10.05.2017

Neulich am Kölner Hauptbahnhof: Eine mit Einkäufen bepackte Mutter und ihr kleiner Sohn sind spät dran und sausen im Laufschritt in Richtung Gleis. Problem: Mama rennt zu Gleis fünf, Sohn zu Gleis sieben. Während Mama ruft „Füüüümpf!“ legt Sohn eine Vollbremsung ein und will wenden, hat aber die Schwerkraft nicht auf dem Schirm und touchiert hör- und spürbar die Glastür des angrenzenden Ladenlokals. Mutter: „Jetzt hab ich den Papp aber auf! Warum läufst Du gegen die zue Tür?“ Ich als Zeuge dieses Manövers und täglicher Bahnfahrer hatte einerseits Mitleid mit Sohn (aua!) und Mutter (Sohn aua!, Zug weg), war aber andererseits dankbar, dass mich diese kleine Episode wieder an aufen Papp und zue Türen erinnerte. Denn: Für mich als im Rheinland Sozialisierter ist eine zue Tür umgangssprachlich völlig akzeptabel, eine sprachlich voll okaye Aussage sozusagen. Aber eine aufe Tür eher nicht. Die Umgangssprache nimmt es in diesem Zusammenhang aber nicht so genau, daher hört man häufig, dass etwas auf sei, wenn es eigentlich offen ist. So können nicht nur Menschen aufstehen, sondern auch Türen; Geschäfte können auf sein und wenn es mir früher gut geschmeckt hatte und mein Teller leer war, fragte mich meine Oma wohlwollend: „Haste auf?“ Thomas Bertelmann flickr kl

Meistens war ich dann pappsatt, weil Omas Portionen kein Pappenstiel waren. Die Herkunft dieser Redewendung ist übrigens unklar: Sie stammt vermutlich vom Pappenblumenstiel, dem Stiel des Löwenzahns (niederdeutsch pāpenblōme, also Pfaffenblume); dessen im Wind verwehende Samenkrone vor einigen Jahrhunderten als Sinnbild für Geringfügiges galt. Den wortwörtlichen Papp, also einen laut Duden klebrigen Mehlbrei, gab es bei Oma früher recht selten, obwohl ich ein Freund der pappigen Konsistenz bin, sozusagen ein echter Pappenheimer. Jenem Grafen zu Pappenheim, der eine historische Figur während des Dreißigjährigen Krieges darstellte und dessen mutiges Regiment die Erstürmung Magdeburgs forcierte, setzte Friedrich Schiller in Wallensteins Tod ein sprachliches Denkmal, indem er Wallenstein sagen lässt: „Daran erkenn ich meine Pappenheimer.“ Schiller war eben alles andere als ein Pappkopp. Oder eine Pappnase.

Übrigens: Sollten Sie in diesen kühlen Mai-Tagen unter einer zuen Nase leiden, geht es Ihnen wie mir. Gönnen Sie sich einfach Ruhe: Bei zuen Gardinen und ausem Licht. Und einem Teller leckeren Papp.

Eine pappige Mahlzeit wünscht
Ihr Marcel Pannes

26.04.2017

Die Angst vor dem weißen Blatt überfällt mich eher selten, dennoch braucht es manchmal seine Zeit, bis mir die Wörter wie von selbst „aus der Feder“, will sagen in die Tastatur fließen und ein Text entsteht, der mich (und meine Kolleginnen und Kollegen) wirklich zufriedenstellt. Diese Art des Schreibens ist sicher bald total „old fashioned“. Denn immer mehr Medien nutzen Software, die aus Daten eigenständig Texte fertigt. Roboterjournalismus nennt sich das im Sprachgebrauch. Allerdings haut da natürlich kein Roboter wie ein Entfesselter in die Tastatur, sondern Algorithmen verarbeiten riesige Datenmengen und formulieren Texte. Es ist korrektes Deutsch … und trotzdem fehlt etwas, denn die Texte lesen sich oft nach dem Subjekt-Prädikat-Objekt-Prinzip. Crosa/flickr Zugegeben, Finanznachrichten, neben Sportnachrichten einer der am meisten genutzten Bereiche für Roboterjournalismus, sind häufig auch dann spröde zu lesen, wenn ein Mensch sie geschrieben hat. Zumindest wenn der Leser kein Finanzexperte ist. Und auch Wetternachrichten, ein weiteres Betätigungsfeld für schreibende Software, können die Algorithmen ganz gut. Doch es hapert noch bei fiktionalen Texten. Da fehlt einfach das Quäntchen Gefühl, das „echter“ Literatur innewohnt. Und so es wird wohl noch eine Weile dauern, bis ein Algorithmus einen packenden Krimi mit überraschenden Wendungen schreibt. Ob nun über den Sport oder die Liebe, die Sprache oder die Welt: Wir von barke + partner garantieren Ihnen, dass unsere Texte handgemacht sind.

Eine ganz und gar individuelle und selbstverfasste Mahlzeit wünscht Ihnen

Rufus Barke

12.04.2017

Mit unbändiger Freude und unfassbarem Engagement habe ich mich an diese Mahlzeit gemacht. Ja, es schien geradezu unumgänglich, sich diesem Thema einmal zu widmen. Ungemein engagiert und ohne Angst vor unliebsamen Folgen machte ich mich ans Werk. Aber schon nach kurzer Zeit erfasste mich Unbehagen. Eine unerhörte Aufgabe, die ich mir da gestellt hatte: Sollte ich ganz unverblümt und unverfroren meine Meinung sagen oder würde ich dadurch ungehobelt wirken? Unentschlossen ob der Unabwägbarkeit meines Unterfangens überlegte ich, ob ich Unpässlichkeit vorschützen sollte, um das Schreiben des Textes zu umgehen. Das könnte allerdings als Unvermögen gewertet werden. Fragen quälten mich: Ging ich zu unbedarft an die Sache heran? War ich das Ganze zu ungestüm angegangen? Wäre das Ergebnis nicht unzulänglich? Ich hatte ein ungutes Gefühl. Zuviel Negatives schwang mit und meine Stimmung verschlechterte sich. Daniel Hufeisen flickr Auf Störungen reagierte ich unwirsch. Zeit, alles noch einmal zu durchdenken und drohendes Ungemach abzuwenden. Ich musste eine radikale Kehrtwendung vornehmen und mich dem Thema noch einmal ganz unvorbelastet nähern. Positiver, offener. Also noch einmal von vorn: Mit bändiger Freude und fassbarem Engagement mache ich mich an eine Mahlzeit zu den glaublich spannenden Aspekten von „Gegensätzen und Verneinungen“. Mit heimlichem Vergnügen suche ich aufhörlich und entwegt nach Beispielen, die das Spannungsfeld erbittlich erforschen. Aber auch das funktioniert nicht wirklich. Unwirklich funktioniert es aber auch nicht. Ich versuche, ruhig zu bleiben und wirsch zu reagieren, mich auf die liebsamen Folgen zu konzentrieren und so das Gemach anzulocken. Auweiauwei, jetzt läuft es vollends unrund. Und ich bin wieder zurück beim Negativen. Obwohl, ich mache mich schlau und stelle fest, die Vorsilbe „un“ kehrt die Bedeutung eines Wortes nicht immer ins Gegenteil um. Manchmal kann es sogar verstärkend wirken. Aber bevor ich eine weitere Unzahl an Wörtern aufwende, um scheinbar Gegensätzliches von unscheinbaren Begriffen zu unterscheiden und dabei unsäglich schlechte Laune bekomme, mache ich hier lieber Schluss. Ich werde mich an einen wirtlichen Ort begeben, um dort weder mürrisch und unfreundlich noch ärgerlich und aufgeregt, also weder unwirsch noch wirsch in dessen dudenbelegter Bedeutung, eine hoffentlich unglaublich leckere Mahlzeit zu mir zu nehmen.

Eine fassbare und essbare Mahlzeit wünscht Ihnen

Petra Janßen
(Foto: Daniel Hufeisen/flickr)

22.03.2017

Am Flughafen hier in Kopenhagen hatte ich grade meinen Koffer aufgegeben, als mich ein Mann mit einem Gepäckwagen in gebrochenem Deutsch-Englisch ansprach. Eine Frau stand etwas scheu hinter ihm. Ich hatte die beiden schon in der Schlange für den Schalter hinter mir wahrgenommen und war zunächst verwirrt, dass sie so schnell "abgefertigt" wurden und ihre Koffer noch hatten. Jedenfalls fragte der Mann mich, ob ich auch nach Köln fliege und bat mich, seiner Schwägerin zu helfen. Mir war nicht klar, wobei sie Hilfe brauchte und ich fragte "wobei denn?". Die beiden schauten sich an und sprachen eine mir unbekannte Sprache miteinander. Er konnte mir nicht erklären, worum es ging und so fing ich an, zu raten: "soll ich etwas übersetzen?", "etwas erklären?". Er deutete immer wieder auf das Ticket der Frau, sie flog ebenfalls nach Köln, konnte aber nichts Weiteres erklären. Auch am richtigen Schalter waren sie ja bereits gewesen. Nach fünf Minuten Ratespiel haben wir herausgefunden, dass sie sich quasi gerne "an mich hängen" möchte. Etwas verwirrt willigte ich ein. Wir machten uns auf zur Sicherheitskontrolle und tatsächlich wusste meine Begleiterin nicht, dass man keine Wasserflasche im Handgepäck haben durfte. Sie fragte mich, ob man auch kein Essen mitnehmen durfte. Die Frau konnte ein wenig besser Deutsch als ihr Schwager und erklärte mir, dass der Hinflug ihr erster Flug seit ihrer Flucht aus dem Irak vor sechs Jahren gewesen war und dass der Rückflug nach Köln, wo sie mit ihrem Mann und ihren drei Kindern wohnte, nicht weniger aufregend war. Sie und ihr Schwager wussten auch nicht, dass man für das Gepäck im Voraus bezahlen musste und sie konnte es deswegen nicht aufgeben. Am Gate angekommen zeigte sie mir Bilder von ihrer jüngsten Tochter und wir versuchten, WLAN auf ihrem Mobiltelefon einzustellen. Das scheiterte ziemlich schnell daran, dass ich nun diejenige war, die verloren war; alles war auf Arabisch. Rainer Hungershausen flickr

In diesem Moment ging mir auch auf, dass selbst ein verhältnismäßig kleiner Flughafen wie Kopenhagen überwältigend wirken kann, wenn man weder an Flughäfen und Fliegen an sich, noch an unsere Schriftzeichen gewohnt ist. Dann kann es durchaus eine Herausforderung sein, das Gate zu finden; genauso wie so etwas Banales wie das Internet auf dem Handy zu aktivieren für mich plötzlich eine Herausforderung war. Die Frau brauchte nicht Hilfe bei einem Akt oder einer Handlung. Sie wollte jemanden, der ihr den Weg zum Gate zeigt und sie einfach begleitet. Danke dem Zufall, der mich mit so einer netten Begegnung daran erinnert hat, mal meine westeuropäische Billigflieger-Brille abzunehmen und die Welt wirklich mit den Augen anderer zu betrachten. Beim nächsten Mal rate ich nicht so doof rum!

Mange hilsener

Lisa Koch

Ein Gastbeitrag unserer ehemaligen Praktikantin, die jetzt in Kopenhagen lebt.

08.03.2017

Heute in der Bahn steht eine Frau. Mitten im Gang. Ihre Tasche stellt sie wortlos neben eine sitzende Dame. Fast alle Sitze um sie herum waren leer. Ein junger Mann möchte an ihr vorbei, um sie nicht anzurempeln, sagt er höflich „Entschuldigung, darf ich bitte durch“. Sie rührt sich keinen Millimeter und motzt ihn sofort an: „Du kommst da schon durch, keine Sorge“. Es blieb ihm nichts übrig, als sich an ihr vorbeizuquetschen (und das immer noch sehr rücksichtsvoll).

An der nächsten Haltestelle steht ein Mann, rauchend. Die Bahn fährt ein. Er wirft seine Kippe zur Seite, ohne zu schauen, einem Kind vor die Füße.

Ich laufe zum Büro. Auf dem Gehsteig vor mir eine Frau. Baby vor dem Bauch, Handy vorm Gesicht. Bleibt plötzlich stehen, dreht sich um und rennt fast in mich rein (wohlgemerkt mit einem Säugling als „Airbag“). Ich konnte ausweichen, noch bevor sie von ihrem Handy aufblickte.

Diese drei Dinge geschahen innerhalb von 20 Minuten und wie so viele andere Erlebnisse im Laufe einer Woche machen sie mich traurig, wütend, fassungslos. Was ist los in unserer Umgebung, in unserer Gesellschaft? Was macht uns so unaufmerksam, unfreundlich, ja unsozial? Es ist für viele Raucher selbstverständlich, die Kippe achtlos (brennend) auf den Boden zu werfen, es ist selbstverständlich, Platz zu beanspruchen, ohne Rücksicht auf andere, und es ist anscheinend völlig normal, abwesend und desorientiert rumzulaufen, in der Annahme, dass andere schon darauf achten, wohin sie laufen. Seinen Müll aus der Jackentasche einfach auf den Boden zu werfen, oder wie die Dame im Nerzmantel letztens im Bus neben mir ihr angeschnäuztes Taschentuch über die Schulter hinweg in den Gang schmeißt! Ehrlich wahr. Vincent Luc flickr Mein Heimweg am Feld vorbei liegt voller Müll: Busfahrscheine, Schokoladenpapier und Plastiktüten, Zeitungen und Werbeblättchen. Ist es zu viel verlangt, den Einzelnen zu fragen, sich und sein persönliches Umfeld in Ordnung zu halten? Der Spruch: „Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht“, der eigentlich immer einen etwas negativ-egoistischen Touch hat, der würde doch stimmen, wenn jeder sich so verantwortungsbewusst verhalten würde, seinen Umgang, seinen Müll, seinen Raum „in Ordnung“ zu halten. Aber mir scheint, dass Respekt, Intellekt, Erziehung und Verantwortlichkeit bei immer mehr Menschen (weit) in den Hintergrund treten und unser alltäglicher Umgang mit (fremden) Menschen aus Ignoranz und Unachtsamkeit besteht. Was einfach traurig ist. Ich freue mich umso mehr über ein nettes Hallo oder ein Lächeln in der Bahn, und liebe meine Tochter für jedes Bonbonpapier in ihrer Jackentasche, weil es für sie zwar immer noch selbstverständlich ist, das Mama es dort wegzaubert, aber genauso selbstverständlich, es nicht irgendwo auf die Straße zu werfen! Respekt und Rücksicht sind auch eine Erziehungssache und ein Vorleben! In diesem Sinne: Seien Sie Vorbild!

Eine nachdenkliche Mahlzeit wünscht Ihnen
Ihre Sandra Ott

22.02.2017

Neulich beim Bäcker bestellte ein junger Vater mit seiner Tochter „drei Brödle“. Kurze Irritation bei der kölschen Verkäuferin, dann die Nachfrage: „drei Normale“? Irritation beim Vater. Verkäuferin: „Also mit Körnern drin oder normale?“ „Normale!“ Das war geklärt, es folgte die nächste Bestellung: „Un i hänn no gern oine Krapfe.“ Der Krapfen war schon fast in der Tüte, da meldet sich der Kunde wieder energisch: „Noi, des net, oine Krapfe.“ „Dat is doch enne Krapfen, ne Eierkrapfen!“ „I mein des do.“ „Ach, ne Berliner wollen Se.“ Berliner Krapfen

Schwäbisch-kölsche Völkerverständigung vom Feinsten. Und richtig gute Stimmung in der Bäckerei, alle lachten. Auch der junge Mann. Allen Bezeichnungen der Leckerei gemeinsam ist, dass es sich um einen süßen Hefeteig handelt, der in Fett ausgebacken wird. „Berliner“, wie wir hier in Köln sagen, ist eigentlich eine Abkürzung von „Berliner Pfannkuchen“ – der Berlinbewohner nennt das Gebäck „Eierkuchen“ und „Pfannkuchen“. Was natürlich im Rheinland zu absoluter Verwirrung führt, ist doch hier schließlich ein platter, in der Pfanne gebackener süßer oder herzhafter Eierteig ein Pfannkuchen. „Krapfen“ nennen offensichtlich die Schwaben, genauer die meisten Süddeutschen den Berliner. Das Lexikon der deutschen Alltagssprache der Universität Augsburg lehrt uns, dass wahrscheinlich das althochdeutsche Wort krapho für „Haken, Kralle“ Namensgeber des Krapfens ist, und dies lässt sich auch heute noch nachvollziehen, unterscheidet er sich doch vom runden Kollegen Berliner vor allem durch die unregelmäßige Form. In Schmalz gebackenes Hefeteiggebäck ist im norddeutschen Raum übrigens schon im 16. Jahrhundert belegt. Verschiedene Varianten der „Förtchen“, wie die Krapfen im Norden heißen, werden auch heute noch in einer speziellen „Förtchenpfanne“ zubereitet. Zurück zu unserem Berliner: „Kreppel“ nennen ihn vor allem die Hessen, Unterfranken und Westthüringer. Die Aachener fallen ein wenig aus dem Rahmen, dort heißt die platte, süße Kugel „Puffel“.

Der kölsche Krapfen ist übrigens ein Brauchtumsgebäck, denn es gibt ihn zumindest in Köln vorzugsweise in der Karnevalszeit (also ab 11.11. eines Jahres bis Aschermittwoch). Um die Verwirrung komplett zu machen: Der Berliner Sylvesterkrapfen wird, wie der Name sagt, auch nur zu einem bestimmten Anlass gebacken. Zu Berlinern und Krapfen gesellen sich seit ein paar Jahren neumodische Quarkinis, das sind kleine, in Fett ausgebackene Quarkbällchen. Sie scheinen sich nicht so ums Brauchtum zu kümmern, denn sie sind – je nach Bäckerei – das gesamte Jahr über zu kaufen. Ob Berliner, Pfannkuchen, Krapfen, Förtchen oder Quarkini: Meist sind sie mit reichlich Zucker und Fett zubereitet – von innen wie von außen.

In diesem Sinne, genießen Sie das Karnevalsgebäck – in Maßen, und nun voller Genuss Ihre Mahlzeit

Ihr

Rufus Barke

08.02.2017

Heute erzähle ich Ihnen keinen vom Pferd. Sondern einen vom Vogel. Oder anders formuliert: Ich möchte einen mit Ihnen zwitschern. „Bei dem piept’s wohl!“ mögen Sie nun denken. „Jawohl, zum Kuckuck nochmal, da liegen Sie richtig!“ lautet meine Antwort. Denn: Während meiner täglichen Fahrt in die Agentur und zurück begegnen mir allerlei komische Käuze. Also Menschen, die gemeinhin ein wenig seltsam und verschroben aussehen oder sich auch so verhalten. Dabei verhält sich der Kauz an sich, eine fusselig-flauschige Eulenart, weder verschroben noch seltsam, wenn er des Tages auf Ästen hockt und qua seiner euligen Gesamtkomposition etwas verkniffen dreinschaut.

David Schliersner flickr cc by

So wie der komische Kauz flattern durch unser Vokabular noch zahlreiche weitere schräge Vögel. Wer sich zum Beispiel nicht ganz regelkonform verhält, hat gerne mal einen Vogel. Und zwar nicht irgendeinen, sondern eine Meise. Ein Mensch wird durchaus mal zum Dreckspatz, zum Spaßvogel, zum Schmierfink oder auch zum Schluckspecht. Dabei sind Spechte ja weniger fürs Schlucken als fürs Hämmern berühmt. Reichlich alkoholabhängig kommt auch die Schnapsdrossel daher. In diesem Fall ist die „Drossel“ jedoch kein Vogel, sondern ein älterer Begriff für „Kehle“ – und noch heute gegenwärtig im Verb „erdrosseln“.

An den nahenden Karnevalstagen sind sicher wieder einige Schluckspechte und Schnapsdrosseln unterwegs – womöglich in Begleitung von Hupfdohlen, eitlen Gockeln und der ein oder anderen Schnepfe. Dabei ist die tierische Schnepfe an sich ein recht schön anzusehender, zierlicher Vogel mit einem dünnen langen Schnabel – die menschliche hingegen eher eine Unsinn erzählende, nervende Dame. Wahlweise und frei von jeglichem Charme werden solche Exemplare auch mal als „blöde Gans“ oder „dumme Pute“ bezeichnet. Einhergehend mit körperlichen Defiziten vielleicht sogar auch als „lahme Ente“ oder „blindes Huhn“. Und wer mit dünnen Storchenbeinen recht ungelenk durch die Gegend stakst, wird auch mal als „Spinatwachtel“ tituliert. Merke: Einige Vogelarten haben ein Imageproblem.

Eine Spinatwachtel wäre sicher auch ein kreativer Vorschlag für ein Karnevalskostüm. Alternativ zur Auswahl steht vielleicht auch noch der Pleitegeier oder der Pechvogel. Womöglich sogar mit Krähenfüßen. Und Hühneraugen.

„Mahlzeit!“ ohne Reiher(n) wünscht
Ihr Marcel Pannes

18.01.2017

Es begann mit einem leichten Kratzen im Hals, wurde dann zu starken Halsschmerzen und schließlich zu einer ausgewachsenen Erkältung. Schon wieder, und das trotz mildem Nordseereizheilklima, viel Bewegung an der frischen Luft und ausreichend Schlaf, nicht zu vergessen die tägliche kalte Dusche, hatte es mich „kalt“ erwischt. Was hatte ich falsch gemacht, fragte ich mich? War noch mehr Abhärtung nötig oder eher die Vermeidung jeglicher Kontaktaufnahme? Oder etwa beides? Klang nicht nach Spaß. Jetzt weiß ich, womöglich war es ein Zuwenig an Spaß und Kontakt. Wobei das Andere das Eine ja sogar noch zu steigern vermag. Und je intensiver der Kontakt, desto besser. So soll Küssen zu einer Stärkung des Immunsystems beitragen, wie Forscher herausgefunden haben. Beim Küssen tauschen die Partner nicht nur Zärtlichkeiten aus, sondern auch Keime – und davon gar nicht mal so wenige. 80 Millionen Keime werden beim Küssen übertragen – jedes Mal. Was auf den ersten Blick eher furchterregend als förderlich klingt, hat jedoch einen positiven Effekt. Beim Küssen werden unterschiedliche Bakterien ausgetauscht und so die Produktion von Antikörpern angeregt. Dadurch werden die Abwehrkräfte gestärkt, denn das Immunsystem lernt die fremden Mikroben kennen und kann sich so auf sie einstellen. Die fremden Bakterien mischen sich mit den eigenen und erweitern damit den körpereigenen Bakterienbestand. Die Mischung vieler unterschiedlicher Bakterien trägt also zur Gesunderhaltung des ganzen Organismus bei und enthüllt dabei ein effektives Prinzip: Stärkung durch Integration. Almee Custis Küssen

Ein weiterer Aspekt, der zur Gesunderhaltung beiträgt, darf natürlich nicht vernachlässigt werden: Küssen macht glücklich und glückliche Menschen werden seltener krank. Für die Zukunft nehme ich mir also vor, noch häufiger als bisher zu küssen, denn das macht nicht nur Spaß, sondern hat auch quasi heilsame Wirkung. Ein Trost für die, die gerade keinen Kusspartner, keine Kusspartnerin haben: Bereits leichte Berührungen wirken positiv. Wenn man dann noch mit anderen, alleine, mit guten Freunden oder bislang Unbekannten Spaß hat, dürfte das Immunsystem Freudensprünge machen – und wir auch.

Eine heiße Mahlzeit und viel Spaß wünscht Ihnen

Petra Janßen

23.11.2016

Mal nicht reden, alleine sein, Stille hören. So lange ruhig sein, bis selbst die Gedanken und die Zwiesprache im eigenen Kopf immer leiser wird und irgendwann aufhört. Geht das? Ich bin in den letzten Jahren ruhiger geworden, leiser. Als Quasselstrippe und Schnelldenker mit noch schnellerer Zunge und sarkastischem Humor konnte ich mir manchmal schon selber auf den Keks gehen. Doch seit einiger Zeit merke ich, wie sehr ich Ruhe und Stille genieße. Mit mir selber wie auch mit anderen. Hörte ich früher auf langen Auto- oder Zugfahrten laute Musik oder ließ in meinem Kopf Gespräche Revue passieren, nehme ich mir heute Silence kleinAuszeiten von Lärm und Trubel, von selbst inszenierten Geschichten meines Hirnes oder auch Hintergrundgedudel. Da ich sowohl beruflich als auch privat viel Trubel um mich herum habe, Berufsverkehr, Bus- und Bahnmitfahrer, Telefone, Kinder, Freunde, Sportevents, werden für mich die stillen Momente immer wertvoller. Um mich dieser absoluten Stille einmal komplett hingeben zu können, plane ich gerade meine persönliche kleine Auszeit. Im nächsten Jahr werde ich zehn Tage lang durch schottische Highlands wandern, alleine, mit Zelt und Schlafsack, ohne MP3-Player oder Buch, abseits der touristischen Wanderhighlights. Und ich freue mich jetzt schon darauf, auf die Stille. Die Vorstellung, nachts auf einem Berg zu sitzen und in den Himmel zu schauen, nur das zu hören, was die Natur mir zur Verfügung stellt (ja, ich weiß, es kann auch Regen auf dem Zeltdach sein, auch der ist willkommen), lässt mich am liebsten heute schon den Rucksack packen! Und wer jeden Tag mit Gelenkbussen fährt, deren knarzender Faltenbalg (heißt wirklich so) den Tag einläutet oder auch eine lustige, aber laute Kindertruppe trainiert, der weiß den Luxus der Stille sehr zu schätzen. Ich jedenfalls. Und da ich Ihnen auch gerne ein paar Minütchen Ruhe zur Verfügung stellen möchte, halte ich jetzt einfach mal den Mund, bzw. die Finger still und sage leise

Mahlzeit!
Ihre Sandra Ott

09.11.2016

Ich verreise gerne, ob innerhalb Deutschlands oder in andere Länder. Ob Elsass, Extremadura oder Eifel ist mir dabei ziemlich egal, wichtig ist nicht, wie weit ein Ort entfernt ist, sondern ob ich die Landschaft mag, mich sportlich betätigen kann und natürlich, wie die Menschen dort drauf sind. Einer meiner Lieblingsorte liegt beispielsweise an der ligurischen Küste. In diesem durchaus trubeligen Städtchen erlebe ich die Bewohner als sehr entspannt und freundlich, aber nicht so aufgedreht und laut wie häufig weiter südlich in Italien. Obgleich das auch etwas hat. Unsere Veedels-Pizzeria beispielsweise wird von einer Familie mit sizilianischen Wurzeln betrieben. Da geht es in der Küche manchmal so laut und wortgewaltig zu, dass man befürchten muss, der Chef und seine Frau, die Köchin, würden sich gleich an die Gurgel gehen, dabei hat der Patrone nur die Bestellung weitergegeben. In meinem ligurischen Lieblingsküstenstädtchen geht alles eher in etwas gemächlicherem Tempo zu. Trotz der vielen Touristen, übrigens in erster Linie Italiener, scheinen die Menschen sich selbst zu genügen. So wird in der Touristeninformation, die gefühlt nur zwischen 9.37 Uhr und 11.42 Uhr geöffnet hat, kaum Englisch und schon gar kein Deutsch gesprochen. Und Italienisch auch nur auf Nachfrage. Anscheinend möchte man die Touristen hier nicht durch zu viel Ansprache aus ihrem entspannten Urlaubsgefühl reißen.

Rechnung web
Auch die Bar Centrale ist nicht der brodelnde Mittelpunkt des Ortes. Die zwei charmanten, anscheinend nicht alternden, jungenhaften Inhaber servieren mit gleichbleibender Herzlichkeit einen der köstlichsten „caffés“, den ich bisher getrunken habe. Tiefenentspannt geht es auch in meinem Lieblingsrestaurant zu. Oder ging, muss man sagen, denn bei meinem letzten Besuch war der Patrone leider nicht (mehr) da. Zugegeben, auch bei dem Besuch davor war er schon nicht mehr der Jüngste gewesen. Aber vielleicht hatte auch nur sein zurückhaltendes Wesen und sein immer leicht schlurfender Gang diesen Eindruck erweckt. Jedenfalls hat seine stille, freundliche und zugleich immer aufmerksame Art dieses Restaurant zu etwas Besonderem gemacht. So kam er schon mal, während wir uns noch an einer, in dieser Form noch nicht gekannten Gemüsebruschetta ergötzten, mit einem Teller frittierte Zucchini um die Ecke und stellte sie mit einem gemurmelten „Habe ich gerade noch gemacht“ und einem leisen Lächeln auf unserem Tisch ab. Nach dem Essen verteilte er auf allen Tischen Flaschen mit Grappa, Limoncello, Limoncetto und Limoncino, die in der Rechnung nicht auftauchten. Die Atmosphäre war ohne den Patrone nicht mehr dieselbe: Die Chefin wirkte etwas überfordert, die pubertierende Tochter lustlos, aber zwei Dinge sind geblieben: Die Flaschen mit Obstbrand und Likör und die unvergleichlichen Rechnungen, die zumindest in Deutschland von keiner Steuerbehörde akzeptiert würden. Und so ist immer noch etwas von dem stillen, unkonventionellen und sich an eigenen Regeln orientierenden Charakter des Patrons in dem Restaurant erhalten geblieben. Ich werde auf jeden Fall wieder kommen.

Eine entspannte Mahlzeit wünscht Ihnen

Petra Janßen