20.01.2016

„Wer von Euch kocht denn zu Hause?“ fragte ich in unserem letzten Kinder-Kochkurs, und alle sechs Teilnehmer streckten eifrig die Finger in die Höhe. „Wow, und was kocht Ihr so?“ „Mein Papa und ich kochen am Wochenende oft Pizza“ … „Ich mache manchmal Fischstäbchen und Pommes“ … „Ich backe manchmal mit meiner Mama Schlemmerfilet Borda .. Brädo … Brodeläs.“ So ändern sich die Zeiten: Meine Mutter kochte in meiner Kindheit und Jugend täglich frisch, so dass für mich auch heute noch kochen bedeutet, verschiedene Zutaten in die Hand zu nehmen, zu waschen, zu schälen, zu raspeln, zu schneiden usw. und aus verschiedenen Dingen eine Mahlzeit für mehrere Menschen zuzubereiten (oder auch mal nur für mich). Heute, so zeigen die Antworten der Kinder und auch zahlreicher Gäste in meinen Erwachsenen-Kochkursen, bedeutet kochen vor allem auftauen, erwärmen, vorgewaschenen, gezupften und in Plastik verpackten Salat in Fertigdressing zu wälzen oder eine Smoothieflasche zu öffnen. Damit bleibt nicht nur der Akt des Kochens, sondern häufig auch das gemeinsame Essen und damit der kommunikative Teil der Mahlzeit auf der Strecke.
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Wolfgang Adlwarth von der Gesellschaft für Konsumforschung betitelte letztes Jahr die Mehrheit der Deutschen wenig schmeichelhaft als „Kochlegastheniker“. Denn knapp 42 Prozent der Deutschen bereitet sich fast nie selbst eine warme Mahlzeit zu. Immerhin jeder Dritte steht regelmäßig am Herd, ein Viertel kocht gelegentlich. In scheinbarem Widerspruch dazu bietet der Zeitschriftenhandel eine wahre Flut von Zeitschriften, die sich mit den unterschiedlichsten Aspekten von Essen beschäftigen. Ob Landküche, kochen mit fünf Zutaten, Kochen für Gourmets oder „alle Gerichte unter zwei Euro“, der Vielfalt scheint keine Grenzen gesetzt. Kochsendungen im Fernsehen oder Web sind weiterhin beliebt. Und auch meine Kochkurse sind in der Regel gut gebucht. OK, mancher Teilnehmer hat noch nie eine Süßkartoffel in der Hand gehabt oder Reis ohne Beutel zubereitet. Aber er hat Lust, sich dem Kochen nicht nur handwerklich zu nähern. Denn gemeinsam etwas zuzubereiten, das hinterher in Gemeinschaft gegessen wird, ist viel mehr als Handwerk. E ist geselliges Beisammensein und vor allem miteinander reden. Zutaten riechen, fühlen, kosten, gemeinsam überlegen, was miteinander kombinierbar ist, und das alles in angeregtem Gespräch: Der Geräuschpegel gegen Ende der Kochkurse ist meist doppelt so hoch wie am Anfang.

Kochen in Gemeinschaft macht Spaß, auch alleine kochen kann ein meditativer, beruhigender Akt sein. An dem im besten Fall etwas Leckeres auf dem Teller landet. Mein Appell an alle, die zu den „Nichtkochern“ gehören: Probieren Sie es mal in Gesellschaft aus. Und suchen Sie sich zunächst Gerichte mit wenigen Zutaten: Einen Blumenkohl in einem Liter Mandeldrink kochen, pürieren und kräftig mit Salz, Muskatnuss und Zimt abschmecken benötigt zehn Minuten Zubereitungszeit und 20 Minuten Kochzeit. Und schmeckt total lecker – zumindest denen, die Blumenkohl mögen. Funktioniert auch mit anderen weißen Gemüsen wie Sellerie, Pastinaken oder Petersilienwurzeln. Und beim gemeinsamen Essen kann man sich dann über das Geschmackserlebnis austauschen – wie auch immer es ausfällt.

Und nun, ob selbst oder fremd gekocht, genießen Sie Ihre Mahlzeit!

Ihr

Rufus Barke

13.01.2016

Von Königstal hinauf nach Königsberg, über Bergschlag, Sippenwies und Entenfang nach Tilsit oder von der Paschheide über Kolberg und Im Sundern nach Stettin: Was klingt wie eine Reise weit in den Osten, lässt sich tatsächlich beim Befahren der A44 bei Aachen, der A2 zwischen Kamener Kreuz und Beckum und an der A3 bei Leverkusen erfahren. Auch wer Landsberg an der Warthe erleben möchte, muss nicht bis nach Polen fahren, sondern kann das im Westerwald, ebenfalls an der A3, zwischen Ransbach-Baumbach und Dernbach tun.

Während Raststätten und Parkplätze an Bundesautobahnen normalerweise die Namen benachbarter Orte, örtlicher Flurbezeichnungen oder Landschaften tragen, sind die genannten Plätze nach Orten in Polen und Russland benannt. Die Journalistin Claudia Pinl ging diesem Phänomen nach und fand heraus, dass die Umbenennungen auf den damaligen Bundesverkehrsminister Hans-Christoph Seebohm zurückgehen, der nebenbei Vorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft war. „Seine Auftritte vor Vertriebenen-Verbänden waren im Bonner Auswärtigen Amt und im Bundeskanzleramt gefürchtet: Die Tschechoslowakei, Polen und die Sowjetunion sollten sich ja nicht der Hoffnung hingeben, dass die Deutschen das Land hinter Oder und Neiße abgeschrieben hätten“, so Pinl zu der Intention des ersten bundesdeutschen Verkehrsministers. Auf seine Anordnung hin nahmen manche Bundesländer die gewünschten Änderungen vor. Und bis heute findet sich deshalb an einigen westdeutschen Parkplätzen ein Stück Erinnerungskultur an die ehemals deutschen Ostgebiete.
facebook rastplatz

Jetzt fragen Sie sich vielleicht, wie ich auf dieses möglicherweise interessante, aber doch abseitige Thema gekommen bin. Nun, immer wieder sind mir bei Autobahnfahrten die Namen von Parkplätzen aufgefallen. Manche wegen ihrer skurrilen Bezeichnungen, wie beispielsweise Steingewann und Kurzgewann an der A61, die uns jedes Mal zu Mutmaßungen darüber inspirieren, wer wann was wo gewonnen habe. Andere wegen ihrer Assoziationen an idyllische Orte, die in der Regel im krassen Gegensatz zum tatsächlichen Platz stehen. Oder würden Sie hinter der Bezeichnung Sonnenhügel einen schnöden asphaltierten Platz mit zweckmäßigen Müllbehältern vermuten? Dass sich Fuchs und Hase an den Parkplätzen Hasenkämpe und Fuchseggen gute Nacht sagen, ist zwar nicht ausgeschlossen, aber auch nicht sehr wahrscheinlich. Überhaupt ist an vielen Plätzen tierisch viel los. Scheint es nicht unmöglich, am Hummelberg Hummeln oder an der Kälberweide Kälber zu treffen, ist es doch eher unwahrscheinlich, den jeweiligen namensgebenden Tiere an der Löwenberger Landwehr, am Geierbusch, Wolfstein oder Bärenberg zu begegnen. Nichtsdestotrotz laden diese Namen dazu ein, sich mit den Orten, die man passiert, oder an denen man sich aufhält, zu beschäftigen. Sei es zur Aufheiterung einer langen Autobahnfahrt oder als Begegnung mit einer anachronistischen Form der Erinnerungskultur. Und wer weiß, vielleicht als Anstoß, diese Orte einmal zu besuchen und dort Rast zu machen.

Dass Sie Ihre heutige Mahlzeit nicht vergessen
wünscht Ihnen
Ihre
Petra Janßen

06.01.2016

Happy new year, bonne année und feliz año nuevo, liebe Leserinnen und Leser! Und freilich auch ein frohes neues Jahr 2016, zu dessen Start es heute um den akustischen Charakter von Sprachen geht. Für unsere „deutschen“ Ohren klingen beispielsweise Russisch und Arabisch hart-forsch, Französisch dagegen mutet musisch-charmant an und Spanisch und Italienisch kommen häufig leicht hektisch daher. Und das Deutsche? Klingt für den Rest der Welt eher barsch, hart und rau. Möglich machen dies die zahlreichen schicken Kehl- und Knacklaute wie etwa in „Ach“, „hurtig“ oder „Jagdwurst“. Gleiches gilt für die gerne genommen plosiven Konsonanten am Wortanfang wie in „Tonne“, „Pappel“ oder „Kuckuck“, bei deren Bildung sich die Stimmbänder plötzlich öffnen und die angestaute Luft auf einmal entweicht. Deutsch klinge „wie eine Schreibmaschine, die Alufolie frisst und die Kellertreppe hinuntergetreten wird“, meint der irische Komödiant Dylan Moran augenzwinkernd. Und ist damit nicht alleine: Schon Mark Twain beschrieb das Deutsche als „unordentlich“ und „systemlos“, ihm war es seinerzeit ein Anliegen, „die Einführung von mehr als dreizehn Subjekten in einen Satz zu verbieten“ und „das Zeitwort so weit nach vorne zu rücken, bis man es ohne Fernrohr entdecken kann.“ drshordzi flickr

In der Tat kommen Simultanübersetzer regelmäßig kräftig ins Schwitzen, wenn sie bei Deutschsprechenden, die sich ausschweifender Haupt- und Nebensatzkonstruktionen bedienen, verzweifelt auf das Verb warten – das sich ja gerne mal am Ende des gesamten Satzes befindet. Hinzu kommt, dass Nicht-Muttersprachler vor der Herausforderung stehen, auf Deutsch immer zwei Dinge gleichzeitig tun zu müssen: sich um den Sinn der Aussage kümmern und die richtigen Endungen anfügen. Gut, so manchem Muttersprachler gelingt dies auch nicht immer unfallfrei, wir im Rheinland etwa wissen ja bekanntlich schon länger „von dem Genitiv seinem Tod wegen dem Dativ.“ Allerdings werden wir Deutschsprecher mancherorts auch um die vielen Möglichkeiten der Wortneuschöpfungen beneidet. Für Ausdrücke wie „fremdschämen“, „Gefühlsduselei“, „pudelwohl“ oder „Schneckenhausmentalität“ gibt es in den wenigsten Sprachen Übersetzungen.

Dieses Argument hätte vielleicht auch den Schriftsteller Oscar Wilde überzeugt, der die Meinung vertrat, dass das Leben zu kurz sei, „um Deutsch zu lernen“. Überraschenderweise stammen derartige Einschätzungen nicht erst aus der jüngsten Vergangenheit, sondern reichen sogar weiter zurück. Karl V., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, soll vor 500 Jahren gesagt haben: „Ich spreche Spanisch zu Gott, Italienisch zu den Frauen, Französisch zu den Männern und Deutsch zu meinem Pferd." Okay. Heute findet man das Pferd als Fortbewegungsmittel nur noch unter „ferner liefen …“, Deutsch hingegen wird weltweit von rund 185 Millionen Menschen gesprochen. Das ist doch schon mal was.

Ein sprachgewandtes Mahlzeit! wünscht
Ihr Marcel Pannes

16.12.2015

Der Stern

Hätt' einer auch fast mehr Verstand
als wie die drei Weisen aus Morgenland
und ließe sich dünken, er wäre wohl nie
dem Sternlein nachgereist, wie sie;
dennoch, wenn nun das Weihnachtsfest
seine Lichtlein wonniglich scheinen lässt,
fällt auch auf sein verständig Gesicht,
er mag es merken oder nicht,
ein freundlicher Strahl
des Wundersternes von dazumal.

(Wilhelm Busch)
Facebook Stern

09.12.2015

Heute erinnerte mich Facebook daran, was ich vor einem Jahr erlebt habe. Und wie das manchmal so ist, in einer Zeit in der viel passiert: Ich hatte diese lustige Begebenheit tatsächlich vergessen. Kurz vor Weihnachten 2014 nämlich hing dieser wunderbare Zettel an der Kinderzimmertür meiner Tochter. Ich war so gerührt und fand das so schön, dass ich es fotografiert und tatsächlich auf meine „Timeline“ gestellt habe. Ich kommentierte:

„Den Weihnachtsmann gibt es doch und er wohnt im Zimmer meiner Tochter!“
XMAS Josy1

Weihnachten finde ich sehr schön, auch wenn mir die Jahreszeit Winter nicht so sehr gefällt. Aber die Gemütlichkeit, die Lichter und der Duft nach frischgebackenen Plätzchen, das ist was Feines. Und die Heimlichkeiten, die mag ich auch. Die leuchtenden Augen meiner Tochter, das Geflüster am Telefon mit Oma und Freunden, die auserkorenen Verstecke für schon früh gekaufte Geschenke und die Wahl des Geschenkpapiers, auch ganz wichtig! Auch das möchte meine Tochter vorher nicht sehen. Sie möchte die komplette Überraschungslawine. Sie schreibt schon Anfang November eine Wunschliste, wohl wissend, dass nicht jeder Wunsch erfüllbar ist, und überlässt es vertrauensvoll mir… ehm, dem Weihnachtsmann natürlich, die Geschenke auf Familie und Freunde zu verteilen. Und ich liebe es, die ganze Zeit so zu tun, als hätte ich den Wunschzettel verloren, ganz vergessen, mit der Familie zu sprechen, mich an Nikolaus total überrascht zu zeigen, das heute der 06. Dezember ist und dann auch noch ein Sonntag. „Oh Schatz, das tut mir leid. Wir holen das nach“ – nur um dann viel später als erwartet doch noch einen heimlich beauftragten Nikolaus-Vertreter an der Haustür klingeln zu lassen, der einen liebevoll gefüllten Sack an die Klinke gehängt hat. Meine Tochter ist zu meiner großen Freude auch eine, die sich über die kleinsten Dinge freut, so dass das Päckchen Packen und einen Adventskalender Basteln ein großer Spaß ist.

Mit zweieinhalb Jahren fragte mich meine Tochter übrigens kurz vor Heiligabend, wann denn das Christinchen kommt. Ich war völlig irritiert, haben wir doch niemanden im Bekanntenkreis mit diesem Namen. Ich fragte sie, welches Christinchen sie wohl meine. Und die Kleine sagte strahlend: „Na, das Christinchen, das die Geschenke bringt!“ In diesem Sinne wünsche ich ihnen schon mal ein großzügiges „Christkindchen“ oder den Weihnachtsmann, wer immer bei Ihnen die Geschenke bringt. Eine schöne Adventszeit und immer eine leckere
Mahlzeit!

Ihre Sandra Ott

02.12.2015

„So Rufus, jetzt komm mal in die Gänge. So eine Mahlzeit schreibt sich schließlich nicht von selbst!“ Heute Morgen ertappte ich mich, wie ich diese Sätze laut vor mich hin sagte. Und auch das Ausrufezeichen „in laut“! Als Eigenmotivation sozusagen, um den morgendlichen Turbo anzuwerfen und mich auf den Weg in die Agentur zu machen. Und so dachte ich über das Thema Selbstgespräche nach. Das Lexikon unterscheidet da zwischen künstlerischem Monolog, innerer Erzählform und der Autokommunikation als psychologisches Phänomen. „Jetzt komm mal in die Gänge“ ist wohl weniger ein künstlerischer Monolog, und auch die innere Erzählform greift hier nicht – es bleibt die Autokommunikation. selbstgesrpraechMeine 91jährige, allein lebende Mutter sagte mir mal, dass ihr Selbstgespräche helfen, sich nicht so alleine zu fühlen. Au weia – werde ich jetzt alt? Oder bin es gar schon? Wenn ich mit mir selbst spreche, bin ich ja Erzähler und Zuhörer in einer Person. Was also muss passieren, wenn ich beginne, Gedanken laut auszusprechen und mit mir zu reden? Eine kurze Online-Recherche zeigt: Geschätzt 96 % der Menschen sprechen mit sich selbst – allerdings meist nur, wenn sie sich unbeobachtet fühlen. Wer in der Öffentlichkeit sich selber etwas mit lauter Stimme erzählt, wird schnell als „verrückt“ bezeichnet. Studien zeigen, dass Selbstgespräche helfen, sich zu strukturieren und auch Entscheidungen eher zu treffen. Spitzensportler zum Beispiel murmeln vor dem Wettkampfbeginn leistungssteigernde und konzentrationsfördernde Sätze. Kinder eines bestimmten Alters reflektieren vor dem Schlafen ihren Tag, in dem sie sich die Erlebnisse laut erzählen. Es gibt sogar Untersuchungen zur Selbstmotivation, in denen die eine Hälfte der Probanden in der Ich-Form mit sich selbst spricht, die anderen in der dritten Person. Das Ergebnis klingt reichlich abgefahren: Wer mit sich in der dritten Person spricht, ist bei gleichem Inhalt entspannter. Wohlan, ich spreche laut: „Rufus ist gerade total entspannt, weil er die Mahlzeit geschrieben hat. In diesem Sinne wünscht er Ihnen:
Guten Appetit!“

Ihr Rufus Barke

18.11.2015

In einer meiner letzten Kolumnen erwähnte ich den Beistrich, die in Österreich geläufige Bezeichnung für das Komma. Der Begriff „Komma“ stammt aus dem Griechischen, er wurde also vor geraumer Zeit bei den Hellenen entlehnt und war in Nullkommanix Bestandteil der deutschen Sprache. Bis ein Mann namens Ritterhold von Blauen im 17. Jahrhundert auf der weltlichen und sprachlichen Bildfläche erschien. Oder Philipp von Zeven, wie der Herr eigentlich richtig hieß. Pseudonyme, also fingierte Namen, waren wohl damals auch schon schwer in Mode. TillWestermayer2

Dem ritterholden Philipp gefielen zahlreiche aus dem Lateinischen und Griechischen entlehnte Wörter des damaligen Deutschen recht wenig und kurzerhand machte er sich daran, neue Ausdrücke zu erfinden. Ihm verdanken wir – neben vielen weiteren – die für uns heute völlig alltäglichen Begriffe „Abstand“ (für „Distanz“), „Mundart“ (für „Dialekt“), „Verfasser“ (für „Autor“) und sogar „Rechtschreibung“ (für „Orthografie“). Sowie auch eingangs bereits erwähnten „Beistrich“ als Ersatz für „Komma“. Manch eine seiner Kreationen hat die Jahrhunderte jedoch nicht überlebt und mutet heute reichlich ulkig an, etwa „Tageleuchter“ (für „Fenster“), „Blitzfeuererregung“ (für „Elektrizität“), „Dörrleiche“ (für „Mumie“) oder „Krautbeschreiber“ (für Botaniker). Ich für meinen Teil hätte mich definitiv für den „Krautbeschreiber“ entschieden, aber als heute Lebender war mein Einfluss zu damaligen Zeiten recht gering.

Was aber nicht heißt, dass im Hier und Jetzt keine Wortneuschöpfungen mehr möglich sind, ganz im Gegenteil: Vor einigen Jahren rief der Verein Deutsche Sprache die „Aktion lebendiges Deutsch“ ins Leben. Es galt, für in der deutschen Sprache angekommene Anglizismen Wort-Neuschöpfungen zu finden. So entstanden beispielsweise das „Prallkissen“ (für den „Airbag“), der „Klapprechner“ (für den „Laptop“), der „Hingeher“ (für das „Event“) oder die „Schnellkost“ (für „Fast Food“). Im Topf für den Fast-Food-Ersatz waren auch die äußerst gelungenen Vorschläge „Issfix“, „Hastmahl“, „Eilmampf“ und „Raschnasch“ – allesamt sprachlich äußerst appetitlich, wie ich finde.

Apropos appetitlich: Als Vorschlag für das allgegenwärtige „All-you-can-eat“ destillierte die „Aktion lebendiges Deutsch“ die Kreation „Essen nach Ermessen“. Was zwar inhaltlich nicht wirklich dasselbe ist, bei amtlichem Kohldampf wohl aber auch eher als nebensächlich betrachtet werden dürfte.

Mahlzeit ohne Eilmampf wünscht
Ihr Marcel Pannes

11.11.2015

Der Schreck war groß! Heute früh in der Bahn stand ein Zebra. Daneben ein Tiger. Was ist hier los, frage ich mich. Dann dämmert es: der 11. November! Karneval in Köln beginnt! Oh weh!
Ja gut, Sie mögen die sogenannte 5. Jahreszeit vielleicht, ich nicht. Noch nie, außer vielleicht mit 15, als ich mein erstes Bier … aber das ist eine andere Geschichte. Für mich bedeuteten diese Tage eine hohe Ausschüttung von Stresshormonen, Gruselfaktor 10 und den Wunsch, mich zu Hause gemütlich einzusperren. Also, wie mich mein werter Kollege Marcel letztens kategorisierte: Ich bin ein Vollverweigerer!
DanieleCivelloVerstehen Sie mich nicht falsch, ich gehe gerne auf Feiern und stehe auch nie sauertöpfisch in der Gegend rum. Ich singe gerne (wenn auch schlecht) und begrüße gute Freunde auch mal mit Küsschen. Und da fängt es schon an: GUTE Freunde. An Karneval ist es jedoch häufig so, dass Menschen, die man Jahre nicht sieht und mit denen man im Höchstfall ein freundliches, aber distanziertes „Hallo“ austauscht, einen so überschwänglich begrüßen, umarmen oder gar unangenehm feucht küssen wollen, als wäre man eigentlich ganz dicke. Das ist so gar nicht meins. Wenn ich jemanden unsympathisch finde, möchte ich nicht mit ihm tanzen, nicht mit ihm feiern und ihn schon gar nicht „bützen“, nur weil diese FeierTage es mir quasi vorgeben wollen.

Ich verkleide mich zwar auch mal gerne, jedoch ist mein Jahreshighlight in dieser Richtung Halloween – mit seinen Vampiren, Geistern und Hexen. Außerdem sind auch Motto-Partys und ein Krimi-Dinner ein lustiger Vorwand, sich in jemand anderen zu verwandeln – und dann feiert und tanzt man auch garantiert mit Menschen, die man wirklich mag.

Sie fragen sich jetzt sicherlich, was mich an Karneval gruselt, wenn ich mich nicht vor Vampiren ängstige? Mal abgesehen von Männern in Häschen Kostümen finde ich Clowns einfach grausig. Schon immer.

Eine fröhliche Mahlzeit wünscht

Ihre Sandra Ott

28.10.2015

Denken Sie auch manchmal, früher wäre alles später gewesen? Die Pubertät, die grauen Haare, der Blätterfall – und die Zeitumstellung? Ich meine, früher war alles später. Erst später dunkel z. B. oder länger hell. Früher, als wir noch keine Zeitumstellung und keine Sommerzeit hatten. Als der Sommer einfach Sommer war und keine eigene Zeit hatte. Sondern nur eine eigene Zeit war. Als es auch später dunkel wurde, nur früher. Denn früher oder später wird es ja immer dunkel. Das war früher allerdings nicht besser. Wie vieles, das früher nicht besser war, sondern nur früher. Denn wenn es früher früher dunkel wurde, war es auch dunkler. Heute können wir, wenn es früher dunkel wird, einfach länger das Licht anlassen und dann selber entscheiden, wie früh oder wie spät wir schlafen gehen. Wer spät schlafen geht, kann sich glücklich schätzen, wenn er oder sie auch später aufstehen kann, denn früher oder später müssen wir ja doch aufstehen.

Andere wiederum hält am Morgen, kaum dass er graut, nichts mehr in den Federn, denn sie sind überzeugt, der frühe Vogel weiß, wo der Hase begraben liegt. Gehören Sie auch zu den Frühzündern oder sind Sie eher spätgeboren? Diese sind wiederum nicht zu verwechseln mit Spätgebärenden, von denen es, anders als von Spätzündern, früher allerdings nicht so viele gab. Überhaupt gab es früher vieles noch nicht, was uns heute das Leben leichter macht oder uns später altern lässt. Eines verstehe ich dabei nicht so ganz: Wenn wir doch immer länger leben, wieso sollen wir dann immer früher erzogen werden. Wir haben doch viel mehr Zeit, etwas zu lernen. Und der früher immer behauptete Satz: „Was Hänschen heute nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr“, ist von der Wissenschaft ja längst widerlegt. So kann ich das Heute ganz entspannt genießen – und mich zugleich auf das Später freuen. Denn das kommt garantiert später – und nicht früher.

Ob früher oder später, eine leckere Mahlzeit wünscht Ihnen

Ihre

Petra Janßen

21.10.2015

„Marty, du musst mit mir zurückkommen!“ – „Wohin?“ – „Zurück in die Zukunft!“
Nimmt man die filmische Realität für bare Münze, spielt sich dieser kurze, aber prägnante Dialog zwischen Marty McFly und „Doc“ Emmett Brown just in diesen Momenten ab und die beiden kommen heute Nachmittag, am 21. Oktober 2015, um exakt 16.29 Uhr im kalifornischen Hill Valley an – einmal quer durch die Zeit aus dem Jahre 1985 in ihrem zur Zeitmaschine umgebauten DeLorean mit Flügeltüren und Flux-Kompensator. So geschehen im zweiten Teil der Trilogie „Zurück in die Zukunft“, die Mitte bis Ende der 1980er-Jahre sowohl die Kinokassen klingeln als auch mein jugendliches Herz höher schlagen ließ. Aus gutem Grund: Im fiktiv-filmischen 2015 gab es (optisch zwar fragwürdige) Jacken, die aber flugs und ohne Zutun ihre Passform änderten und sich sogar in Nullkommanix nach einem Regenschauer selbst trockneten (das fand sogar meine Oma prima). Die Meteorologen machten sekundengenaue Wettervorhersagen (Doc Brown: „Warte Marty, in vier Sekunden hört es auf zu regnen.“) und Martys erfrischend asphaltgraue Sneakers schnürten sich ebenfalls wie von Geisterhand selbst – auf die ich heute übrigens noch immer warte. Ganz zu schweigen von einer wenigstens halbwegs zielgenauen Prognose des morgigen Wetters. zurueckindiezukunft2

Allerdings waren die Macher des Kult-Streifens in manchen Dingen auch erstaunlich hellsichtig: So sieht man im filmischen Jahr 2015 reihenweise Flachbildschirme, kommuniziert wird per Video-Telefonie und Türen werden per Fingerabdruck geöffnet. Okay, Autos können immer noch nicht fliegen, eine Cola kostet keine 50 Dollar und eine Kündigung trudelt auch nicht per Fax ein. Apropos Fax: Im Film sieht man am Straßenrand Briefkästen mit Faxfunktion, Internet und Mobiltelefone kommen hingegen rein gar nicht vor. Stattdessen kommunizieren die Protagonisten herrlich old fashioned mit Hilfe von Walkie Talkies. Dafür saust Marty McFly jedoch mit einem schwebenden Skateboard ohne Räder, dem Hoverboard, durch die kleinstädtische Botanik – damals wie heute eine geniale Szene. Leider gibt es das Hoverboard in der realen Welt immer noch nicht serienmäßig. Die Requisite des Films hingegen kann in einem Museum in Seattle besichtigt werden – und ist damit wohl eines der wenigen Dinge, das, obwohl niemals produziert, bereits Museumsstatus erreicht hat. Chapeau!

Zur Feier des Tages empfehle ich eine grellbunte Baseballmütze und nach außen gekrempelte Hosentaschen (Doc Brown: „Marty, das trägt man 2015 so!“). Und einen Blick auf die aktuellen Ergebnisse der amerikanischen Major League Baseball. Dort stehen nämlich die seit 109 Jahren meisterschaftslosen Chicago Cubs im Halbfinale – im Film werden sie als Meister 2015 gepriesen.

Ein futuristisches „Mahlzeit!“ wünscht
Ihr Marcel Pannes

P.S.: „Zurück in die Zukunft II“ läuft heute Abend um 20.15 Uhr auf RTL II.