08.03.2017

Heute in der Bahn steht eine Frau. Mitten im Gang. Ihre Tasche stellt sie wortlos neben eine sitzende Dame. Fast alle Sitze um sie herum waren leer. Ein junger Mann möchte an ihr vorbei, um sie nicht anzurempeln, sagt er höflich „Entschuldigung, darf ich bitte durch“. Sie rührt sich keinen Millimeter und motzt ihn sofort an: „Du kommst da schon durch, keine Sorge“. Es blieb ihm nichts übrig, als sich an ihr vorbeizuquetschen (und das immer noch sehr rücksichtsvoll).

An der nächsten Haltestelle steht ein Mann, rauchend. Die Bahn fährt ein. Er wirft seine Kippe zur Seite, ohne zu schauen, einem Kind vor die Füße.

Ich laufe zum Büro. Auf dem Gehsteig vor mir eine Frau. Baby vor dem Bauch, Handy vorm Gesicht. Bleibt plötzlich stehen, dreht sich um und rennt fast in mich rein (wohlgemerkt mit einem Säugling als „Airbag“). Ich konnte ausweichen, noch bevor sie von ihrem Handy aufblickte.

Diese drei Dinge geschahen innerhalb von 20 Minuten und wie so viele andere Erlebnisse im Laufe einer Woche machen sie mich traurig, wütend, fassungslos. Was ist los in unserer Umgebung, in unserer Gesellschaft? Was macht uns so unaufmerksam, unfreundlich, ja unsozial? Es ist für viele Raucher selbstverständlich, die Kippe achtlos (brennend) auf den Boden zu werfen, es ist selbstverständlich, Platz zu beanspruchen, ohne Rücksicht auf andere, und es ist anscheinend völlig normal, abwesend und desorientiert rumzulaufen, in der Annahme, dass andere schon darauf achten, wohin sie laufen. Seinen Müll aus der Jackentasche einfach auf den Boden zu werfen, oder wie die Dame im Nerzmantel letztens im Bus neben mir ihr angeschnäuztes Taschentuch über die Schulter hinweg in den Gang schmeißt! Ehrlich wahr. Vincent Luc flickr Mein Heimweg am Feld vorbei liegt voller Müll: Busfahrscheine, Schokoladenpapier und Plastiktüten, Zeitungen und Werbeblättchen. Ist es zu viel verlangt, den Einzelnen zu fragen, sich und sein persönliches Umfeld in Ordnung zu halten? Der Spruch: „Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht“, der eigentlich immer einen etwas negativ-egoistischen Touch hat, der würde doch stimmen, wenn jeder sich so verantwortungsbewusst verhalten würde, seinen Umgang, seinen Müll, seinen Raum „in Ordnung“ zu halten. Aber mir scheint, dass Respekt, Intellekt, Erziehung und Verantwortlichkeit bei immer mehr Menschen (weit) in den Hintergrund treten und unser alltäglicher Umgang mit (fremden) Menschen aus Ignoranz und Unachtsamkeit besteht. Was einfach traurig ist. Ich freue mich umso mehr über ein nettes Hallo oder ein Lächeln in der Bahn, und liebe meine Tochter für jedes Bonbonpapier in ihrer Jackentasche, weil es für sie zwar immer noch selbstverständlich ist, das Mama es dort wegzaubert, aber genauso selbstverständlich, es nicht irgendwo auf die Straße zu werfen! Respekt und Rücksicht sind auch eine Erziehungssache und ein Vorleben! In diesem Sinne: Seien Sie Vorbild!

Eine nachdenkliche Mahlzeit wünscht Ihnen
Ihre Sandra Ott

22.02.2017

Neulich beim Bäcker bestellte ein junger Vater mit seiner Tochter „drei Brödle“. Kurze Irritation bei der kölschen Verkäuferin, dann die Nachfrage: „drei Normale“? Irritation beim Vater. Verkäuferin: „Also mit Körnern drin oder normale?“ „Normale!“ Das war geklärt, es folgte die nächste Bestellung: „Un i hänn no gern oine Krapfe.“ Der Krapfen war schon fast in der Tüte, da meldet sich der Kunde wieder energisch: „Noi, des net, oine Krapfe.“ „Dat is doch enne Krapfen, ne Eierkrapfen!“ „I mein des do.“ „Ach, ne Berliner wollen Se.“ Berliner Krapfen

Schwäbisch-kölsche Völkerverständigung vom Feinsten. Und richtig gute Stimmung in der Bäckerei, alle lachten. Auch der junge Mann. Allen Bezeichnungen der Leckerei gemeinsam ist, dass es sich um einen süßen Hefeteig handelt, der in Fett ausgebacken wird. „Berliner“, wie wir hier in Köln sagen, ist eigentlich eine Abkürzung von „Berliner Pfannkuchen“ – der Berlinbewohner nennt das Gebäck „Eierkuchen“ und „Pfannkuchen“. Was natürlich im Rheinland zu absoluter Verwirrung führt, ist doch hier schließlich ein platter, in der Pfanne gebackener süßer oder herzhafter Eierteig ein Pfannkuchen. „Krapfen“ nennen offensichtlich die Schwaben, genauer die meisten Süddeutschen den Berliner. Das Lexikon der deutschen Alltagssprache der Universität Augsburg lehrt uns, dass wahrscheinlich das althochdeutsche Wort krapho für „Haken, Kralle“ Namensgeber des Krapfens ist, und dies lässt sich auch heute noch nachvollziehen, unterscheidet er sich doch vom runden Kollegen Berliner vor allem durch die unregelmäßige Form. In Schmalz gebackenes Hefeteiggebäck ist im norddeutschen Raum übrigens schon im 16. Jahrhundert belegt. Verschiedene Varianten der „Förtchen“, wie die Krapfen im Norden heißen, werden auch heute noch in einer speziellen „Förtchenpfanne“ zubereitet. Zurück zu unserem Berliner: „Kreppel“ nennen ihn vor allem die Hessen, Unterfranken und Westthüringer. Die Aachener fallen ein wenig aus dem Rahmen, dort heißt die platte, süße Kugel „Puffel“.

Der kölsche Krapfen ist übrigens ein Brauchtumsgebäck, denn es gibt ihn zumindest in Köln vorzugsweise in der Karnevalszeit (also ab 11.11. eines Jahres bis Aschermittwoch). Um die Verwirrung komplett zu machen: Der Berliner Sylvesterkrapfen wird, wie der Name sagt, auch nur zu einem bestimmten Anlass gebacken. Zu Berlinern und Krapfen gesellen sich seit ein paar Jahren neumodische Quarkinis, das sind kleine, in Fett ausgebackene Quarkbällchen. Sie scheinen sich nicht so ums Brauchtum zu kümmern, denn sie sind – je nach Bäckerei – das gesamte Jahr über zu kaufen. Ob Berliner, Pfannkuchen, Krapfen, Förtchen oder Quarkini: Meist sind sie mit reichlich Zucker und Fett zubereitet – von innen wie von außen.

In diesem Sinne, genießen Sie das Karnevalsgebäck – in Maßen, und nun voller Genuss Ihre Mahlzeit

Ihr

Rufus Barke

08.02.2017

Heute erzähle ich Ihnen keinen vom Pferd. Sondern einen vom Vogel. Oder anders formuliert: Ich möchte einen mit Ihnen zwitschern. „Bei dem piept’s wohl!“ mögen Sie nun denken. „Jawohl, zum Kuckuck nochmal, da liegen Sie richtig!“ lautet meine Antwort. Denn: Während meiner täglichen Fahrt in die Agentur und zurück begegnen mir allerlei komische Käuze. Also Menschen, die gemeinhin ein wenig seltsam und verschroben aussehen oder sich auch so verhalten. Dabei verhält sich der Kauz an sich, eine fusselig-flauschige Eulenart, weder verschroben noch seltsam, wenn er des Tages auf Ästen hockt und qua seiner euligen Gesamtkomposition etwas verkniffen dreinschaut.

David Schliersner flickr cc by

So wie der komische Kauz flattern durch unser Vokabular noch zahlreiche weitere schräge Vögel. Wer sich zum Beispiel nicht ganz regelkonform verhält, hat gerne mal einen Vogel. Und zwar nicht irgendeinen, sondern eine Meise. Ein Mensch wird durchaus mal zum Dreckspatz, zum Spaßvogel, zum Schmierfink oder auch zum Schluckspecht. Dabei sind Spechte ja weniger fürs Schlucken als fürs Hämmern berühmt. Reichlich alkoholabhängig kommt auch die Schnapsdrossel daher. In diesem Fall ist die „Drossel“ jedoch kein Vogel, sondern ein älterer Begriff für „Kehle“ – und noch heute gegenwärtig im Verb „erdrosseln“.

An den nahenden Karnevalstagen sind sicher wieder einige Schluckspechte und Schnapsdrosseln unterwegs – womöglich in Begleitung von Hupfdohlen, eitlen Gockeln und der ein oder anderen Schnepfe. Dabei ist die tierische Schnepfe an sich ein recht schön anzusehender, zierlicher Vogel mit einem dünnen langen Schnabel – die menschliche hingegen eher eine Unsinn erzählende, nervende Dame. Wahlweise und frei von jeglichem Charme werden solche Exemplare auch mal als „blöde Gans“ oder „dumme Pute“ bezeichnet. Einhergehend mit körperlichen Defiziten vielleicht sogar auch als „lahme Ente“ oder „blindes Huhn“. Und wer mit dünnen Storchenbeinen recht ungelenk durch die Gegend stakst, wird auch mal als „Spinatwachtel“ tituliert. Merke: Einige Vogelarten haben ein Imageproblem.

Eine Spinatwachtel wäre sicher auch ein kreativer Vorschlag für ein Karnevalskostüm. Alternativ zur Auswahl steht vielleicht auch noch der Pleitegeier oder der Pechvogel. Womöglich sogar mit Krähenfüßen. Und Hühneraugen.

„Mahlzeit!“ ohne Reiher(n) wünscht
Ihr Marcel Pannes

18.01.2017

Es begann mit einem leichten Kratzen im Hals, wurde dann zu starken Halsschmerzen und schließlich zu einer ausgewachsenen Erkältung. Schon wieder, und das trotz mildem Nordseereizheilklima, viel Bewegung an der frischen Luft und ausreichend Schlaf, nicht zu vergessen die tägliche kalte Dusche, hatte es mich „kalt“ erwischt. Was hatte ich falsch gemacht, fragte ich mich? War noch mehr Abhärtung nötig oder eher die Vermeidung jeglicher Kontaktaufnahme? Oder etwa beides? Klang nicht nach Spaß. Jetzt weiß ich, womöglich war es ein Zuwenig an Spaß und Kontakt. Wobei das Andere das Eine ja sogar noch zu steigern vermag. Und je intensiver der Kontakt, desto besser. So soll Küssen zu einer Stärkung des Immunsystems beitragen, wie Forscher herausgefunden haben. Beim Küssen tauschen die Partner nicht nur Zärtlichkeiten aus, sondern auch Keime – und davon gar nicht mal so wenige. 80 Millionen Keime werden beim Küssen übertragen – jedes Mal. Was auf den ersten Blick eher furchterregend als förderlich klingt, hat jedoch einen positiven Effekt. Beim Küssen werden unterschiedliche Bakterien ausgetauscht und so die Produktion von Antikörpern angeregt. Dadurch werden die Abwehrkräfte gestärkt, denn das Immunsystem lernt die fremden Mikroben kennen und kann sich so auf sie einstellen. Die fremden Bakterien mischen sich mit den eigenen und erweitern damit den körpereigenen Bakterienbestand. Die Mischung vieler unterschiedlicher Bakterien trägt also zur Gesunderhaltung des ganzen Organismus bei und enthüllt dabei ein effektives Prinzip: Stärkung durch Integration. Almee Custis Küssen

Ein weiterer Aspekt, der zur Gesunderhaltung beiträgt, darf natürlich nicht vernachlässigt werden: Küssen macht glücklich und glückliche Menschen werden seltener krank. Für die Zukunft nehme ich mir also vor, noch häufiger als bisher zu küssen, denn das macht nicht nur Spaß, sondern hat auch quasi heilsame Wirkung. Ein Trost für die, die gerade keinen Kusspartner, keine Kusspartnerin haben: Bereits leichte Berührungen wirken positiv. Wenn man dann noch mit anderen, alleine, mit guten Freunden oder bislang Unbekannten Spaß hat, dürfte das Immunsystem Freudensprünge machen – und wir auch.

Eine heiße Mahlzeit und viel Spaß wünscht Ihnen

Petra Janßen

23.11.2016

Mal nicht reden, alleine sein, Stille hören. So lange ruhig sein, bis selbst die Gedanken und die Zwiesprache im eigenen Kopf immer leiser wird und irgendwann aufhört. Geht das? Ich bin in den letzten Jahren ruhiger geworden, leiser. Als Quasselstrippe und Schnelldenker mit noch schnellerer Zunge und sarkastischem Humor konnte ich mir manchmal schon selber auf den Keks gehen. Doch seit einiger Zeit merke ich, wie sehr ich Ruhe und Stille genieße. Mit mir selber wie auch mit anderen. Hörte ich früher auf langen Auto- oder Zugfahrten laute Musik oder ließ in meinem Kopf Gespräche Revue passieren, nehme ich mir heute Silence kleinAuszeiten von Lärm und Trubel, von selbst inszenierten Geschichten meines Hirnes oder auch Hintergrundgedudel. Da ich sowohl beruflich als auch privat viel Trubel um mich herum habe, Berufsverkehr, Bus- und Bahnmitfahrer, Telefone, Kinder, Freunde, Sportevents, werden für mich die stillen Momente immer wertvoller. Um mich dieser absoluten Stille einmal komplett hingeben zu können, plane ich gerade meine persönliche kleine Auszeit. Im nächsten Jahr werde ich zehn Tage lang durch schottische Highlands wandern, alleine, mit Zelt und Schlafsack, ohne MP3-Player oder Buch, abseits der touristischen Wanderhighlights. Und ich freue mich jetzt schon darauf, auf die Stille. Die Vorstellung, nachts auf einem Berg zu sitzen und in den Himmel zu schauen, nur das zu hören, was die Natur mir zur Verfügung stellt (ja, ich weiß, es kann auch Regen auf dem Zeltdach sein, auch der ist willkommen), lässt mich am liebsten heute schon den Rucksack packen! Und wer jeden Tag mit Gelenkbussen fährt, deren knarzender Faltenbalg (heißt wirklich so) den Tag einläutet oder auch eine lustige, aber laute Kindertruppe trainiert, der weiß den Luxus der Stille sehr zu schätzen. Ich jedenfalls. Und da ich Ihnen auch gerne ein paar Minütchen Ruhe zur Verfügung stellen möchte, halte ich jetzt einfach mal den Mund, bzw. die Finger still und sage leise

Mahlzeit!
Ihre Sandra Ott

09.11.2016

Ich verreise gerne, ob innerhalb Deutschlands oder in andere Länder. Ob Elsass, Extremadura oder Eifel ist mir dabei ziemlich egal, wichtig ist nicht, wie weit ein Ort entfernt ist, sondern ob ich die Landschaft mag, mich sportlich betätigen kann und natürlich, wie die Menschen dort drauf sind. Einer meiner Lieblingsorte liegt beispielsweise an der ligurischen Küste. In diesem durchaus trubeligen Städtchen erlebe ich die Bewohner als sehr entspannt und freundlich, aber nicht so aufgedreht und laut wie häufig weiter südlich in Italien. Obgleich das auch etwas hat. Unsere Veedels-Pizzeria beispielsweise wird von einer Familie mit sizilianischen Wurzeln betrieben. Da geht es in der Küche manchmal so laut und wortgewaltig zu, dass man befürchten muss, der Chef und seine Frau, die Köchin, würden sich gleich an die Gurgel gehen, dabei hat der Patrone nur die Bestellung weitergegeben. In meinem ligurischen Lieblingsküstenstädtchen geht alles eher in etwas gemächlicherem Tempo zu. Trotz der vielen Touristen, übrigens in erster Linie Italiener, scheinen die Menschen sich selbst zu genügen. So wird in der Touristeninformation, die gefühlt nur zwischen 9.37 Uhr und 11.42 Uhr geöffnet hat, kaum Englisch und schon gar kein Deutsch gesprochen. Und Italienisch auch nur auf Nachfrage. Anscheinend möchte man die Touristen hier nicht durch zu viel Ansprache aus ihrem entspannten Urlaubsgefühl reißen.

Rechnung web
Auch die Bar Centrale ist nicht der brodelnde Mittelpunkt des Ortes. Die zwei charmanten, anscheinend nicht alternden, jungenhaften Inhaber servieren mit gleichbleibender Herzlichkeit einen der köstlichsten „caffés“, den ich bisher getrunken habe. Tiefenentspannt geht es auch in meinem Lieblingsrestaurant zu. Oder ging, muss man sagen, denn bei meinem letzten Besuch war der Patrone leider nicht (mehr) da. Zugegeben, auch bei dem Besuch davor war er schon nicht mehr der Jüngste gewesen. Aber vielleicht hatte auch nur sein zurückhaltendes Wesen und sein immer leicht schlurfender Gang diesen Eindruck erweckt. Jedenfalls hat seine stille, freundliche und zugleich immer aufmerksame Art dieses Restaurant zu etwas Besonderem gemacht. So kam er schon mal, während wir uns noch an einer, in dieser Form noch nicht gekannten Gemüsebruschetta ergötzten, mit einem Teller frittierte Zucchini um die Ecke und stellte sie mit einem gemurmelten „Habe ich gerade noch gemacht“ und einem leisen Lächeln auf unserem Tisch ab. Nach dem Essen verteilte er auf allen Tischen Flaschen mit Grappa, Limoncello, Limoncetto und Limoncino, die in der Rechnung nicht auftauchten. Die Atmosphäre war ohne den Patrone nicht mehr dieselbe: Die Chefin wirkte etwas überfordert, die pubertierende Tochter lustlos, aber zwei Dinge sind geblieben: Die Flaschen mit Obstbrand und Likör und die unvergleichlichen Rechnungen, die zumindest in Deutschland von keiner Steuerbehörde akzeptiert würden. Und so ist immer noch etwas von dem stillen, unkonventionellen und sich an eigenen Regeln orientierenden Charakter des Patrons in dem Restaurant erhalten geblieben. Ich werde auf jeden Fall wieder kommen.

Eine entspannte Mahlzeit wünscht Ihnen

Petra Janßen

26.10.2016

Neulich erhielt ich auf eine E-Mail eine Abwesenheitsnotiz mit dem freundlichen Hinweis: „Ich bin vom 15.9. bis 23.9. im Urlaub. In dringenden Angelegenheiten wenden Sie sich bitte an Kim Nachname.“ Ich also flugs in die Tasten gegriffen, „Sehr geehrter Herr Nachname“ … aber …Kim, also ist das jetzt ein Mädchen- oder Jungenname? Ich habe zwar schon von diesem Reality-TV-Sternchen Kim Kardashian gehört, kenne allerdings persönlich einen netten Kerl namens Kim aus einer Event-Agentur.

Als ich mich mit dem Thema Unisex-Namen, so der Begriff für einem Geschlecht nicht eindeutig zuzuordnende Vornamen, beschäftigte, fiel mir auf, wie viele Menschen ich kenne, deren Vorname in diese Kategorie fällt. Ich kenne eine und einen Chris, nicht als Abkürzung oder Kosename, sondern genau so eingetragen in der Geburtsurkunde. Ich kenne vier Isas: drei Frauen und einen Mann türkischer Abstammung. Und da sind dann noch Sascha und Sascha, Uli und Uli und die beiden Charlies – die letzten beiden sind allerdings Abkürzungen bzw. Kosenamen, einmal von Charlotte und einmal von Karl-Heinz. Nicht zu vergessen Kay und Kay – mit dem einen esse ich manchmal zu Mittag, mit der anderen habe ich studiert. fe male ThomasRousing web

Ende 2008 hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass Eltern grundsätzlich frei sind bei der Wahl des Vornamens ihres Kindes. Ausnahme: Dieser darf das Kindswohl nicht gefährden. Nur dann darf der Staat eingreifen. Der Entscheid ermutigt sogar, Namen „frei“ zu erfinden – mit der zitierten Einschränkung. Vor dieser Entscheidung war es vorgeschrieben, dass ein zweiter Vorname das Geschlecht eindeutig bestimmt, wenn der erste dies nicht leistet. Beispiel: Wir alle kennen „Maria“ in Kombination mit Jungennamen: Christoph Maria Herbst, Klaus Maria Brandauer.

Manchmal sind Vornamen so stark regional und auch dialektal geprägt wie zum Beispiel die friesischen, dass im Norden zwar (fast) jeder Momke und Ailke als Frauen sowie Onno und Aike als Männer erkennt, aber der Rest der Republik zu grübeln beginnt. So wie ich bei Kim. Ich habe übrigens einfach angerufen und hatte Frau Kim am Apparat – und wir plauderten entspannt über das Thema Vornamen. In der nächsten Abwesenheitsnotiz des zurzeit urlaubenden Kollegen wird stehen: „Wenden Sie sich bitte an meine Kollegin Kim Nachname.“

Ihnen wünsche ich eine eindeutige Mahlzeit

Ihr Rufus Barke

13.10.2016

Zugegeben, für diese Mahlzeit fehlte es mir gestern an commitment. Aber, wie Sie unschwer erkennen können, liebe Leserinnen und Leser, habe ich mich heute dermaßen zielorientiert commited, dass ein Text mit ansprechendem wording herausgekommen ist. Kein Wunder, bin ich doch meine eigene Textmanufaktur und habe meinen Text zwar reichlich ergebnisoffen, jedoch außerordentlich dynamisch kuratiert. Kuratiert? Ja, genau. Denn: Ich mag heute über Worthülsiges, Leerphrasiges und Sprachstrapaziertes schreiben. Da kommt mir das schöne Verb „kuratieren“ gerade recht: Es klingt ein wenig edler als die inhaltsgleichen Verben „betreuen“, „organisieren“ oder „verwalten“ und mir war es bisher nur in Zusammenhang mit Ausstellungen geläufig. Doch zuletzt las ich über ein Käseverkostungs-Event, das im Gewölbe Soundso kuratiert wurde. Dabei kräuselte sich nicht nur der mit rechtsdrehenden Kulturen veredelte Roquefort, sondern auch mein hirn-internes Sprachzentrum. Genau dort liegt nämlich eine meiner Kompetenzen. Möglicherweise sitzt sie dort auch und manufaktoriert sich gerade zu einer ansehnlichen Kernkompetenz. Wobei: Irgendwie für irgendwas kompetent ist ja heutzutage jeder. Schon reformgebeutelte Grundschüler müssen an ihren Kompetenzprofilen feilen. Proaktiv und lösungsorientiert, wohlgemerkt.

Cyn Furey flickr cc by ac nc adÜbrigens, und jetzt überrasche ich Sie, steht das nette Adjektiv „lösungsorientiert“ nicht an erster Stelle der beliebtesten Begriffe in Stellenanzeigen. Es hat es noch nicht mal in die Liste der besten Zehn geschafft. Nein, unangefochtener Spitzenreiter ist der Begriff „u.a“, gerne in Kombination mit „Tätigkeitsbereich“: „Ihr Tätigkeitsbereich umfasst u.a. …“ Auch gerne genommen: „flexibel“ „strukturiert“ und „engagiert.“ Was Sie als flexibler, strukturierter und engagierter Bewerber u.a. leisten sollen, erschließt sich jedoch dank vorgestanzter Wortbausteine und Nominalisierungen eher selten. Warum? Rund 120.000 aktuell im Internet untersuchte Stellenanzeigen enthielten mehr als eine Million Wörter, die auf -ung enden, darunter so abstrakte Begriffe wie „Bereitstellung“, „Erbringung“, „Identifizierung“ oder „Finanzsteuerung.“ Spitzenreiter war ein großes Pharmaunternehmen, das einen „Senior Financial Partner Sales" suchte – und zwar mit 86 Wörtern, die auf -ung endeten. Chapeau!

Sollten Sie nun kurz darüber nachdenken, wie der Tätigkeitsbereich eines „Senior Financial Partner Sales“ denn so aussieht, gebe ich Ihnen einen Tipp: Womöglich sitzt die Person amtlich kernkompetent an einem von einer Holzmanufaktur designten Face-to-Face-Möbel und schmiedet Pläne, welche Mehrwerte sie mit ihrer ausgeprägten Hands-on-Mentalität im kompetitiven Umfeld dank erkannter Verschlankungs-Potenziale schaffen könnte. Unter anderem.

Eine strukturierte Mahlzeit wünscht
Ihr Marcel Pannes

28.09.2016

Wenn Sie das hier lesen, bin ich in den USA. Tatsächlich konnte ich mich für die Weltmeisterschaft im Kickboxen qualifizieren und bin nun mit Sack und Pack und mitnominierter Tochter nach Orlando geflogen, um dort meine Fäuste fliegen zu lassen. Während ich dies hier schreibe, spüre ich schon die erste Aufregung, Vorfreude und leichtes Lampenfieber! Vielleicht erinnern Sie sich an eine meiner Mahlzeiten aus dem letzten Jahr, in der ich über meine Kickbox-Anfänge geschrieben habe. Wie kompliziert mir vieles erschien, wie schwer manchmal die Koordinierung war, zwischen dem, was der Trainer ruft, und dem, was ich dann auszuführen versuchte. Nun, das hat sich offensichtlich ganz gut entwickelt, sonst hätte ich mich ja nicht in meinem sportlich „leicht fortgeschrittenen“ Alter für eine WM qualifizieren können.

Sandra WM Orlando 2016

Womit ich nun auch beim Thema wäre: Das Alter! Beziehungsweise die Kategorien, in die die verschiedenen Alters- und Gewichtsklassen eingeteilt sind. Klar, bei Kids (bis 12 Jahre) und Jugend (13-17 Jahre) ist es einfach. Dann kommen die Damen oder Herren, die gelten von 17 Jahren aufwärts. Und dann, ab 35 Jahren, gibt es die Veteranen. Immer, wenn ich mich für einen Wettkampf einschreibe, überlege ich, wann ich aus Vietnam zurückgekehrt bin, denn irgendwie verbinde ich den Ausdruck Veteran immer mit alten US-Soldaten … Nun ja, nicht nur, dass ich jetzt eine Veteranin bin, ich bin mit meinem Gewicht - mit dem ich persönlich wirklich komplett zufrieden bin - mit über 65 kg in der Superschwergewichtsklasse. Bei den Männern ist das natürlich anders, da wird immer in 5 Kilogramm-Schritten aufwärts gezählt (z.B. 80-84,9 kg). Bei uns Damen (und Veteraninnen) ist ab 65 kg Schluss mit Einteilen, da beginnt die offene Gewichtsklasse. Ich sag dann immer feierlich, ich starte in der „Dinosaurier-Elefanten-Kategorie“. Was natürlich letztlich Quatsch ist, denn wir sind ja alle fit, ob 65,5 kg oder 100kg. Trotzdem finde ich diese Einteilung etwas wunderlich, denn so kann eine kleine 65 kg-Person auf eine 1,95 m große und 120 kg schwere Kontrahentin treffen. Irgendwie fies. Wie viele Frauen über 1,75 m Größe können gesund unter 65 kg wiegen? Wer hat das eigentlich so eingeteilt? Das ist ungefähr so wie bei dem schwedischen Klamottenladen mit zwei Buchstaben: In der Umstandsmodenabteilung gibt es Still-BHs in 95 D, aber Schwangerschaftsjeans in Größe 34! Wie passt das zusammen?

Gut, ich will nicht meckern, dafür bin ich viel zu stolz auf das bisher Erreichte. Außerdem darf ich Dino trotz allem auch zusätzlich bei den „jungen“ Damen starten. Natürlich auch im Superduperschwergewicht, denn unter 65 kg hab ich das letzte Mal mit 17 Jahren gewogen. Das liegt sicherlich auch an der einen oder anderen Mahlzeit! :-)

Liebe Grüße aus Florida

Ihre Sandra Ott

14.09.2016

Hören Sie mich? Nein? Nun, das ist kein Wunder, sitze ich doch weit entfernt von Ihnen/Euch, liebe Leserinnen und Leser. Allerdings werde ich auch häufig dann nicht gehört, wenn ich (schon) ganz nah an jemandem dran bin, beim Fahrradfahren z. B. Gerade heute Morgen wieder hatte ich mich anscheinend so lautlos an den Kreisverkehr heranpedeliert, dass eine Joggerin, ohne mich wahrzunehmen, beschloss, die Abkürzung schräg über die Straße zu nehmen und mir dabei fast vors Vorderrad gerannt wäre. Wenn, ja, wenn ich nicht für diesen Fall vorgesorgt und mir schon vor geraumer Zeit eine extralaute Klingel besorgt hätte. Die ich in diesem Fall wirkungsvoll zum Einsatz bringen konnte. Die Joggerin zuckte erschrocken zusammen, sah sich irritiert um und blieb gerade noch rechtzeitig stehen. Glück gehabt. Wir beide. Paul Wilkinson flickr

Auch wenn ich nichts gegen einen kleinen Adrenalinkick von Zeit zu Zeit habe, im Straßenverkehr bin ich nicht scharf auf zusätzlichen Nervenkitzel. Allerdings brachte mich dieser Vorfall, der ja eher die Regel als die Ausnahme ist, dazu, darüber nachzudenken, warum Menschen einfach, ohne nach rechts oder links zu sehen, über Straßen, Radwege, Kreuzungen oder eben Kreisverkehre laufen. Offensichtlich verlassen sich sehr viele auf ihr Gehör und schlussfolgern instinktiv: Ich höre nichts, also ist da nichts. Obwohl, hören tun schon einige etwas, Musik zum Beispiel. Andere hören nichts, weil sie nur etwas sehen. Klingt kompliziert? Ist es aber nicht.

Untersuchungen belegen, dass wir Menschen uns nicht gut auf mehrere Dinge gleichzeitig konzentrieren können. Multitasking bleibt ein schöner Traum. Bei Menschen, die auf Smartphones starren, auch „Smombies“ genannt, kann man da schon eher von Tunnelblick sprechen. Oder von einem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. Aber daran, dass sie dann nichts mehr hören, sind sie laut einer Untersuchung britischer Wissenschaftler nicht schuld. Schuld ist die begrenzte Kapazität unseres Gehirns. Danach werden beim Hören und Sehen vermutlich die gleichen neuronalen Ressourcen genutzt: Benötigt ein Sinn viele Ressourcen, wird die Verarbeitung des anderen vorübergehend unterdrückt. Dass die Verarbeitung von Sinnesreizen bei Überlastung des Gehirns teilweise eingeschränkt wird, ist keine neue Erkenntnis. Ein bekanntes Beispiel für die sogenannte Unaufmerksamkeitsblindheit ist die "Gorilla-in-unserer-Mitte"-Studie von 1999. Die hatte gezeigt, dass Probanden einen Menschen im Gorilla-Kostüm komplett übersehen können, wenn sie sich gerade auf andere Dinge konzentrieren.

Schade, hatte ich doch überlegt, mir ein solches Kostüm zuzulegen, um in Zukunft auf dem Fahrrad nicht mehr übersehen zu werden. Aber für solche Fälle habe ich ja noch meine extralaute Klingel.

Eine Mahlzeit, die Ihre Aufmerksamkeit verdient, wünscht Ihnen

Petra Janßen