08.10.2014

Ich fahre ja täglich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit. Was mir gefällt, denn so bleibt mir auch einfach mal Zeit zum Lesen oder Löcher in die Luft Gucken, wozu ich ja sonst so gut wie nie komme. Wenn jedoch, wie letztens, eine größere Reisegruppe lustiger Senioren in „meinem“ Bus sitzt, ist an Lesen oder Träumen nicht zu denken. Sie erzählen laut Witze, die sie so vor ihren Enkeln wahrscheinlich nicht erzählen würden. Und sie verwickeln schon einmal die Busfahrerin in ein Gespräch, so geschickt, dass aus der einfachen Fahrt im „stinknormalen“ Linienbus eine Stadtrundfahrt mit Reiseführer wird. Dennis Tsang flickrDie älteren Damen jauchzen erschrocken auf, als besagte Fahrerin herzhaft in die Bremsen steigt und knapp hinter einem Auto zum Stehen kommt, und kichern dann wie Schulmädchen über ihre Schreckhaftigkeit. Die übrigen Fahrgäste konnten sich ein Schmunzeln über die in Köln fremden Besucher nun auch nicht mehr verkneifen. Die Krönung der Fahrt war jedoch an der Endhaltestelle, als unsere nette Chauffeurin ein herzliches „Ich wünsche Ihnen noch eine schöne Weiterreise“ an die Gruppe schmetterte und der „Heinz Erhardt“ der lustigen Truppe ein „Und ich wünsche Ihnen schon mal frohe Weihnachten“ erwiderte. Da musste wahrlich jeder im Bus laut lachen.

Fahren Sie doch auch mal wieder mit dem ÖPNV.

Mahlzeit! wünscht Ihnen

Sandra Ott

 

01.10.2014

Neulich im Streichelzoo forderte eine Mutter ihren Nachwuchs mit folgenden Worten zu einer Aktivität auf: „Chantal, tu dat Mäh ma ei.“ Obwohl sich über die Syntax trefflich streiten ließe, kam die Botschaft an: Der putzige Nachwuchs lief schnurstracks zu einem Lämmchen und griff beherzt ins weiche Fell. Verwunderlich ist dies nicht, sind doch lautmalerische Klangfiguren wie Mäh in der Kindersprache, die sich an Nachahmung orientiert oder Geräusche lautgetreu wiedergibt, weit verbreitet.

Die große Zahl unterschiedlicher Tierlaute ist wahrscheinlich das beste Beispiel für die Besonderheit der Lautmalerei: In der Linguistik als Onomatopoesie („Worterschaffung“) bezeichnet, versteht man unter Lautmalerei die Imitation eimarceljanus/flickrnes Naturlautes oder anderen akustischen Phänomens mithilfe der Sprache. Das können ganz einfache Ausrufe wie huhu! und he! oder Verben wie knattern oder rauschen sein, die auch als Substantive auftreten können. Erstaunlich ist, dass etwa Franzosen dabei auf andere Laute zurückgreifen als Deutsche. Während nämlich Nachbars Köter in Deutschland mit wau, wuff oder knurr sein Gebiet verteidigt, hören die Franzosen ein ouaf ouaf, arff oder grrr. Bei der Katze sind sich beide Nationen einig: Vom Laut miau bzw. miaou leiten sich die entsprechenden Verben miauen und miauler ab.

Nicht nur in der Comicsprache gehören Lautmalereien unbedingt dazu (Peng! Knall! Schepper!), auch in vielen Sozio- und Regiolekten – also in Sprachen bestimmter Schichten oder Regionen – sind Klangfiguren weit verbreitet: Rhabarberrhabarber etwa steht lautmalerisch für unverständliches Genuschel, während nomnomnom die aus der Internetkultur in die Alltagssprache übernommene lautmalerische Umsetzung des Kaugeräuschs darstellt. Apropos Essen: Eingangs erwähnte Chantal wird vielleicht irgendwann mal einen Ützel-Brützel aufsuchen, um ihr Lämmchen zu finden. So nennt der Sprecher des in Großstädten verbreiteten Multikulti-Slangs nämlich eine Imbissbude. Würg!

Multikulturell Mahlzeit! wünscht

Ihr Marcel Pannes

24.09.2014

Ich habe eine Bitte: Denken Sie bitte nicht an Ihre Mittagspause, wenn Sie diese Wörter lesen. Pause. Woran haben Sie gedacht? Ich möchte wetten, die meisten von Ihnen haben an Ihre Mittagspause gedacht. Für Kinder ist es noch viel schwieriger, Aufforderungen zu befolgen, die mit nicht beginnen: „Nicht mit den Fingern ins Essen“ oder „Nicht mit dem iPad von Papa spielen.“ Kinder – und auch Erwachsene – hören Nicolas Raymond/flickrdieses Nicht nicht, sondern sie hören den aktiven Teil der Aufforderung: „Mit den Fingern ins Essen“, „mit dem iPad von Papa spielen.“

Und kennen nicht auch Sie dieses geradezu kindliche Vergnügen, gerade dann auf eine Rasenfläche zu gehen, wenn dort ein Riesenschild prangt: „Rasen nicht betreten!“? Bei doppelten Verneinungen wird es da noch schwieriger, die Botschaft klar herauszuhören. So las ich unlängst auf einem Schild im Badezimmer eines Hotels: „Vergessen Sie nicht, die Bademäntel nicht mit nach Hause zu nehmen.“ Einem ersten Impuls folgend hatte ich das Ding schon fast eingepackt. Will sagen: Mit klaren Appellen kommen wir meist schneller ans Ziel. Kinder essen leichter mit dem Löffel, wenn sie hören „Iss mit dem Löffel“, und das iPad bleibt in Papas Obhut nach dem Satz „Papa spielt mit dem iPad, spiel Du mit dem iPhone von Mama“. So bemühe ich mich, auch im beruflichen Alltag äußerst vorsichtig mit dem Wort „nicht“ bei Bitten und Aufforderungen umzugehen, um nicht missverstanden zu werden. Nein, halt, anders herum: So bemühe ich mich, sparsam mit dem Wort nicht umzugehen, damit ich klar verstanden werde. In diesem Sinne: Essen Sie nicht zu wenig, sonst werden Sie nicht satt. Oder anders gesagt. Lassen Sie es sich schmecken!

Mahlzeit wünscht

Ihr Rufus Barke

17.09.2014

Also an materiellen Dingen hängt mein Herz ja nicht so. Natürlich ist es fein, einige „Luxus“-Dinge im Leben zu haben, aber mein Handy z.B. ist 08/15, mein TV ist uralt und noch mit dicker Röhre und seit Neuestem mischt er sich die Farben selber (ich dachte während der Weltmeisterschaft tatsächlich, Brasilien spielt in rosa Trikots!). Mein Auto habe ich letztes Jahr verkauft, obwohl ich mitten auf dem Land wohne. Alles nicht so wichtig. Aber eine Leidenschaft, eine innige, warme, fast liebevolle Beziehung zu einem „Ding“ habe ich: Bücher! Ich liebe Bücher. Die Geschichten, die sie erzählen, natürlich, aber auch wie sie sich anfühlen, wie sie riechen, das Gewicht in der Hand, den gestalteten Einband, das Rascheln der Seiten. Zwischen den Seiten findet man Wochen oder Jahre später alte Kinokarten, Einkaufszettel, einen Zeitungsschnipsel oder eine Postkarte.  Jenny Kaczorowski/flickr

Meinen letzten Umzug habe ich mit dreißig Kartons Bücher und nur fünfzehn Kisten
Wohn- und Küchengegenstände bewältigt. Wenn ich heute aussortieren müsste, nur zehn Stück, ich könnte mich kaum entscheiden und würde wohl die Bücher wählen, die ich mir vor langer Zeit einmal geliehen und nie zurückgegeben habe, weil – ganz im Ernst: Bei mir haben sie es doch gut! Ich liebe Flohmärkte, Büchereien und lasse jedes Schuhgeschäft für ein Antiquariat links liegen. Meine Taschen sind groß, damit mindestens ein Buch hinein passt, denn manchmal, ich gestehe, lese ich simultan, zwei oder mehrere Bücher. Ein E-Book Reader wäre was für mich, meinen Sie? Nein danke, mag ich nicht. Auch wenn es praktisch ist und ich fünfzig Bücher simultan lesen könnte: Selbst im letzten Wanderurlaub in Schottland steckten drei Bücher in meinem Rucksack. Zwischen den Seiten von Walt Whitmans „Grashalme“ liegen nun tatsächlich welche aus den Highlands, aus dem kurzweiligen Krimi von Nicci French rieseln mir immer noch Sandkörner der Orkney Inseln ins Regal und in Adam Davies „Froschkönig“ liegt die Rechnung des tollen indischen Restaurants in Inverness. Wie sollte ich all diese Erinnerungen denn in so ein Computerdingens bekommen?

Mein Zugeständnis an die Technik: Hörbücher. Denn beim Kochen, Aufräumen oder in der Badewanne finde selbst ich ein Buch etwas unpraktisch. Da lasse ich mir dann auch mal gerne etwas vorlesen!

Und Sie? Welches kleine „Laster“ haben Sie?

Mahlzeit! wünscht

ihre Sandra Ott

 

 

10.09.2014

Wissen Sie eigentlich, was sie gerade tun? Nein? Macht nichts. Oder machen Sie gerade nichts? Tut auch nichts zur Sache. Vom vielen Tun und Machen wird man ja manchmal ganz wirr im Kopf. So wie jüngst der Trainer eines Fußballbundesligisten, der nach dem nicht wirklich befriedigenden Unentschieden seiner Mannschaft trotzig bekundete „Wir müssen uns nicht in die Hose tun“. Das müssen sie hoffentlich nicht, sich etwas in die Hose tun, genauso wenig wie sich in die Hosen machen. Der Mann ist sprachlich nicht deutscher Herkunft und daher ist es ihm nicht vorzuwerfen, dass er sich mit der richtigen Verwendung von „tun“ und „machen“ schwer tut. Denn ob ich tue, was ich mache, und mache und tue, was ich will, geht deutschsprachig Sozialisierten in der Regel zwar fluffig über die Zunge, aber die Regeln dazu sind nicht ganz leicht nachzuvollziehen. Also machen Sie sich keinen Kopf, wenn Sie den Unterschied nicht erklären können, und tun Sie sich einen Gefallen, indem Sie es locker nehmen. Fehler macht schließlich jeder mal, man sollte nur nicht so tun, als ob es nicht anders gemacht werden könnte. Und wer arbeitet, macht Fehler, tut aber jedenfalls etwas, vielleicht sogar was Gutes.   tiegeltuf/flickr

Jetzt lasse ich es aber gut sein und mache mich wieder an die Arbeit. Damit tue ich Ihnen und mir hoffentlich einen Gefallen. Was ich jetzt machen werde, tut dabei nichts zur Sache. Vielleicht mache ich mir erstmal einen Kaffee und tue mir ordentlich Milch und Zucker rein. Obwohl – aus Zucker mach ich mir eigentlich nichts. Apropos ordentlich machen: So richtig gut hat besagter Erstligist seine Sache auch im nächsten Spiel nicht gemacht. Obwohl sie alles getan haben, um zu gewinnen, tat die größere Klasse des Gegners das Ihre und machte den Unterschied aus. Am Ende verlor das Team und machte dabei keine wirklich gute Figur. Machen und tun gehen übrigens beide auf indogermanische Wurzeln zurück. „Machen“ bedeutete ursprünglich kneten. Vielleicht hilft das den Fußballern bei der Vorbereitung auf das nächste Spiel, damit sie in der Partie das Richtige tun und ihre Gegenspieler, im Ursprungssinn unter Druck „setzen“, sie „stellen“ und notfalls auch „legen“ können und man Ihnen dann zurufen kann „Gut gemacht!“

So, das mal gesagt zu haben, hat gut getan.

Sportliche Mahlzeit wünscht

Petra Janßen

03.09.2014 

Im Zentrum von Paris einen Kaffee zu erschwinglichen Preisen zu bekommen, gleicht oftmals einem Lotteriegewinn. Dachte auch ich bei meinem letzten Besuch in der Stadt und wandte mich entgegen meinen Gewohnheiten einer amerikanischen Kaffeekette mit grün-weißem Logo zu, die als touristenfreundlich gilt. Dazu muss man wissen: Ehe man sein Heiß- (oder Kalt)getränk bekommt, absolviert man folgende Prozedur: Bestellung aufgeben, Namen nennen, Name wird auf Behältnis geschrieben, Behältnis wird befüllt, Behältnis an der Bar in Empfang nehmen. Einem vor mir in der Warteschlange stehenden älteren Herrn mit rheinischem Idiom schien dies nicht bewusst zu sein, da sich folgende Szene abspielte:  No Name 1

Verkäufer: „S’il vous plaît, Monsieur!“ Älterer Herr:Isch krisch‘ enne Maffin Schockelaat unn enne Kapputschino.“ Der offensichtlich völlig unbeeindruckte Kaffeeketten-Bedienstete wusste seine eventuelle Unwissenheit ob des rheinisch Bestellten dahingehend professionell zu kaschieren, als dass er flugs ins Englische wechselte (in Paris ein durchaus bemerkenswerter Vorgang) und den Herrn charmant fragte: „Oui Monsieur, what’s your name, Monsieur?“ En minute wurde jedoch aus dem eben noch erwartungsfroh dreinblickenden Senior ein ungeduldig auf seine Wünsche pochender und den Wunsch seines Kaffee veräußernden Gegenübers negierender Keine-Zeit-Haber: „Nä, nix näim, no näim! Nur enne Maffin unn enne Kapputschino!“  „Mon Dieu“, mag sich der Verkäufer gedacht haben, dem die Situation offenkundig wenig geheuer war, während er jedoch weiterhin äußerst professionell und den Arbeitsanweisungen der Kaffeekette gerecht werdend in Schönschrift „No Name“ auf den Becher kritzelte, den der Kollege rechts dann auch zeitnah mit Kapputschino befüllte. Als der Senior aus dem Rheinland daraufhin auf seinen namenlosen Becher wartete, überkam mich der Gedanke, dass ein Branding für ein Produkt manchmal durchaus simpel sein kann: Einfach „no name“ draufschreiben und gut ist. Hat nur
meines Wissens noch niemand gemacht.

Ich habe übrigens den obligatorischen „Coffee of the day“ bestellt, verbunden mit der Auskunft „je m’apelle Marcel“. Das war dem Herrn hinter der Bar dann auch wieder geheuer.

Multilingual Mahlzeit! wünscht

Ihr Marcel Pannes


27.08.2014

Rufus Oki
Bildung und Urlaub gehören nicht zwangsläufig zusammen, manchmal aber doch und dann kann daraus ein Bildungsurlaub mit intensiver Langzeitwirkung werden. Meine frühsommerliche Arbeit mit Pferden in der Toskana zum Beispiel lässt mich noch heute ruhiger und gelassener im Umgang mit gestressten Kunden sein als früher. Denn die Welt aus der Sicht der Pferde zu sehen und mit ihnen ohne Worte und Zaumzeug, nur mit Halfter und „carrot stick“ zu arbeiten, bringt den Menschen schnell an seine Grenzen. Ungeduld, Unaufmerksamkeit oder gar Härte im Umgang quittieren „frei“ lebende Pferde mehr als deutlich: Sie sind dann mal weg! Und das ist eigentlich mit Kunden auch nicht anders, diese wünschen sich– wie wir alle – die uneingeschränkte Aufmerksamkeit ihres Gegenübers. Sonst steigen sie aus dem Gespräch aus und sind dann auch „mal weg“ – inhaltlich, gedanklich, wie auch immer. Insofern gilt mein Dank meinem Lehrmeister Oki, mit dem ich viel Spaß hatte. Und der es sehr genossen hat, von mir zweimal am Tag mit einem vollen Eimer Trockenfutter verwöhnt worden zu sein. Mahlzeit!

Wünscht Ihr Rufus Barke


20.08.2014

Kennen Sie das auch, dass es Geräusche gibt, die man mag, einfach hinnimmt oder kaum noch wahrnimmt? Und andere Geräusche machen uns nervös, ärgerlich, oder gar ungeduldig? Sind Sie eher jemand, der sogenannte Hintergrundgeräusche gar nicht wahrnimmt oder jemand, der die Flöhe husten hört? Ich bin letzteres, mein Kollege Marcel übrigens auch. Wenn in unserem Büro mal die Heizung rumpelt, die Thermoskanne mit Tee leise zischelt oder die Zulieferer mit ihrem Rückwärts-Warnton in den Hof einfahren, stehen uns sprichwörtlich die Nackenhaare zu Berge.   em dot flickr cc by
Bei mir ist es so, dass keine Armbanduhr im Schlafzimmer liegen kann, da das Ticken mich wachhält, und Handy-Klingel- und SMS-Töne in der Bahn mich wirklich ärgern – es gibt doch den Vibrationsalarm, reicht das nicht? Ganz zu schweigen von lautstark telefonierenden Personen. Nein, ich möchte nicht wissen, mit wem sich Emily gestern gestritten hat oder ob die Bäckereifachverkäuferin die falschen Brötchen eingepackt oder Tante Erna wieder Verstopfung hat.
Ich habe das Gefühl, dass unsere Welt ein gutes – bzw. schlechtes – Stück lauter geworden ist, seit dem das Handy-Zeitalter über uns hineinbrach. Und das sage ich als bekennender Hard Rock-Fan. Aber wenn ich zu Hause die Musik laut stelle, dann entscheide ich mich ja auch ganz bewusst dafür.

Wie sehr genieße ich es daher, auf dem Land zu leben, am Wochenende das Handy lautlos zu stellen und mal nur den Vögeln und Hummeln zu lauschen. Bis einer der Nachbarn den Benzin-Rasenmäher oder die elektrische Heckenschere anschmeißt und ich mich dann, ganz bewusst, dafür entscheide, mal wieder eine alte Metallica-CD aufzulegen. „Fight fire with fire“ ;)

Lautstark Mahlzeit! wünscht

Ihre Sandra Ott