen. Sei es zur Aufheiterung einer langen Autobahnfahrt oder als Begegnung mit einer anachronistischen Form der Erinnerungskultur. Und wer weiß, vielleicht als Anstoß, diese Orte einmal zu besuchen und dort Rast zu machen.

Dass Sie Ihre heutige Mahlzeit nicht vergessen
wünscht Ihnen
Ihre
Petra Janßen

06.01.2016

Happy new year, bonne année und feliz año nuevo, liebe Leserinnen und Leser! Und freilich auch ein frohes neues Jahr 2016, zu dessen Start es heute um den akustischen Charakter von Sprachen geht. Für unsere „deutschen“ Ohren klingen beispielsweise Russisch und Arabisch hart-forsch, Französisch dagegen mutet musisch-charmant an und Spanisch und Italienisch kommen häufig leicht hektisch daher. Und das Deutsche? Klingt für den Rest der Welt eher barsch, hart und rau. Möglich machen dies die zahlreichen schicken Kehl- und Knacklaute wie etwa in „Ach“, „hurtig“ oder „Jagdwurst“. Gleiches gilt für die gerne genommen plosiven Konsonanten am Wortanfang wie in „Tonne“, „Pappel“ oder „Kuckuck“, bei deren Bildung sich die Stimmbänder plötzlich öffnen und die angestaute Luft auf einmal entweicht. Deutsch klinge „wie eine Schreibmaschine, die Alufolie frisst und die Kellertreppe hinuntergetreten wird“, meint der irische Komödiant Dylan Moran augenzwinkernd. Und ist damit nicht alleine: Schon Mark Twain beschrieb das Deutsche als „unordentlich“ und „systemlos“, ihm war es seinerzeit ein Anliegen, „die Einführung von mehr als dreizehn Subjekten in einen Satz zu verbieten“ und „das Zeitwort so weit nach vorne zu rücken, bis man es ohne Fernrohr entdecken kann.“ drshordzi flickr

In der Tat kommen Simultanübersetzer regelmäßig kräftig ins Schwitzen, wenn sie bei Deutschsprechenden, die sich ausschweifender Haupt- und Nebensatzkonstruktionen bedienen, verzweifelt auf das Verb warten – das sich ja gerne mal am Ende des gesamten Satzes befindet. Hinzu kommt, dass Nicht-Muttersprachler vor der Herausforderung stehen, auf Deutsch immer zwei Dinge gleichzeitig tun zu müssen: sich um den Sinn der Aussage kümmern und die richtigen Endungen anfügen. Gut, so manchem Muttersprachler gelingt dies auch nicht immer unfallfrei, wir im Rheinland etwa wissen ja bekanntlich schon länger „von dem Genitiv seinem Tod wegen dem Dativ.“ Allerdings werden wir Deutschsprecher mancherorts auch um die vielen Möglichkeiten der Wortneuschöpfungen beneidet. Für Ausdrücke wie „fremdschämen“, „Gefühlsduselei“, „pudelwohl“ oder „Schneckenhausmentalität“ gibt es in den wenigsten Sprachen Übersetzungen.

Dieses Argument hätte vielleicht auch den Schriftsteller Oscar Wilde überzeugt, der die Meinung vertrat, dass das Leben zu kurz sei, „um Deutsch zu lernen“. Überraschenderweise stammen derartige Einschätzungen nicht erst aus der jüngsten Vergangenheit, sondern reichen sogar weiter zurück. Karl V., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, soll vor 500 Jahren gesagt haben: „Ich spreche Spanisch zu Gott, Italienisch zu den Frauen, Französisch zu den Männern und Deutsch zu meinem Pferd." Okay. Heute findet man das Pferd als Fortbewegungsmittel nur noch unter „ferner liefen …“, Deutsch hingegen wird weltweit von rund 185 Millionen Menschen gesprochen. Das ist doch schon mal was.

Ein sprachgewandtes Mahlzeit! wünscht
Ihr Marcel Pannes

16.12.2015

Der Stern

Hätt' einer auch fast mehr Verstand
als wie die drei Weisen aus Morgenland
und ließe sich dünken, er wäre wohl nie
dem Sternlein nachgereist, wie sie;
dennoch, wenn nun das Weihnachtsfest
seine Lichtlein wonniglich scheinen lässt,
fällt auch auf sein verständig Gesicht,
er mag es merken oder nicht,
ein freundlicher Strahl
des Wundersternes von dazumal.

(Wilhelm Busch)
Facebook Stern

09.12.2015

Heute erinnerte mich Facebook daran, was ich vor einem Jahr erlebt habe. Und wie das manchmal so ist, in einer Zeit in der viel passiert: Ich hatte diese lustige Begebenheit tatsächlich vergessen. Kurz vor Weihnachten 2014 nämlich hing dieser wunderbare Zettel an der Kinderzimmertür meiner Tochter. Ich war so gerührt und fand das so schön, dass ich es fotografiert und tatsächlich auf meine „Timeline“ gestellt habe. Ich kommentierte:

„Den Weihnachtsmann gibt es doch und er wohnt im Zimmer meiner Tochter!“
XMAS Josy1

Weihnachten finde ich sehr schön, auch wenn mir die Jahreszeit Winter nicht so sehr gefällt. Aber die Gemütlichkeit, die Lichter und der Duft nach frischgebackenen Plätzchen, das ist was Feines. Und die Heimlichkeiten, die mag ich auch. Die leuchtenden Augen meiner Tochter, das Geflüster am Telefon mit Oma und Freunden, die auserkorenen Verstecke für schon früh gekaufte Geschenke und die Wahl des Geschenkpapiers, auch ganz wichtig! Auch das möchte meine Tochter vorher nicht sehen. Sie möchte die komplette Überraschungslawine. Sie schreibt schon Anfang November eine Wunschliste, wohl wissend, dass nicht jeder Wunsch erfüllbar ist, und überlässt es vertrauensvoll mir… ehm, dem Weihnachtsmann natürlich, die Geschenke auf Familie und Freunde zu verteilen. Und ich liebe es, die ganze Zeit so zu tun, als hätte ich den Wunschzettel verloren, ganz vergessen, mit der Familie zu sprechen, mich an Nikolaus total überrascht zu zeigen, das heute der 06. Dezember ist und dann auch noch ein Sonntag. „Oh Schatz, das tut mir leid. Wir holen das nach“ – nur um dann viel später als erwartet doch noch einen heimlich beauftragten Nikolaus-Vertreter an der Haustür klingeln zu lassen, der einen liebevoll gefüllten Sack an die Klinke gehängt hat. Meine Tochter ist zu meiner großen Freude auch eine, die sich über die kleinsten Dinge freut, so dass das Päckchen Packen und einen Adventskalender Basteln ein großer Spaß ist.

Mit zweieinhalb Jahren fragte mich meine Tochter übrigens kurz vor Heiligabend, wann denn das Christinchen kommt. Ich war völlig irritiert, haben wir doch niemanden im Bekanntenkreis mit diesem Namen. Ich fragte sie, welches Christinchen sie wohl meine. Und die Kleine sagte strahlend: „Na, das Christinchen, das die Geschenke bringt!“ In diesem Sinne wünsche ich ihnen schon mal ein großzügiges „Christkindchen“ oder den Weihnachtsmann, wer immer bei Ihnen die Geschenke bringt. Eine schöne Adventszeit und immer eine leckere
Mahlzeit!

Ihre Sandra Ott

02.12.2015

„So Rufus, jetzt komm mal in die Gänge. So eine Mahlzeit schreibt sich schließlich nicht von selbst!“ Heute Morgen ertappte ich mich, wie ich diese Sätze laut vor mich hin sagte. Und auch das Ausrufezeichen „in laut“! Als Eigenmotivation sozusagen, um den morgendlichen Turbo anzuwerfen und mich auf den Weg in die Agentur zu machen. Und so dachte ich über das Thema Selbstgespräche nach. Das Lexikon unterscheidet da zwischen künstlerischem Monolog, innerer Erzählform und der Autokommunikation als psychologisches Phänomen. „Jetzt komm mal in die Gänge“ ist wohl weniger ein künstlerischer Monolog, und auch die innere Erzählform greift hier nicht – es bleibt die Autokommunikation. selbstgesrpraechMeine 91jährige, allein lebende Mutter sagte mir mal, dass ihr Selbstgespräche helfen, sich nicht so alleine zu fühlen. Au weia – werde ich jetzt alt? Oder bin es gar schon? Wenn ich mit mir selbst spreche, bin ich ja Erzähler und Zuhörer in einer Person. Was also muss passieren, wenn ich beginne, Gedanken laut auszusprechen und mit mir zu reden? Eine kurze Online-Recherche zeigt: Geschätzt 96 % der Menschen sprechen mit sich selbst – allerdings meist nur, wenn sie sich unbeobachtet fühlen. Wer in der Öffentlichkeit sich selber etwas mit lauter Stimme erzählt, wird schnell als „verrückt“ bezeichnet. Studien zeigen, dass Selbstgespräche helfen, sich zu strukturieren und auch Entscheidungen eher zu treffen. Spitzensportler zum Beispiel murmeln vor dem Wettkampfbeginn leistungssteigernde und konzentrationsfördernde Sätze. Kinder eines bestimmten Alters reflektieren vor dem Schlafen ihren Tag, in dem sie sich die Erlebnisse laut erzählen. Es gibt sogar Untersuchungen zur Selbstmotivation, in denen die eine Hälfte der Probanden in der Ich-Form mit sich selbst spricht, die anderen in der dritten Person. Das Ergebnis klingt reichlich abgefahren: Wer mit sich in der dritten Person spricht, ist bei gleichem Inhalt entspannter. Wohlan, ich spreche laut: „Rufus ist gerade total entspannt, weil er die Mahlzeit geschrieben hat. In diesem Sinne wünscht er Ihnen:
Guten Appetit!“

Ihr Rufus Barke