13.10.2016

Zugegeben, für diese Mahlzeit fehlte es mir gestern an commitment. Aber, wie Sie unschwer erkennen können, liebe Leserinnen und Leser, habe ich mich heute dermaßen zielorientiert commited, dass ein Text mit ansprechendem wording herausgekommen ist. Kein Wunder, bin ich doch meine eigene Textmanufaktur und habe meinen Text zwar reichlich ergebnisoffen, jedoch außerordentlich dynamisch kuratiert. Kuratiert? Ja, genau. Denn: Ich mag heute über Worthülsiges, Leerphrasiges und Sprachstrapaziertes schreiben. Da kommt mir das schöne Verb „kuratieren“ gerade recht: Es klingt ein wenig edler als die inhaltsgleichen Verben „betreuen“, „organisieren“ oder „verwalten“ und mir war es bisher nur in Zusammenhang mit Ausstellungen geläufig. Doch zuletzt las ich über ein Käseverkostungs-Event, das im Gewölbe Soundso kuratiert wurde. Dabei kräuselte sich nicht nur der mit rechtsdrehenden Kulturen veredelte Roquefort, sondern auch mein hirn-internes Sprachzentrum. Genau dort liegt nämlich eine meiner Kompetenzen. Möglicherweise sitzt sie dort auch und manufaktoriert sich gerade zu einer ansehnlichen Kernkompetenz. Wobei: Irgendwie für irgendwas kompetent ist ja heutzutage jeder. Schon reformgebeutelte Grundschüler müssen an ihren Kompetenzprofilen feilen. Proaktiv und lösungsorientiert, wohlgemerkt.

Cyn Furey flickr cc by ac nc adÜbrigens, und jetzt überrasche ich Sie, steht das nette Adjektiv „lösungsorientiert“ nicht an erster Stelle der beliebtesten Begriffe in Stellenanzeigen. Es hat es noch nicht mal in die Liste der besten Zehn geschafft. Nein, unangefochtener Spitzenreiter ist der Begriff „u.a“, gerne in Kombination mit „Tätigkeitsbereich“: „Ihr Tätigkeitsbereich umfasst u.a. …“ Auch gerne genommen: „flexibel“ „strukturiert“ und „engagiert.“ Was Sie als flexibler, strukturierter und engagierter Bewerber u.a. leisten sollen, erschließt sich jedoch dank vorgestanzter Wortbausteine und Nominalisierungen eher selten. Warum? Rund 120.000 aktuell im Internet untersuchte Stellenanzeigen enthielten mehr als eine Million Wörter, die auf -ung enden, darunter so abstrakte Begriffe wie „Bereitstellung“, „Erbringung“, „Identifizierung“ oder „Finanzsteuerung.“ Spitzenreiter war ein großes Pharmaunternehmen, das einen „Senior Financial Partner Sales" suchte – und zwar mit 86 Wörtern, die auf -ung endeten. Chapeau!

Sollten Sie nun kurz darüber nachdenken, wie der Tätigkeitsbereich eines „Senior Financial Partner Sales“ denn so aussieht, gebe ich Ihnen einen Tipp: Womöglich sitzt die Person amtlich kernkompetent an einem von einer Holzmanufaktur designten Face-to-Face-Möbel und schmiedet Pläne, welche Mehrwerte sie mit ihrer ausgeprägten Hands-on-Mentalität im kompetitiven Umfeld dank erkannter Verschlankungs-Potenziale schaffen könnte. Unter anderem.

Eine strukturierte Mahlzeit wünscht
Ihr Marcel Pannes

28.09.2016

Wenn Sie das hier lesen, bin ich in den USA. Tatsächlich konnte ich mich für die Weltmeisterschaft im Kickboxen qualifizieren und bin nun mit Sack und Pack und mitnominierter Tochter nach Orlando geflogen, um dort meine Fäuste fliegen zu lassen. Während ich dies hier schreibe, spüre ich schon die erste Aufregung, Vorfreude und leichtes Lampenfieber! Vielleicht erinnern Sie sich an eine meiner Mahlzeiten aus dem letzten Jahr, in der ich über meine Kickbox-Anfänge geschrieben habe. Wie kompliziert mir vieles erschien, wie schwer manchmal die Koordinierung war, zwischen dem, was der Trainer ruft, und dem, was ich dann auszuführen versuchte. Nun, das hat sich offensichtlich ganz gut entwickelt, sonst hätte ich mich ja nicht in meinem sportlich „leicht fortgeschrittenen“ Alter für eine WM qualifizieren können.

Sandra WM Orlando 2016

Womit ich nun auch beim Thema wäre: Das Alter! Beziehungsweise die Kategorien, in die die verschiedenen Alters- und Gewichtsklassen eingeteilt sind. Klar, bei Kids (bis 12 Jahre) und Jugend (13-17 Jahre) ist es einfach. Dann kommen die Damen oder Herren, die gelten von 17 Jahren aufwärts. Und dann, ab 35 Jahren, gibt es die Veteranen. Immer, wenn ich mich für einen Wettkampf einschreibe, überlege ich, wann ich aus Vietnam zurückgekehrt bin, denn irgendwie verbinde ich den Ausdruck Veteran immer mit alten US-Soldaten … Nun ja, nicht nur, dass ich jetzt eine Veteranin bin, ich bin mit meinem Gewicht - mit dem ich persönlich wirklich komplett zufrieden bin - mit über 65 kg in der Superschwergewichtsklasse. Bei den Männern ist das natürlich anders, da wird immer in 5 Kilogramm-Schritten aufwärts gezählt (z.B. 80-84,9 kg). Bei uns Damen (und Veteraninnen) ist ab 65 kg Schluss mit Einteilen, da beginnt die offene Gewichtsklasse. Ich sag dann immer feierlich, ich starte in der „Dinosaurier-Elefanten-Kategorie“. Was natürlich letztlich Quatsch ist, denn wir sind ja alle fit, ob 65,5 kg oder 100kg. Trotzdem finde ich diese Einteilung etwas wunderlich, denn so kann eine kleine 65 kg-Person auf eine 1,95 m große und 120 kg schwere Kontrahentin treffen. Irgendwie fies. Wie viele Frauen über 1,75 m Größe können gesund unter 65 kg wiegen? Wer hat das eigentlich so eingeteilt? Das ist ungefähr so wie bei dem schwedischen Klamottenladen mit zwei Buchstaben: In der Umstandsmodenabteilung gibt es Still-BHs in 95 D, aber Schwangerschaftsjeans in Größe 34! Wie passt das zusammen?

Gut, ich will nicht meckern, dafür bin ich viel zu stolz auf das bisher Erreichte. Außerdem darf ich Dino trotz allem auch zusätzlich bei den „jungen“ Damen starten. Natürlich auch im Superduperschwergewicht, denn unter 65 kg hab ich das letzte Mal mit 17 Jahren gewogen. Das liegt sicherlich auch an der einen oder anderen Mahlzeit! :-)

Liebe Grüße aus Florida

Ihre Sandra Ott

14.09.2016

Hören Sie mich? Nein? Nun, das ist kein Wunder, sitze ich doch weit entfernt von Ihnen/Euch, liebe Leserinnen und Leser. Allerdings werde ich auch häufig dann nicht gehört, wenn ich (schon) ganz nah an jemandem dran bin, beim Fahrradfahren z. B. Gerade heute Morgen wieder hatte ich mich anscheinend so lautlos an den Kreisverkehr heranpedeliert, dass eine Joggerin, ohne mich wahrzunehmen, beschloss, die Abkürzung schräg über die Straße zu nehmen und mir dabei fast vors Vorderrad gerannt wäre. Wenn, ja, wenn ich nicht für diesen Fall vorgesorgt und mir schon vor geraumer Zeit eine extralaute Klingel besorgt hätte. Die ich in diesem Fall wirkungsvoll zum Einsatz bringen konnte. Die Joggerin zuckte erschrocken zusammen, sah sich irritiert um und blieb gerade noch rechtzeitig stehen. Glück gehabt. Wir beide. Paul Wilkinson flickr

Auch wenn ich nichts gegen einen kleinen Adrenalinkick von Zeit zu Zeit habe, im Straßenverkehr bin ich nicht scharf auf zusätzlichen Nervenkitzel. Allerdings brachte mich dieser Vorfall, der ja eher die Regel als die Ausnahme ist, dazu, darüber nachzudenken, warum Menschen einfach, ohne nach rechts oder links zu sehen, über Straßen, Radwege, Kreuzungen oder eben Kreisverkehre laufen. Offensichtlich verlassen sich sehr viele auf ihr Gehör und schlussfolgern instinktiv: Ich höre nichts, also ist da nichts. Obwohl, hören tun schon einige etwas, Musik zum Beispiel. Andere hören nichts, weil sie nur etwas sehen. Klingt kompliziert? Ist es aber nicht.

Untersuchungen belegen, dass wir Menschen uns nicht gut auf mehrere Dinge gleichzeitig konzentrieren können. Multitasking bleibt ein schöner Traum. Bei Menschen, die auf Smartphones starren, auch „Smombies“ genannt, kann man da schon eher von Tunnelblick sprechen. Oder von einem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. Aber daran, dass sie dann nichts mehr hören, sind sie laut einer Untersuchung britischer Wissenschaftler nicht schuld. Schuld ist die begrenzte Kapazität unseres Gehirns. Danach werden beim Hören und Sehen vermutlich die gleichen neuronalen Ressourcen genutzt: Benötigt ein Sinn viele Ressourcen, wird die Verarbeitung des anderen vorübergehend unterdrückt. Dass die Verarbeitung von Sinnesreizen bei Überlastung des Gehirns teilweise eingeschränkt wird, ist keine neue Erkenntnis. Ein bekanntes Beispiel für die sogenannte Unaufmerksamkeitsblindheit ist die "Gorilla-in-unserer-Mitte"-Studie von 1999. Die hatte gezeigt, dass Probanden einen Menschen im Gorilla-Kostüm komplett übersehen können, wenn sie sich gerade auf andere Dinge konzentrieren.

Schade, hatte ich doch überlegt, mir ein solches Kostüm zuzulegen, um in Zukunft auf dem Fahrrad nicht mehr übersehen zu werden. Aber für solche Fälle habe ich ja noch meine extralaute Klingel.

Eine Mahlzeit, die Ihre Aufmerksamkeit verdient, wünscht Ihnen

Petra Janßen

31.08.2016

Unlängst bat mich eine Schweizer Bekannte, mit auf den Estrich zu kommen. Verwundert folgte ich ihr auf den Dachboden. „Da, pack mal bitte mit an, wir tragen den Karton nach unten.“ „Und was ist jetzt mit dem Estrich?“ „Ja, wieso, genau da stehen wir doch.“ Nach anfänglicher Verwirrung folgte die Aufklärung: Im Schweizer Hochdeutsch bedeutet Estrich Dachboden. Und auch beim Kochen gab es Irritationen, ist doch die Schweizer Peperoni unsere Paprika, Peperoncini bedeutet hingegen Peperoni und im vorweg gereichten Nüsslisalat suchte ich im Feldsalat vergebens nach Nüssen. Das Plätzli, das es zum Hauptgang gab, war weder süß noch rund, sondern ein fulminantes Schnitzel. Dazu wurden Gschwellti (Pellkartoffeln) und Rande (Rote Bete) gereicht. Und nachdem wir gespiesen hatten, bat meine Bekannte mich um einen Unterbruch, also eine Unterbrechung, um in einem der Pärke frische Luft zu schnappen – von wo wir dann doch im Handkehrum wiederkehrten, weil ein Gewitter aufzog. Auf einem Trottoir stritten zwei Velofahrer – sicherlich wegen des defekten Pneus an einem Velo. Zu Hause rasch in die Finken geschlüpft – es dauerte, bis ich diese als Hausschuhe erkannt hatte – und die Jacken in den Kasten gehängt, aber zum Glück nicht gezwängt, denn der Kasten entpuppte sich als geräumiger Schrank – gesellten wir uns, rechtzeitig zum Nachtisch, einem Glacé, wieder zum Rest der Runde. Die Themen kreisten um das neue Haus, in das sie erst vor wenigen Wochen gezügelt waren, die Nachbarn, ein nettes Konkubinats- also unverheiratetes Paar – und den neuen Abrieb (Putz) an den Wänden. Farbs01 superscheeli2

So hätte ein netter Abend in der Schweiz werden können. Aber ich kenne kaum Schweizer – mich interessieren einfach nur die Unterschiede beider Sprachen. Insofern ist der Ausflug auf den Estrich eine ausgedachte Geschichte. Wohl kenne ich die ausgesuchte Höflichkeit der Schweizer, hier vor allem beim Beginn eines Gesprächs. Was wir vielleicht manchmal als umständlich beschreiben, ist einfach nur höflich und zuvorkommend gemeint. Es braucht ein wenig mehr Zeit, bis man während des Gesprächs zum eigentlichen Anliegen kommt. Und auch am Schluss braucht es zwei, drei Schleifen vor dem eigentlichen Abschied. Da ist der Schweizer dem Niederrheiner sehr ähnlich. Dieser beginnt nach der Verabschiedung überhaupt erst den wesentlichen Teil der Unterhaltung. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ob mit Paprika, Peperoncini oder Plätzli: Genießen Sie Ihre Mahlzeit.

Rufus Barke

10.08.2016

Ja, ich bekenne mich. Zum intensiven und exzessiven Konsum der Olympia-Übertragungen. Ich starre auf den Bildschirm, wenn usbekische Gewichtheber zig Kilogramm in die Höhe wuchten. Wenn der malaysische Judoka seinen Gegner aus dem Iran mit einem Ashi-Uchi-Mata auf die Matte zimmert. Und wenn der ein oder andere Schwimmer trotz seiner schick anzusehenden Durchtrainiertheit mehr oder weniger bleientig durchs Becken pflügt. Ich entspanne, wenn der Bogenschütze seine Sehne spannt und die Spannung beim Degenfechten auf der Plange mit Händen zu greifen ist. Und ich frage mich auch zeitweise, ob so mancher Sportler ob des Drucks und des möglichen Versagens im entscheidenden Moment auch mal Muffensausen hat, weil er mit einer Gardinenpredigt des Trainers rechnen muss.

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Moment mal … Muffensausen? Gardinenpredigt? In der Pause des Wasserspringens dachte ich über den Ursprung dieser Redensarten nach und welche Muffe wohin saust, während vor oder hinter einem transparent-dekorativen Stöffchen eine Rede gehalten wird. Hilfe fand ich bei Sprichwortexperten. Die Muffe, um die es geht, findet sich demnach nicht im gut aufgeräumten Materiallager eines Installateurs, sondern vielmehr in jedem von uns Menschen. Zielgenau formuliert nämlich im Darm. An dessen Ende sich der Schließmuskel befindet, dessen Aufgabe der einer Muffe gleicht. Und der aber nur dann zur Zufriedenheit arbeitet, wenn ihn Angst oder großes Unbehagen nicht erschlaffen lassen. Soweit klar. Die Gardinenpredigt hingegen stammt aus der Zeit, als es üblich war, zum Schutz vor Blicken und Kälte Vorhänge um das Bett herum aufzuhängen. Wenn die Dame des Hauses schon im Bett lag, während ihr Gatte noch nächtliche Ausflüge unternahm, wurde die Gardine zugezogen. Kehrte der Herr in den Augen seiner Frau zu spät zurück, durfte er sich vor der zugezogenen Gardine sicher einiges anhören. Mit oder ohne Muffensausen vorher.

Zurück zu den sportlichen Darbietungen in Rio. Die auch mal reichlich schiefgehen können. So geschehen etwa beim Turnen oder während des Radrennens auf abschüssigen brasilianischen Straßen, als mir aufgrund der teilweise sehr unschön anzusehenden Stürze und Verletzungen ein spontanes „Mein lieber Scholli!“ entfleuchte. Der Ursprung dieses Ausrufs geht nicht etwa auf Mehmet Scholl zurück (Obwohl er während der Fußball-EM im Hinblick auf so manche Äußerung Scholls auch durchaus angebracht gewesen wäre), sondern auf den Franzosen Ferdinand Joly. Dieser pfiff im 18. Jahrhundert auf sämtliche Etikette und Gepflogenheiten des Adels und führte ein reichlich unstetes Vagabundenleben – was beim einfachen Volk recht gut ankam.

Unstet wird übrigens irgendwann auch mein Auf-den-Bildschirm-Starren. Spätestens gegen Mitternacht liege ich im Bett und widme mich der Nachtruhe. Allerdings ohne Gardinen. Und ohne Predigt.

Eine angenehme Mahlzeit wünscht
Ihr Marcel Pannes

20.07.2016

Seit kurzer Zeit arbeite ich ja in zwei völlig verschiedenen Jobs. Meine Stelle neben barke + partner hat mit PR nichts zu tun, sondern ist im therapeutischen Bereich zu Hause. Dort komme ich nun täglich mit Kindern zusammen, die gesundheitliche Probleme haben, körperlich wie auch psychisch. Wenn man Kinder mit Handicaps trifft, ist man meistens eher betroffen und ein wenig befangen, doch was ich in der kurzen Zeit schon von ihnen lernen durfte, macht mich zutiefst dankbar und sehr demütig. Die meisten von ihnen haben eine solche Fröhlichkeit und eine „toughness“ an sich, die hauen mich einfach um. So auch dieser kleine Held, der mich heute zum Schreiben inspiriert:
Es klingelt, unsere Praxistür geht auf und schon kommt unser kleiner Patient mit einem lauten Lachen hinein. Es ist sofort Leben in der Bude, sein Lächeln ist ansteckend und wenn wir Glück haben, singt er auch manchmal für uns. Er redet nicht viel und wenn, dann eher unverständlich, aber er sagt so viel mit seiner ganzen Art und seinen Bewegungen, dem lauten Lachen. Seine Diagnose auf dem Stück Papier vom Arzt treibt mir die Tränen in die Augen, wenn der Junge jedoch hier ist, herrscht nur unbeschwerte Freude und ich kann nur staunen, wie er, und auch die vielen anderen Kinder hier, mit sich im Reinen ist. Unbeschwertheit ist bei den Kids so ganz natürlich vorhanden, ob gesund oder weniger gesund . klara.christina

Wir Erwachsenen sind schneller dabei, zu jammern – was natürlich auch mal völlig legitim ist. Es ist ja nicht immer ein „guter Tag“ wenn man Schmerzen hat oder einfach mal schlecht drauf ist. Bei den Kindern ist das aber seltener der Fall. Was ich aus dem Praxisalltag mitnehme, ist mich selbst nicht immer so bierernst zu nehmen, dankbar zu sein für meine Gesundheit und vor allem auch die Gesundheit meiner Tochter. Dass ein Lachen von Herzen in Sekunden glücklich machen kann und dass Fröhlichkeit und manchmal auch Albernheit auf so positive Weise ansteckend ist und einen ganzen Tag zum Highlight werden lässt. Also: mehr Mut zur Albernheit, mehr Mut zum (An)Lächeln! Auch mal die fremden Sitznachbarn in Bus und Bahn, oder im Auto an der Ampel. Im besten Fall bekommt man ein Lächeln zurück

Eine fröhliche Mahlzeit wünscht Ihnen
Ihre Sandra Ott

 

29.06.2016

Tja, für die „Three Lions“ ist die EM zu Ende, da hat auch der zwölfte Mann den elf Freunden nicht helfen können. Island, die Mannschaft, in deren Heimat es Hunderte von Geysiren, aber nur hundert Fußballprofis gibt und eine Einwohnerzahl wahlweise entsprechend Leicester oder Bielefeld, hat England im Achtelfinale aus dem Turnier katapultiert. Das war schon eine veritable Überraschung, zumal die nordischen Inselkicker die Kicker von den „nochbritischen Inseln“ ja nicht durch ihr Überzahlspiel an den Rand der Verzweiflung bzw. des Sechzehners spielten, sondern durch starken Willen und die Einheit der Mannschaft. Keine der Zahlenspielereien im Vorfeld hatte das Ergebnis vorhergesehen und kaum einer damit gerechnet, dass ausgerechnet für die Isländer Zählbares bei dem Spiel herauskommen würde. Was sich rechnet, kann eben nicht immer berechnet werden. Ob sich die isländische Taktik auch im Viertelfinale gegen die Equipe Tricolore auszahlt, wird sich zeigen. Aber wer zwei und zwei zusammenzählen kann, weiß, dass ein Sieg für Island durchaus möglich ist und keine Milchmädchenrechnung sein muss. Es ist schließlich nicht davon auszugehen, dass die Isländer im sicheren Gefühl des Sieges bereits vorab vor Begeisterung ihr Pulver verschießen, so wie das besagte Milchmädchen seine Milch verschüttete, weil es vor lauter Vorfreude auf das viele Geld vom Verkauf der Milch mit der Kanne in der Hand zu hüpfen begann. Dre13ehn

Aber zurück aufs Spielfeld: zu den glücklichen Isländern, die im Spiel gegen die Dreifarbigen eine nächste Sensation anstreben – und sei es erst im Elfmeterschießen. Zu den nicht so glücklichen Mannschaften zählen hingegen die anderen „Tricolori“ aus Rumänien, die die Vorrunde nicht überstanden, ebenso wenig wie die „Tre Kronor“ aus Schweden. Wer die Krone schließlich holt und ob neben drei Löwen und drei Kronen auch drei Farben zu wenig sein werden, werden wir erst nach dem Viertelfinale wissen. Was wir dagegen wissen ist, dass auch elf zu wenig sein können. Das mussten ja die Niederländer im Vorfeld erfahren, die „Elftal“, die Elf an der Zahl, die ihr Aus in der Qualifikation unter anderem den Isländern zu „verdanken“ haben. Die hingegen verlassen sich nicht auf Zahlenspielereien und nennen ihre Mannschaft einfach „Strákarnir okkar“, unsere Jungs. Und bis jetzt hat sich die Taktik der Isländer auf jeden Fall ausgezahlt.

Eine Mahlzeit, die sich für Sie rechnet,

wünscht

Ihre Petra Janßen

15.06.2016

„Wir treffen uns wieder, wenn die Kirchenglocken das nächste Mal bellen“, sagte Kursleiterin Bettina in meiner letzten Weiterbildung vor einer Pause und war sichtlich irritiert, als alle deutschen Teilnehmer laut lachten. Bettina ist Deutsche, lebt in Berlin und Amsterdam und spricht zuhause ausschließlich englisch. Und das Wort bellen gibt es sowohl im Deutschen (Hunde bellen) als auch im Holländischen (Telefone bellen = klingeln), und die Glocke, the bell im Englischen, ist auch irgendwie damit verwandt. Kein Wunder also, dass dann bei jemandem, der innerhalb von Sekunden zwischen drei Sprachen wechseln kann, auch mal die Kirchenglocken bellen. Wörter, die sich in zwei oder mehr Sprachen ähneln, aber unterschiedliche Bedeutungen haben, nennt man übrigens falsche Freunde. Von ihnen gibt es etliche: So ist das englische Gift mitnichten zu meiden, sondern kann erfreut als Geschenk in Empfang genommen werden. Im deutschen Wort Mitgift steckt das Geschenk in dieser Bedeutung noch drin. Wenn ein Holländer kurz nach einem Rockkonzert sagt, er sei doof, dann bezieht er dies nicht auf seinen Geisteszustand oder sein Verhalten, sondern er sagt schlichtweg, er sei taub. Der deutsche Konzertbesucher hat Kopfschmerzen und bittet den französischen um eine Tablette. Völlig entgeistert wird dieser fragen, wie um Himmels willen er denn mit einem Brett die Schmerzen loswerden wolle. Darauf sagt der Rumäne nur ein Wort: Prost. Und meint damit, der Deutsche sei nun wirklich „doof“.

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 Falsche Freunde sind in ihrem Ursprung verwandt und haben sich unterschiedlich entwickelt oder gleichen sich durch Zufall. Je verwandter die Sprachen sind, wie zum Beispiel Deutsch, Englisch, Holländisch, desto eher findet man sie. Für Simultanübersetzer besonders „tricky“ sind ähnlich erscheinende Wörter mit unterschiedlicher, ja zum Teil gegensätzlicher Bedeutung. Das englische „overhear“ ist so ein Beispiel: Im Deutschen wird es gerne mit überhören übersetzt, bedeutet aber zufällig hören/mitbekommen.

Echte Freunde wie Schnitzel mit Pommes rot-weiß finden Sie heute hoffentlich auf Ihrem Teller.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine ganz und gar richtige Mahlzeit

Rufus Barke

01.06.2016

Wenn Sie regelmäßige(r) LeserIn meiner Kolumnen sind, werden Sie bemerkt haben, dass ich mich gerne mit zwei Themen beschäftige: Sprache und Fußball. Und sogar auch mal mit Fußballsprache. Ehe Sie sich aber nun fragen, was wohl heute zur Sprache kommt, rücke ich mit eben jener heraus und verkünde: Heute geht es um Erika. Jedoch nicht um die Gattung der Heidekräuter, obwohl ich plane, diesen Text recht blümerant zu formulieren, und ebenfalls nicht um den gleichnamigen Ortsteil der Stadt Haren im Emsland oder die ebenso bezeichnete Sorte Süßkirschen. Nein. Sondern um die Erika. Weil: Erika feuert nur untreue Fakire. Und falls sich vor Ihren Augen nun ein einigermaßen imposantes inhaltliches Fragezeichen bildet, setze ich noch einen drauf und stelle Erika Renate zur Seite. Denn: Renate bittet Tibetaner. Aha, mögen Sie nun murmeln, aber da fehlt doch noch was … Korrekt. Ein Mann wäre sicher gut. Nehmen wir den Pepe. Obwohl: Pepe in Tahiti hat nie Pep. Was schade ist, nicht nur für Erika und Renate.Universalmuseum Joanneum flickr kl

Ehe Sie nun aufgeben, löse ich auf: Lesen Sie die drei Sätze über Erika, Renate und den peplosen Pepe einmal rückwärts – und Sie werden inhaltlich keinen Unterschied feststellen. Es handelt sich in allen drei Fällen um Satzpalindrome, also eine Zeichenkette, die von vorn und von hinten gelesen dasselbe ergibt. Geläufige Wort-Beispiele sind etwa „Otto“, „Rentner“, „Reittier“ oder „Rotor“. Etwas anspruchsvoller kommt schon der „Reliefpfeiler“ daher; will man aber ganze Palindrom-Sätze bilden, gerät das Hirn relativ zügig ins Schwimmen (meines jedenfalls). Recht hilfreich ist es, sich an Sätzen zu versuchen, die mit „Ein“ beginnen und auf „nie“ enden. Als Anfänger erfreut man sich dann schon an Bonmots wie „Ein Esel lese nie“ oder „Eine Madame? Nie!“ Im nächsten Level kommen Sie eventuell auf reichlich nett anzusehende und auch zu sprechende Sätze wie „Leo hortet Rohoel“ oder „Pur ist Saft fast Sirup“. Äußerst hilfreich ist es auch, sich der bayrischen Mundart zu bedienen; heraus kommen dann etwa Stilblüten à la „Reit amal a Lamatier“ oder „Sakra, Made im Edamar Kas!“ Find‘ ich gut!

Apropos Finnisch: Ich komme nun zum Ende und möchte Ihnen nicht vorenthalten, dass laut einschlägiger Quellen das längste Wortpalindrom der Alltagssprache aus dem Finnischen kommt: Es lautet „Saippuakivikauppias“ und bezeichnet einen Seifensteinverkäufer – in Finnland möglicherweise eine durchaus gängige Berufsgruppe. Übrigens: Falls Ihnen dieses Thema heute so gar nicht gemundet hat und Ihnen dabei recht mulmig geworden sein sollte, dann leiden Sie eventuell an Eibohphobie – der Angst vor Palindromen.

Eine phobiefreie „Mahlzeit“ wünscht
Ihr Marcel Pannes

18.05.2016

Quadratisch, praktisch, gut? Geschwungen, schön, nutzlos? Die Rede soll hier nicht von kakaobasierten Genusstafeln sein, sondern von Vorgärten. Ich weiß nicht, wie es in Ihrer Umgebung aussieht, aber in unserem Stadtteil, obwohl – oder vielleicht weil – im Grünen gelegen, wird zunehmend gezirkelt, gestapelt, gekiest und geschottert. Schotter ohne Ende, quasi. Wo vorher wuchernde Wiesen waren, wird Stein auf Steinchen gehäuft, wird Split verkippt oder werden Gabionen mit Stahlgittern errichtet. Wo der Blick noch frei schweifen kann, fällt er auf graue, asphaltfarbene oder weiße Kiesel. Zumeist flächig, großflächig verteilt. Wenn der Blick noch schweifen kann, denn vielerorts wird scheinbar auf Kontakt zur Außenwelt und zur Nachbarschaft wenig Wert gelegt. Dezent dunkelgraue Betonmauern in Kopfhöhe, besagte steingefüllte Gabionen oder, auch sehr beliebt, stählerne Doppelstabmattenzäune schirmen Grund und Grundstück gründlich ab. Die Botschaft scheint klar: „Bleib mir vom Leib, komm mir ja nicht zu nah“. Und es funktioniert, beim Anblick dieser kompakten Wohnbollwerke fühle ich mich ausgeschlossen, ignoriert, ja geradezu zurückgestoßen. Und mehr als das, diese Gebäude sprechen zu mir. Ich jedenfalls vermeine, wenn ich diese Schachtelbauten passiere, leise, bedrohlich geflüsterte Botschaften zu vernehmen, aber vielleicht täusche ich mich auch.Grant Guarino kl

Warnschilder, wie sie sonst an Einfamilienhäusern zu finden sind, gibt es hier selbstverständlich nicht. Kein schnödes „Vorsicht bissiger Hund“ oder altmodisch formuliertes "Warnung vor dem Hunde“ ist nötig, um mich auf Abstand zu halten. Fehlanzeige auch bei den lustigen oder vermeintlich lustigen Sprüchen wie „Vorsicht vor dem bisschen Hund“, „Wir machen keine Gefangenen! Viel Glück!“ oder, auch sehr beliebt und besonders abschreckend auf Ältere oder Bewegungseingeschränkte wirkend „Ich schaffe es zum Zaun in 3 Sekunden. Und du?“ Auch kein niedliches Häschen oder Kätzchen will mich davon überzeugen, dass es hier alles unter Kontrolle hat. Für Niedlichkeit oder Dekoration ist schlicht kein Platz. Auch Blumen versuchen vergebens, sich an den glatten Außenwänden hochzuziehen. Keine Chance für Grün. Und so stehen da immer mehr Wohnsolitäre in exquisitem Steingrau, erfrischendem Staubgrau oder erlesenem Aschgrau und führen Selbstgespräche. Da scheint kein Dialog möglich. Und weil es kein Grün gibt, hört man noch nicht mal das Gras wachsen.

Eine kommunikative Mahlzeit wünscht Ihnen

Ihre

Petra Janßen