10.09.2014

Wissen Sie eigentlich, was sie gerade tun? Nein? Macht nichts. Oder machen Sie gerade nichts? Tut auch nichts zur Sache. Vom vielen Tun und Machen wird man ja manchmal ganz wirr im Kopf. So wie jüngst der Trainer eines Fußballbundesligisten, der nach dem nicht wirklich befriedigenden Unentschieden seiner Mannschaft trotzig bekundete „Wir müssen uns nicht in die Hose tun“. Das müssen sie hoffentlich nicht, sich etwas in die Hose tun, genauso wenig wie sich in die Hosen machen. Der Mann ist sprachlich nicht deutscher Herkunft und daher ist es ihm nicht vorzuwerfen, dass er sich mit der richtigen Verwendung von „tun“ und „machen“ schwer tut. Denn ob ich tue, was ich mache, und mache und tue, was ich will, geht deutschsprachig Sozialisierten in der Regel zwar fluffig über die Zunge, aber die Regeln dazu sind nicht ganz leicht nachzuvollziehen. Also machen Sie sich keinen Kopf, wenn Sie den Unterschied nicht erklären können, und tun Sie sich einen Gefallen, indem Sie es locker nehmen. Fehler macht schließlich jeder mal, man sollte nur nicht so tun, als ob es nicht anders gemacht werden könnte. Und wer arbeitet, macht Fehler, tut aber jedenfalls etwas, vielleicht sogar was Gutes.   tiegeltuf/flickr

Jetzt lasse ich es aber gut sein und mache mich wieder an die Arbeit. Damit tue ich Ihnen und mir hoffentlich einen Gefallen. Was ich jetzt machen werde, tut dabei nichts zur Sache. Vielleicht mache ich mir erstmal einen Kaffee und tue mir ordentlich Milch und Zucker rein. Obwohl – aus Zucker mach ich mir eigentlich nichts. Apropos ordentlich machen: So richtig gut hat besagter Erstligist seine Sache auch im nächsten Spiel nicht gemacht. Obwohl sie alles getan haben, um zu gewinnen, tat die größere Klasse des Gegners das Ihre und machte den Unterschied aus. Am Ende verlor das Team und machte dabei keine wirklich gute Figur. Machen und tun gehen übrigens beide auf indogermanische Wurzeln zurück. „Machen“ bedeutete ursprünglich kneten. Vielleicht hilft das den Fußballern bei der Vorbereitung auf das nächste Spiel, damit sie in der Partie das Richtige tun und ihre Gegenspieler, im Ursprungssinn unter Druck „setzen“, sie „stellen“ und notfalls auch „legen“ können und man Ihnen dann zurufen kann „Gut gemacht!“

So, das mal gesagt zu haben, hat gut getan.

Sportliche Mahlzeit wünscht

Petra Janßen

03.09.2014 

Im Zentrum von Paris einen Kaffee zu erschwinglichen Preisen zu bekommen, gleicht oftmals einem Lotteriegewinn. Dachte auch ich bei meinem letzten Besuch in der Stadt und wandte mich entgegen meinen Gewohnheiten einer amerikanischen Kaffeekette mit grün-weißem Logo zu, die als touristenfreundlich gilt. Dazu muss man wissen: Ehe man sein Heiß- (oder Kalt)getränk bekommt, absolviert man folgende Prozedur: Bestellung aufgeben, Namen nennen, Name wird auf Behältnis geschrieben, Behältnis wird befüllt, Behältnis an der Bar in Empfang nehmen. Einem vor mir in der Warteschlange stehenden älteren Herrn mit rheinischem Idiom schien dies nicht bewusst zu sein, da sich folgende Szene abspielte:  No Name 1

Verkäufer: „S’il vous plaît, Monsieur!“ Älterer Herr:Isch krisch‘ enne Maffin Schockelaat unn enne Kapputschino.“ Der offensichtlich völlig unbeeindruckte Kaffeeketten-Bedienstete wusste seine eventuelle Unwissenheit ob des rheinisch Bestellten dahingehend professionell zu kaschieren, als dass er flugs ins Englische wechselte (in Paris ein durchaus bemerkenswerter Vorgang) und den Herrn charmant fragte: „Oui Monsieur, what’s your name, Monsieur?“ En minute wurde jedoch aus dem eben noch erwartungsfroh dreinblickenden Senior ein ungeduldig auf seine Wünsche pochender und den Wunsch seines Kaffee veräußernden Gegenübers negierender Keine-Zeit-Haber: „Nä, nix näim, no näim! Nur enne Maffin unn enne Kapputschino!“  „Mon Dieu“, mag sich der Verkäufer gedacht haben, dem die Situation offenkundig wenig geheuer war, während er jedoch weiterhin äußerst professionell und den Arbeitsanweisungen der Kaffeekette gerecht werdend in Schönschrift „No Name“ auf den Becher kritzelte, den der Kollege rechts dann auch zeitnah mit Kapputschino befüllte. Als der Senior aus dem Rheinland daraufhin auf seinen namenlosen Becher wartete, überkam mich der Gedanke, dass ein Branding für ein Produkt manchmal durchaus simpel sein kann: Einfach „no name“ draufschreiben und gut ist. Hat nur
meines Wissens noch niemand gemacht.

Ich habe übrigens den obligatorischen „Coffee of the day“ bestellt, verbunden mit der Auskunft „je m’apelle Marcel“. Das war dem Herrn hinter der Bar dann auch wieder geheuer.

Multilingual Mahlzeit! wünscht

Ihr Marcel Pannes


27.08.2014

Rufus Oki
Bildung und Urlaub gehören nicht zwangsläufig zusammen, manchmal aber doch und dann kann daraus ein Bildungsurlaub mit intensiver Langzeitwirkung werden. Meine frühsommerliche Arbeit mit Pferden in der Toskana zum Beispiel lässt mich noch heute ruhiger und gelassener im Umgang mit gestressten Kunden sein als früher. Denn die Welt aus der Sicht der Pferde zu sehen und mit ihnen ohne Worte und Zaumzeug, nur mit Halfter und „carrot stick“ zu arbeiten, bringt den Menschen schnell an seine Grenzen. Ungeduld, Unaufmerksamkeit oder gar Härte im Umgang quittieren „frei“ lebende Pferde mehr als deutlich: Sie sind dann mal weg! Und das ist eigentlich mit Kunden auch nicht anders, diese wünschen sich– wie wir alle – die uneingeschränkte Aufmerksamkeit ihres Gegenübers. Sonst steigen sie aus dem Gespräch aus und sind dann auch „mal weg“ – inhaltlich, gedanklich, wie auch immer. Insofern gilt mein Dank meinem Lehrmeister Oki, mit dem ich viel Spaß hatte. Und der es sehr genossen hat, von mir zweimal am Tag mit einem vollen Eimer Trockenfutter verwöhnt worden zu sein. Mahlzeit!

Wünscht Ihr Rufus Barke


20.08.2014

Kennen Sie das auch, dass es Geräusche gibt, die man mag, einfach hinnimmt oder kaum noch wahrnimmt? Und andere Geräusche machen uns nervös, ärgerlich, oder gar ungeduldig? Sind Sie eher jemand, der sogenannte Hintergrundgeräusche gar nicht wahrnimmt oder jemand, der die Flöhe husten hört? Ich bin letzteres, mein Kollege Marcel übrigens auch. Wenn in unserem Büro mal die Heizung rumpelt, die Thermoskanne mit Tee leise zischelt oder die Zulieferer mit ihrem Rückwärts-Warnton in den Hof einfahren, stehen uns sprichwörtlich die Nackenhaare zu Berge.   em dot flickr cc by
Bei mir ist es so, dass keine Armbanduhr im Schlafzimmer liegen kann, da das Ticken mich wachhält, und Handy-Klingel- und SMS-Töne in der Bahn mich wirklich ärgern – es gibt doch den Vibrationsalarm, reicht das nicht? Ganz zu schweigen von lautstark telefonierenden Personen. Nein, ich möchte nicht wissen, mit wem sich Emily gestern gestritten hat oder ob die Bäckereifachverkäuferin die falschen Brötchen eingepackt oder Tante Erna wieder Verstopfung hat.
Ich habe das Gefühl, dass unsere Welt ein gutes – bzw. schlechtes – Stück lauter geworden ist, seit dem das Handy-Zeitalter über uns hineinbrach. Und das sage ich als bekennender Hard Rock-Fan. Aber wenn ich zu Hause die Musik laut stelle, dann entscheide ich mich ja auch ganz bewusst dafür.

Wie sehr genieße ich es daher, auf dem Land zu leben, am Wochenende das Handy lautlos zu stellen und mal nur den Vögeln und Hummeln zu lauschen. Bis einer der Nachbarn den Benzin-Rasenmäher oder die elektrische Heckenschere anschmeißt und ich mich dann, ganz bewusst, dafür entscheide, mal wieder eine alte Metallica-CD aufzulegen. „Fight fire with fire“ ;)

Lautstark Mahlzeit! wünscht

Ihre Sandra Ott