19.11.2014

Neulich beim Mittagstisch diskutierten wir über für uns ungewöhnliche Vornamen. Wie kommt man eigentlich zu seinem Vornamen? Kennen Sie Geschichten Ihrer Eltern, wie diese sich für Ihren Namen entschieden haben? Sicher ist, dass mein Vorname Rufus in meiner Kindheit noch so ungewöhnlich war inmitten all der Michaels, Klaus‘, Rudolfs und Martins, dass meine Eltern mich vorsichtshalber auch noch Ralf tauften. Heute sind Kimba-Lou, Pete-Morris oder Justin-Anton völlig normal. ThomasKohler/flickr In unserer Multikulti-Gesellschaft mischen sich die unterschiedlichsten Vornamen selbstverständlich. Interessanterweise sind die deutschen häufigsten Vornamen seit Jahren relativ gleich. Je nachdem, welche (inoffizielle) Statistik man befragt, werden Jungen mit Erstnamen gerne Ben, Paul oder Luca/Luka genannt, Mädchen Mia, Emma oder Hannah. Bei manchen Vornamen frage ich mich allerdings, ob die Eltern wissen, was sie ihren Kindern mit auf den Weg geben. Z. B. ob der Weg von Penny-Lane oder der Geschwister Jennifer Jackie, Johnnie Walker und Jack Daniel aus Leverkusen vorgezeichnet ist? Und ob Uroma Lissy wohl nur nicht wusste, wie man Fhil-Henry richtig schreibt? Wenn Piet-Alexander Maximilian-Fabian und Stella-Summer Shilo-Novel oder Valeria Venora Lova Ida Elly, Vyvyan Valeska Silke Gwendolyn Anneliese und Vanadis Viveka Sophia Traudl Ulrike zum Essen gerufen werden, dürfte dieses bereits kalt sein, bis die Namen ausgesprochen sind. Pfefferminze ist übrigens laut Urteilsspruch aus dem Jahr 1995 als weiterer Vorname für ein Mädchen nicht eintragungsfähig. Wie es mit anderen Kräutern aussieht, weiß ich leider nicht.

Da sagen wir doch wieder: Mahlzeit!

Ob mit oder ohne Petersilie

Ihr Rufus Barke

 

12.11.2014

Letztens, morgens um 8.20 Uhr, als ich unser Büro startklar für den Tag machte, klingelte das Telefon. So früh, dachte ich, naja, das muss etwas Wichtiges sein. „barke+partner, Ott, guten Morgen“ flötete ich freundlich in den Hörer (wer mich schon einmal an der Strippe hatte, weiß: Ich bin wirklich nett am Telefon!). Angela Mabray/flickr „Guten Morgen, Bell mein Name, wie der Hund, wenn er den Briefträger sieht.“ Super! Ein Mann mit Humor, da haben Sie bei mir gleich gewonnen. Das Eis war sofort gebrochen und wir sprachen ausführlich über sein Anliegen. Wie er denn auf uns gekommen sei, wollte ich am Ende unseres Gespräches noch von Herrn Bell wissen. „Ach“, sagte er, „ich habe Sie auf einer Website mit PR-Agenturen gefunden. Sie waren dort an zweiter Position. Die ersten nehme ich nie, die haben sich meistens ihren Platz erkauft.“ Ein schneller Klick auf besagte Website zeigte mir, er hatte Recht. An zweiter Stelle stand barke+partner. Zum Glück für uns hatte Herr Bell aber nicht bemerkt, dass es sich dort um eine alphabetische Reihenfolge handelte.

Mahlzeit! von A wie Apfelkuchen bis Z wie Zwiebelsuppe wünscht Ihnen

Ihre Sandra Ott

05.11.2014

„Was kann man schlagen?“ „Kinder!“. Solcherlei ungewollt komische und entlarvende Antworten auf einfache Fragen gab es in der legendären Kultsendung Familienduell. Täglich (!) wetteiferten von 1992 bis 2003 Familien gegeneinander, nach immer gleichem Schema: „Wir haben hundert Leute befragt“ und dann: „Nennen Sie eine deutsche Stadt, die mit "C" beginnt.“ Antwort: „Zwickau“. Frage: „Nennen Sie ein Tier mit Geweih“. Antwort: „Elefant“.

Absoluter Kult war auch Alfons. Mit wunderbarem Akzent startete der französische Kabarettist Emmanuel Peterfalvi alias Moderator Alfons von Puschel TV 2009 seine Straßenumfragen: Die spontanen Antworten der Befragten sind Lehrstücke sondergleichen über die Befindlichkeit der Deutschen, über Aufmerksamkeit, über Sprache, über Beziehungen. rockzoom de/flickr Bei manchen Fragen (und den Antworten) bleibt einem das Lachen im Halse stecken: „Wer ist fauler, ein Ausländer oder ein Arbeitsloser?“
… „ Das ist jetzt schwierig, ich würde sagen … ein Ausländer.“ Und andere sind einfach nur komisch: „Deutschland genießt wegen der Sprache einen besonderen Ruf. Bitte vervollständigen Sie diesen Satz: Deutschland ist das Land der Dichter und …“ Antwort: „Klempner!“

Um es mit Nina Hagen zu sagen: Ich glotz TV und sehe, aktuelle Kultsendungen beschäftigen sich anders mit Sprache als die genannten. Dieter Bohlen haut mit Vergnügen seit zwölf Jahren seine Kandidaten bei DSDS in die Pfanne: „Da ist die Frage: Wo hört der Gesang auf und wo fängt die Straftat an?“ … und die Quote sinkt und sinkt. Die wertschätzende Antwort auf Dieter Bohlen ist The Voice of Germany. Da haben sich alle lieb und der finnische Juror Samu bekommt ständig Hühnerhaut vor lauter Gefühl.

Komm, hier, einer geht noch, zwanzig Jahre früher: „Was bekommt man nach einem Essen im griechischen Restaurant umsonst?“ Antwort: „Durchfall!“

Ein gutes Essen in egal welch kultiger Lokalität und mit oder ohne … Ouzo am Schluss und Mahlzeit! wünscht Ihnen

Ihr Rufus Barke

 

 

29.10.2014

H b n S   s b m rkt? B ns r m l tzt n nschr b n f hlt tw s. Statt auf Schnitzeljagd hatten wir Sie auf Schitzeljagd geschickt. Oder ist es Ihnen auch nicht aufgefallen, so wenig wie uns? Ohne uns von der Sorgfaltspflicht des gründlichen Lesens entbinden zu wollen, gibt es doch gute Gründe dafür, dass uns dieser fehlende Buchstabe nicht ins Auge stach. Unsere offensichtlich gut funktionierenden Gehirne haben uns hier ausgetrickst, denn wir wussten, was dort stehen sollte und wie das Wort richtig geschrieben wird – und flugs hat unser Gehirn den fehlenden Buchstaben kompensiert und uns das vollständige Wort sehen lassen. Es ist immer wieder erstaunlich, was unsere „kleinen grauen Zellen“ für Höchstleistungen erbringen, um uns Orientierung und Struktur zu geben. Vor einiger Zeit kursierte im Netz eine Textpassage mit verdrehten Buchstaben, als Beweis dafür, dass unser Gehirn aus Chaos Ordnung schaffen kann. Hier ist der Text: 

Gmäeß eneir Sutide der Cabrmidge Uvinisterät ist es nchit witihcg, in wlecehr Rneflogheie die Bstachuebn in eneim Wrot snid, das ezniige was wcthiig ist, dass der estre und der leztte Bstabchue an der ritihcegn Pstoiion snid. Der Rset knan ein ttoaelr Bsinöldn sien, tedztorm knan man ihn onhe Pemoblre lseen. Das ist so, wiel wir nciht jeedn Bstachuebn enzelin leesn, snderon das Wrot als gseatems.

Und, haben Sie den Text entschlüsselt? Gar nicht so schwierig, oder? Auch wenn es diese Studie tatsächlich buchstabenwirrwarr4 nie gegeben hat, eine andere Studie hat gezeigt, dass eine falsche Reihenfolge von Buchstaben die Wortkognition, also die Lesbarkeit eines Wortes, dann nicht beeinflusst, wenn die Anfangs- und Endbuchstaben unvertauscht bleiben. Sofern die Wörter nicht zu lang und die Buchstaben nicht allzu sehr durchmischt sind.

Was unser Gehirn alles leistet, fällt ja oft erst auf, wenn es nicht mehr richtig funktioniert. Als ich vor einigen Jahren Probleme mit dem Gleichgewichtssinn hatte, bemerkte ich beispielsweise, dass ich gleichgewichtssinnlos nicht steuern konnte, was meine unter dem Tisch nicht sichtbaren Beine gerade machten. Zum Glück zumindest nichts kaputt. Und zum erneuten Glück hat mein Gehirn mich nach einer Weile wieder voll auf Linie gebracht. Wie es das gemacht hat? Keine Ahnung. So ein Gehirn schließt zwar viele Lücken, lässt aber auch manche Dinge offen. Wir hoffen, Sie haben die Lücken in oben stehendem Text schließen können und bemühen uns in Zukunft um lückenlose Kommunikation.

Wer es nicht entschlüsselt hat. Der Satz lautet übrigens vollständig: „Haben Sie es bemerkt? Bei unserem letzten Anschreiben fehlte etwas.“

Jetzt fehlt nur noch, Ihnen Mahlzeit! zu wünschen

Ihre Petra Janßen

P.S. Wer Lust auf selbstgemachten Buchstabensalat hat, kann sich hier im Mixen ausprobieren www.wort-suchen.de/anagramm-generator

 

22.10.2014

Nachdem Ihnen meine geschätzte Kollegin Petra Janßen vergangene Woche einen vegetarischen Salat kredenzte, folgte kurz darauf die Frage eines Mahlzeit-Lesers, wer sich denn heute dem Thema Schnitzel widmen würde. „Schnitzel, genau mein Ding!“, dachte ich und hämmerte ein hurtiges „Hier! Ich mach’s!“ als Antwort in die Tasten. Tja, und nun sitze ich hier. Und merke, dass am Thema Schnitzel kolumnentechnisch doch arg wenig Fleisch ist. Deshalb nehme ich Sie flugs mit auf eine gedankliche Kehrtwende der besonderen Art und erzähle Ihnen etwas über Gelegenheitsverkehr. Es soll dabei aber keineswegs um Schlüpfrigkeiten gehen. Sondern vielmehr um sprachliche Ungetüme im Verwaltungsdeutsch. Unter „Gelegenheitsverkehr“ versteht der amtssprachlich gebildete Mensch nämlich eine Taxifahrt. Dabei passiert er eventuell auch eine Abstandseinhaltungserfassungsvorrichtung – womit die immer mal wieder auftauchenden Querstreifen auf Autobahnen gemeint sind. So weit, so schräg. Und wie komme ich jetzt darauf?  Larry Hoffman/flickr

Am letzten Sonntag dachte ich darüber nach, ob ich mein Grundstück mit einer Hecke oder einem Zaun verschönere – „behördisch“ ausgedrückt mit einer lebenden oder einer nicht lebenden Einfriedung. Für die Hecke spricht, dass es in Grundstücksnähe bereits zahlreich wucherndes raumübergreifendes Großgrün – also Bäume – gibt. Für den Zaun spricht, dass bereits eine fußläufige Anwegung angelegt wurde, die zum zukünftigen Grüngutsammelplatz (Komposthaufen) führt. Weiterhin fiel mir ein, dass ich mich noch um die Anmeldung der Restmüllbeseitigungsbehälterentleerung (Müllabfuhr) kümmern muss und gleichzeitig eine Restmüllbeseitigungsbehältervolumenminderung (Wunsch nach kleinerer Tonne) beantrage. Übrigens, und damit bin ich sehr zufrieden, ist bei unserem Dachfenster die Anleiterbarkeit einwandfrei gewährleistet. Und das trotz nagelneuer Grundstücksentwässerungsanlage (Regenrinne). Dies hat die kürzlich erfolgte Inaugenscheinnahme ergeben. Dabei fiel mir aber auch reichlich Spontanvegetation (Unkraut) im Vorgarten auf.

Apropos Vegetation: Später am Tag suche ich noch meinen Frisör auf, da es auf meinem Kopf sprichwörtlich wie Unkraut sprießt. Dort, also beim Frisör, bekomme ich auch immer einen Kaffee. In der Verwaltungssprache nennt man diesen Vorgang dann Bagatellgastronomie. Womit ich mit einem galant-gastronomischen Schlenker wieder zu meinem Ausgangspunkt, dem Schnitzel, zurückkomme. Das ich zugegeben ab und an gerne esse. Am liebsten als Steak von der Kuh. Nein, falsch: von der Raufutter verzehrenden Großvieheinheit.

Ein einfaches Mahlzeit! wünscht
Ihr Marcel Pannes

 

15.10.2014

Kürzlich, während ich gerade am Hacken und Jäten war, begehrte eine Damen Einlass in unsere Schrebergartenanlage, um im Garten ihrer Bekannten Pfirsiche zu pflücken. Sie schickte sich an, mir den Vorgang „en detail“ zu schildern, woraufhin ich sie schnell hineinließ und ihr den Weg zeigte. Unerwünschtes Kraut nutzt schließlich jede noch so kleine Pause, um zügig weiterzuwachsen. Keine fünf Minuten später stand die adrette Pfirsichfreundin jedoch schon wieder vor meinem Beet und begutachtete mein Tun. Sie ließ den Blick schweifen, lobte die riesigen Kürbisse – die leider den Gartennachbarn gehören – pries anderes sprossendes Grün und bedauerte, dass ihre Bekannte nicht da gewesen sei: Der Pfirsichbaum sei wirklich, wirklich voll. Dabei heftete sich ihr Blick auf mein Salatbeet: Zauntext  „Sieht ja sehr gut aus, der Kopfsalat.“
„Das hier vorne ist Eissalat und daneben Romanasalat“, korrigierte ich. „Ah ja? Sehen jedenfalls gut aus“. Ich nahm die Grabegabel wieder zur Hand. Die Dame ignorierte jedoch meinen Wink mit dem Gartengerät und musterte weiterhin ungeniert meine Salatauswahl, während sie mir die schwierige Kontaktaufnahme zu ihrer Bekannten ausführlich darlegte. Widerspenstige Quecken aus dem Boden ziehend, fasste ich einen Entschluss: „Möchten Sie vielleicht einen Salat mitnehmen?“, fragte ich resignierend. „Oh ja, sehr gern“. Die Antwort kam schnell. Ich griff zur Schere und schnitt ihr einen Eissalat ab. „Da hab ich ja gleich was für heute Abend. Dann …“ „Ich wünsche Ihnen guten Appetit“, versuchte ich das Gespräch freundlich, aber bestimmt zu beenden. Die Dame stutzte, blieb noch ein wenig stehen, während ich mich wieder in die Jätearbeit vergrub, und verabschiedete sich schließlich zögernd.

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich mag es, Zaungespräche zu führen, mit Nachbarn ins Gespräch zu kommen und hin und wieder sind Pausen auch ganz willkommen. Auch teile ich bereitwillig üppig sprießendes Gemüse mit Freunden und Nachbarn. Aber man darf mich gerne direkt darauf ansprechen. Wenn jemand lange um den heißen Brei herumredet, werde ich ungeduldig und unwillig. Ich schätze Kommunikation, die auf den Punkt kommt. Was nicht heißt, das man sofort mit der Tür ins Haus – oder in diesem Fall in den Salat – fallen muss. Aber ein bisschen Gespür, wofür das Gegenüber gerade offen ist, ist manchmal ganz hilfreich.

In diesem Sinne: Mahlzeit!

wünscht Ihre
Petra Janßen

 

08.10.2014

Ich fahre ja täglich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit. Was mir gefällt, denn so bleibt mir auch einfach mal Zeit zum Lesen oder Löcher in die Luft Gucken, wozu ich ja sonst so gut wie nie komme. Wenn jedoch, wie letztens, eine größere Reisegruppe lustiger Senioren in „meinem“ Bus sitzt, ist an Lesen oder Träumen nicht zu denken. Sie erzählen laut Witze, die sie so vor ihren Enkeln wahrscheinlich nicht erzählen würden. Und sie verwickeln schon einmal die Busfahrerin in ein Gespräch, so geschickt, dass aus der einfachen Fahrt im „stinknormalen“ Linienbus eine Stadtrundfahrt mit Reiseführer wird. Dennis Tsang flickrDie älteren Damen jauchzen erschrocken auf, als besagte Fahrerin herzhaft in die Bremsen steigt und knapp hinter einem Auto zum Stehen kommt, und kichern dann wie Schulmädchen über ihre Schreckhaftigkeit. Die übrigen Fahrgäste konnten sich ein Schmunzeln über die in Köln fremden Besucher nun auch nicht mehr verkneifen. Die Krönung der Fahrt war jedoch an der Endhaltestelle, als unsere nette Chauffeurin ein herzliches „Ich wünsche Ihnen noch eine schöne Weiterreise“ an die Gruppe schmetterte und der „Heinz Erhardt“ der lustigen Truppe ein „Und ich wünsche Ihnen schon mal frohe Weihnachten“ erwiderte. Da musste wahrlich jeder im Bus laut lachen.

Fahren Sie doch auch mal wieder mit dem ÖPNV.

Mahlzeit! wünscht Ihnen

Sandra Ott

 

01.10.2014

Neulich im Streichelzoo forderte eine Mutter ihren Nachwuchs mit folgenden Worten zu einer Aktivität auf: „Chantal, tu dat Mäh ma ei.“ Obwohl sich über die Syntax trefflich streiten ließe, kam die Botschaft an: Der putzige Nachwuchs lief schnurstracks zu einem Lämmchen und griff beherzt ins weiche Fell. Verwunderlich ist dies nicht, sind doch lautmalerische Klangfiguren wie Mäh in der Kindersprache, die sich an Nachahmung orientiert oder Geräusche lautgetreu wiedergibt, weit verbreitet.

Die große Zahl unterschiedlicher Tierlaute ist wahrscheinlich das beste Beispiel für die Besonderheit der Lautmalerei: In der Linguistik als Onomatopoesie („Worterschaffung“) bezeichnet, versteht man unter Lautmalerei die Imitation eimarceljanus/flickrnes Naturlautes oder anderen akustischen Phänomens mithilfe der Sprache. Das können ganz einfache Ausrufe wie huhu! und he! oder Verben wie knattern oder rauschen sein, die auch als Substantive auftreten können. Erstaunlich ist, dass etwa Franzosen dabei auf andere Laute zurückgreifen als Deutsche. Während nämlich Nachbars Köter in Deutschland mit wau, wuff oder knurr sein Gebiet verteidigt, hören die Franzosen ein ouaf ouaf, arff oder grrr. Bei der Katze sind sich beide Nationen einig: Vom Laut miau bzw. miaou leiten sich die entsprechenden Verben miauen und miauler ab.

Nicht nur in der Comicsprache gehören Lautmalereien unbedingt dazu (Peng! Knall! Schepper!), auch in vielen Sozio- und Regiolekten – also in Sprachen bestimmter Schichten oder Regionen – sind Klangfiguren weit verbreitet: Rhabarberrhabarber etwa steht lautmalerisch für unverständliches Genuschel, während nomnomnom die aus der Internetkultur in die Alltagssprache übernommene lautmalerische Umsetzung des Kaugeräuschs darstellt. Apropos Essen: Eingangs erwähnte Chantal wird vielleicht irgendwann mal einen Ützel-Brützel aufsuchen, um ihr Lämmchen zu finden. So nennt der Sprecher des in Großstädten verbreiteten Multikulti-Slangs nämlich eine Imbissbude. Würg!

Multikulturell Mahlzeit! wünscht

Ihr Marcel Pannes

24.09.2014

Ich habe eine Bitte: Denken Sie bitte nicht an Ihre Mittagspause, wenn Sie diese Wörter lesen. Pause. Woran haben Sie gedacht? Ich möchte wetten, die meisten von Ihnen haben an Ihre Mittagspause gedacht. Für Kinder ist es noch viel schwieriger, Aufforderungen zu befolgen, die mit nicht beginnen: „Nicht mit den Fingern ins Essen“ oder „Nicht mit dem iPad von Papa spielen.“ Kinder – und auch Erwachsene – hören Nicolas Raymond/flickrdieses Nicht nicht, sondern sie hören den aktiven Teil der Aufforderung: „Mit den Fingern ins Essen“, „mit dem iPad von Papa spielen.“

Und kennen nicht auch Sie dieses geradezu kindliche Vergnügen, gerade dann auf eine Rasenfläche zu gehen, wenn dort ein Riesenschild prangt: „Rasen nicht betreten!“? Bei doppelten Verneinungen wird es da noch schwieriger, die Botschaft klar herauszuhören. So las ich unlängst auf einem Schild im Badezimmer eines Hotels: „Vergessen Sie nicht, die Bademäntel nicht mit nach Hause zu nehmen.“ Einem ersten Impuls folgend hatte ich das Ding schon fast eingepackt. Will sagen: Mit klaren Appellen kommen wir meist schneller ans Ziel. Kinder essen leichter mit dem Löffel, wenn sie hören „Iss mit dem Löffel“, und das iPad bleibt in Papas Obhut nach dem Satz „Papa spielt mit dem iPad, spiel Du mit dem iPhone von Mama“. So bemühe ich mich, auch im beruflichen Alltag äußerst vorsichtig mit dem Wort „nicht“ bei Bitten und Aufforderungen umzugehen, um nicht missverstanden zu werden. Nein, halt, anders herum: So bemühe ich mich, sparsam mit dem Wort nicht umzugehen, damit ich klar verstanden werde. In diesem Sinne: Essen Sie nicht zu wenig, sonst werden Sie nicht satt. Oder anders gesagt. Lassen Sie es sich schmecken!

Mahlzeit wünscht

Ihr Rufus Barke

17.09.2014

Also an materiellen Dingen hängt mein Herz ja nicht so. Natürlich ist es fein, einige „Luxus“-Dinge im Leben zu haben, aber mein Handy z.B. ist 08/15, mein TV ist uralt und noch mit dicker Röhre und seit Neuestem mischt er sich die Farben selber (ich dachte während der Weltmeisterschaft tatsächlich, Brasilien spielt in rosa Trikots!). Mein Auto habe ich letztes Jahr verkauft, obwohl ich mitten auf dem Land wohne. Alles nicht so wichtig. Aber eine Leidenschaft, eine innige, warme, fast liebevolle Beziehung zu einem „Ding“ habe ich: Bücher! Ich liebe Bücher. Die Geschichten, die sie erzählen, natürlich, aber auch wie sie sich anfühlen, wie sie riechen, das Gewicht in der Hand, den gestalteten Einband, das Rascheln der Seiten. Zwischen den Seiten findet man Wochen oder Jahre später alte Kinokarten, Einkaufszettel, einen Zeitungsschnipsel oder eine Postkarte.  Jenny Kaczorowski/flickr

Meinen letzten Umzug habe ich mit dreißig Kartons Bücher und nur fünfzehn Kisten
Wohn- und Küchengegenstände bewältigt. Wenn ich heute aussortieren müsste, nur zehn Stück, ich könnte mich kaum entscheiden und würde wohl die Bücher wählen, die ich mir vor langer Zeit einmal geliehen und nie zurückgegeben habe, weil – ganz im Ernst: Bei mir haben sie es doch gut! Ich liebe Flohmärkte, Büchereien und lasse jedes Schuhgeschäft für ein Antiquariat links liegen. Meine Taschen sind groß, damit mindestens ein Buch hinein passt, denn manchmal, ich gestehe, lese ich simultan, zwei oder mehrere Bücher. Ein E-Book Reader wäre was für mich, meinen Sie? Nein danke, mag ich nicht. Auch wenn es praktisch ist und ich fünfzig Bücher simultan lesen könnte: Selbst im letzten Wanderurlaub in Schottland steckten drei Bücher in meinem Rucksack. Zwischen den Seiten von Walt Whitmans „Grashalme“ liegen nun tatsächlich welche aus den Highlands, aus dem kurzweiligen Krimi von Nicci French rieseln mir immer noch Sandkörner der Orkney Inseln ins Regal und in Adam Davies „Froschkönig“ liegt die Rechnung des tollen indischen Restaurants in Inverness. Wie sollte ich all diese Erinnerungen denn in so ein Computerdingens bekommen?

Mein Zugeständnis an die Technik: Hörbücher. Denn beim Kochen, Aufräumen oder in der Badewanne finde selbst ich ein Buch etwas unpraktisch. Da lasse ich mir dann auch mal gerne etwas vorlesen!

Und Sie? Welches kleine „Laster“ haben Sie?

Mahlzeit! wünscht

ihre Sandra Ott